Rallye auf Rollen

Für die meisten Menschen gestaltet sich Rodeln so, dass sie in einer verzauberten Winterlandschaft einen Berg hochwandern und anschließend mit der Rodel wieder runterfahren. So sind Anfang des 20. Jahrhunderts auch die ersten Rodelrennen entstanden.

Zuerst nutzte man verschneite und unpräparierte Waldwege als Strecken, erst ab 1910 begann man, eigens für den Rodelsport Bahnen anzulegen und die überhöhten Kurven zu vereisen, um sie länger befahrbar zu machen. Die ersten Kunstbahnen waren geboren!

Rallye vs. Formel 1

Bis in die 1960er Jahre gab es allerdings keine formale Trennung zwischen Naturbahn-Rodeln und Kunstbahn-Rodeln. Erst nach der Olympia-Premiere 1964 trennten sich die beiden Sparten und sind auch heute noch eigenständig. Auch, weil es mittlerweile nur mehr wenige Gemeinsamkeiten gibt, wie Naturbahn-Sportdirektor Gerald Kammerlander erklärt:

„Die Kunstbahn hat sich in Richtung Formel 1 entwickelt: Hochtechnisch und extrem Start-lastig. Im Eiskanal bin ich dann relativ Material-abhängig. Als Fahrer kann ich da weniger beitragen als auf der Naturbahn. Die Naturbahn ist für mich der Rallye-Sport. Als Fahrer hast du durch die Brems-Manöver und das Risiko mehr Einfluss, auf das Geschehen einzugreifen.“

Aufnahme ins Olympia-Programm fehlt

Professionell auf Naturbahn gerodelt wird bereits seit Ende der 1960er Jahre, als 1967 der Europapokal eingeführt wurde. 1970 kam die Europameisterschaft hinzu, seit 1979 gibt es außerdem die Weltmeisterschaft. Lediglich die Aufnahme ins Olympische Programm fehlt noch – die blieb bislang den Kollegen der Kunstbahn vorbehalten. Ein Schatten-Dasein fristet die Naturbahn laut Kammerlander dennoch nicht.

„Wir leben sehr gut damit. Jeder hat bei uns die Möglichkeit, auf die Kunstbahn zu wechseln. Man betreibt einen Sport ja meistens nicht aus Motiven wie Aufmerksamkeit oder Geld – das macht man aus Idealismus! Insofern freuen wir uns immer mit, wenn die Kunstbahn Erfolge feiert. Wir partizipieren auch davon, denn wenn es dem Verband gut geht, geht es uns auch gut. Drum drücken wir die Daumen und sind nicht neidisch.“

Vielmehr freut sich der Sportdirektor darüber, dass Naturbahn-Rodeln in den vergangenen Jahren eine gute Entwicklung genommen hat. „Wir stehen international viel besser da und haben gute TV-Produktionen. Auch das Niveau ist höher geworden, da mehr Nationen teilnehmen. Als ich 2011 aufgehört hab‘, gab es circa elf, zwölf Nationen. Mittlerweile mischen 22 bis 25 Nationen mit.“ Darüber hinaus hat es der österreichische Verband geschafft, dass Rodeln auch im Sommer präsent ist.

Rollen-Rodeln als Sommer-Spektakel!

„In den vergangenen Jahren haben wir diesbezüglich viel bewegt und können auf die Entwicklung stolz sein“, so Kammerlander. „Unter anderem haben wir das Rollen-Rodeln etabliert und aus Rodeln, das eigentlich eine zeitliche Begrenzung von drei Monaten hatte, eine Ganzjahres-Sportart gemacht. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf den Kindern, die über das Rollen-Rodeln gescoutet werden und hier die ersten Erfahrungen machen.“

Wer das Spektakel einmal live und hautnah erleben will, der hat bei den Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz die Gelegenheit dazu. Am 16. Juni (9:30-15:00) rasen die besten österreichischen Rodler:innen den Schlossberg hinunter und küren dabei den Staatsmeister bzw. die Staatsmeisterin.

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