Besondere Vorzeichen bei Trampolin-EM
Zugegeben, Trampolin-Ass Benny Wizani war schon zweimal EM-Vierter, beim Synchronspringen mit Teamkollege Niklas Fröschl anno 2021 und im Jahr darauf auch im olympischen Einzelbewerb. Aktuell ist Zurückhaltung angesagt.
Bei der Trampolin-Europameisterschaft im portugiesischen Portimao (POR, 8.-12. April) geht’s für den Paris-Olympiastarter vorrangig darum, nach langer Verletzungspause zu alter Klasse zurückzufinden. Der EM-Auftritt ist nach der WM in Pamplona im November vergangenen Jahres erst sein zweiter internationaler Wettkampf seit der Knie-Operation nach Kreuzbandriss.
„Ich habe aufgehört, an Platzierungen oder Punktezahlen zu denken. Das lenkt mich nur ab und erzeugt unnötig Druck“, sagt Benny Wizani. „Meine Zielsetzung lautet: Ich will mich kontinuierlich steigern, deutlich besser sein als 2025.“ Das heißt konkret gesprochen: Besser sein als bei der WM im vergangenen November, als der 24-Jährige nach 15-monatiger Verletzungspause sein Comeback auf internationaler Bühne gab. Damals, in Pamplona, zeigte er nur zwei Dreifachsprünge und war sichtlich noch gehandicapt. Der 78. Rang verkam zur Randnotiz, Hauptsache der Wiener hatte sich gesund zurückgemeldet.
Niveau gesteigert
Mittlerweile scheint wieder alles im Lot. Der 10-fache Staatsmeister erreicht am Trampolin längst wieder Höhen bis zu 9 Meter. Seine Küren umfassen jeweils fünf Dreifachsprünge. „Ich bin vom Trainingsumfang und von der -intensität auf dem Niveau von 2023, als ich in Birmingham WM-Sechster wurde“, weiß der Sportsoldat.
Erst auf den zweiten Blick offenbaren sich kleine Defizite. „Benny ist körperlich noch nicht bei hundert Prozent angekommen, auch punkto Schwierigkeit seines Programms haben wir das Niveau vor der Verletzung nicht ganz erreicht“, analysiert Coach Wilfried Wöber. „Wenn er sich in Portugal souverän fürs Halbfinale der besten 24 Athleten qualifiziert, wäre ich durchaus zufrieden. Wir wollen das heurige Jahr vorrangig dazu nutzen, uns auf 2027 vorzubereiten. Dann erst wird’s für uns wieder richtig ernst, wenn es bei der WM um die ersten acht Fixplätze für Olympia in Los Angeles geht. Im Vordergrund steht bis dahin, das Verletzungsrisiko bestmöglich auszuschalten.“
Zwischenjahr Richtung LA
Benny hört’s und nickt. „Mir ist wichtig, dass die Steigerung gegenüber der WM in Pamplona deutlich ersichtlich ist. Wenn ich mein Programm mehr oder weniger fehlerlos präsentieren kann, wäre schon sehr viel erreicht.“ Seitdem die Belastungen im Training wieder in Richtung 100 Prozent gingen, kamen im operierten Knie prompt die Schmerzen zurück. „Ich musste das ein oder andere Training auslassen. Aber das ist durchaus normal, wenn du knapp zwei Jahre nicht am Leistungsmaximum trainieren konntest. Es besteht kein Grund zur Sorge. Ich muss dem Knie nur Zeit geben. Mein Physiotherapeut und die Ärzte sind jedenfalls zufrieden.“
Die gute Nachricht: Die EM in Portimao und die WM Anfang November in Nanjing (CHN) sind nur Zwischenstationen am Weg zu den Olympischen Spielen in Los Angeles 2028. „2026 sehen wir als Zwischenjahr, in dem wir möglichst viele Hausaufgaben erledigen wollen“, sagt Trainer Wilfried Wöber und lächelt. „Wir werden nichts überstürzen! Benny ist erfahren genug, um mit dieser Situation umzugehen.“
Insgesamt sind für die Trampolin-Europameisterschaft von Mittwoch bis Sonntag 465 Athlet:innen aus 29 Nationen genannt, darunter acht Österreicher. In der Eliteklasse gehen neben Benny Wizani noch Niklas Fröschl, Ilya Michaud und Georg Hopfgartner an den Start, bei den Junioren stellt Turnsport Austria mit dem erst 12-jährigen Simon Reichhart, Leonhard Zens und Luca Zivancev drei EM-Debütanten, nur der Oberösterreicher Finn Markovsky war schon 2024 in Guimaraes mit dabei.
