Das perfekte Match!

Der 56-jährige Gerald Zimmermann ist eine Institution im heimischen Kickbox-Sport. Vier Welt-, zwei Europameistertitel sowie unzählige Staatsmeistertitel zieren die erfolgreiche Karriere des Kärntners. Als Sportler galt er als Einzelgänger, aber mit dem Herz am richtigen Fleck, vor allem für seinen Sport und seine AthletInnen. Zimmermann, der nicht nur ein erfolgreicher Athlet war und heute Trainer in Velden sowie Präsident des Kärntner Landesfachverbandes für Kickboxen ist, hat in St. Egyden eigenhändig einen Stützpunkt aufgebaut, der schon viele Welt- und Europameister hervorgebracht hat.

Seit vielen Jahren sind Sie eine prägende Persönlichkeit im Kickboxen. Können Sie sich noch an die Anfänge erinnern?
Gerald Zimmermann: Im Alter von 15 Jahren haben vor allem die bekannten Kung-Fu-Filme mit Bruce Lee mein Interesse für den Kampfsport geweckt und ich habe mich im Sportkarate versucht. Nach einiger Zeit bin ich dann zu einem reinen Kickbox-Verein nach Klagenfurt gewechselt, wo ich auch Niki (Anm.: Gstättner), den heutigen Management Direktor des österreichischen Bundesverbandes für Kick- und Thaiboxen, beim Training kennengelernt habe. Nachdem sich dort der damalige Trainer (Anm.: Günther Posteiner) zurückgezogen hat, haben wir beide gemeinsam mit der Sportunion die damals noch nicht vorhandenen Strukturen für einen Landesfachverband mit Vereinen und Statuten in Kärnten aufgebaut.

Was bedeutet dieser Sport für Sie?
Zimmermann: Ich war von Kind an immer schon ein bisschen der Einzelgänger, der nicht unbedingt mit der Masse mitgeschwommen ist. Kickboxen ist eben auch ein Einzelsport, wo man selbst für seine Leistungen verantwortlich ist und sich nicht – wie beispielsweise im Mannschaftssport – auf andere verlassen kann. Das gefällt mir. Ich habe den Sport auch nie mit dem Hintergedanken betrieben, dass ich damit große Geld verdienen möchte. Denn, wenn ich die Zeit, die ich für den Sport aufgeopfert habe, gearbeitet hätte, könnte ich heute wohl einen neuen Porsche fahren (lacht).

Beim Kickboxen haben viele Leute einen brutalen Sport im Kopf – wie ist das in der Praxis?
Zimmermann: Wenn ich ganz ehrlich bin, dann ist die Verletzungsgefahr beim Kickboxen geringer als bei so manchen Ballsportarten. Natürlich hat man da und dort mal ein blaues Auge oder eine Prellung, aber schwere Verletzungen sind äußerst selten. Dabei hilft uns unsere Schutzausrüstung und auch die Tatsache, dass wir eben genau auf diese Schläge/Kicks hintrainieren. Es gibt zudem auch unterschiedliche Disziplinen. Beim Semikontakt (Anm.: Pointfight) und Leichtkontakt geht es beispielsweise ausschließlich um Punktewertungen, ein Niederschlag oder K.O. sind nicht erlaubt. Beim Vollkontakt hingegen ist das Ziel sehr wohl den Gegner in die Knie zu zwingen und diesen K.O zu schlagen. Im Kampf geht es dann aber oftmals zur Sache, danach gibt man sich die Hand und geht dann auch mal auf ein Getränk.

Wie sehen Sie die Entwicklung in den letzten Jahren?
Zimmermann: Wenn ich an meine Anfänge zurückblicke, dann haben wir damals bei Wettkämpfen in privaten Zimmern übernachtet – teilweise am Boden, da es nur ein Bett gab. Für unsere Wettkämpfe sind wir bis zu einer Dreiviertelstunde zu Fuß zur Sporthalle gegangen. Heute ist alles top organisiert, das kommt den Athletinnen und Athleten entgegen. Die Hotelzimmer sind gebucht, die Distanz zur Sportstätte wird mit Autos/Bussen zurückgelegt und die Sportlerinnen und Sportler können sich voll und ganz auf den Wettkampf konzentrieren. Wir mussten immer den ganzen Tag in der Halle sein, man wusste nicht wann seine Kämpfe sind, es gab keinen genauen Zeitplan – da war eine große Portion Flexibilität gefragt. Es gab also eine irrsinnige Qualitätssteigerung im kompletten Verband, egal ob bei der Betreuung, der Turnierorganisation, der Schulung von Trainerinnen und Trainern sowie Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern, der professionellen Durchführung von Trainingslagern oder der Tatsache, dass Kickboxen mittlerweile sogar olympisch ist. Es hat sich in eine sehr positive Richtung entwickelt, aber auch das Kickboxen selbst ist definitiv schneller geworden.

Hat sich Ihr Blick als Funktionär/Trainer auf die Sportart verändert?
Zimmermann: Das hat sich definitiv geändert. Ich bin reifer geworden und habe einen anderen Blickwinkel auf die entscheidenden Dinge. Früher mussten wir Sportler bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft noch alles selbst bezahlen, während die Funktionäre – teils sogar aus unseren Mitteln heraus – alles bezahlt bekamen. Heutzutage machen die Funktionäre extrem viel im Hintergrund, sind die ersten vor Ort und gehen erst wenn alles vorbei ist. Und dies für eine sehr überschaubare Aufwandsentschädigung. Den Sportlerinnen und Sportlern wird diesbezüglich so viel Organisatorisches abgenommen und durch die tolle Arbeit der Funktionäre können sie sich eben voll und ganz auf den Sport konzentrieren.

Bei Ihrem Verein WKC Velden werden serienweise Welt- und Europameister geformt? Was ist das Geheimnis dahinter?
Zimmermann: Nach meinem letzten Weltmeistertitel war das ganze Umfeld rund um den Verein sehr motiviert und wir liebäugelten mit dem Bau einer eigenen Trainingshalle. Bis dato hatten wir als Trainingsmöglichkeit nämlich nur zwei Mal die Woche die 52 Quadratmeter große Turnhalle der nahegelegenen Volksschule St. Egyden zur Verfügung. Daher entschied ich mich gemeinsam mit Unterstützung der Gemeinde, der Sportunion und dem Land Kärnten (Anm.: Abteilung Sport) eine 120 Quadratmeter große Trainingshalle für meinen Verein zu errichten. Fortan konnten wir nun täglich an den Nachmittagen beziehungsweise an den Abenden (auch in den Ferien) dort trainieren. Die Vormittage stellen wir der ortsansässigen Volksschule für Turneinheiten zur Verfügung. Durch diesen Zusammenhalt im Ort entstand quasi ein familiäres Umfeld. Dank einiger „Zugpferde“ unter den Aktiven und den tollen Rahmenbedingungen sind offensichtlich diese Erfolge möglich geworden.

Sie waren selbst ein sehr erfolgreicher Athlet, auch Ihr Sohn ist in dem Sport sehr erfolgreich. Wie funktioniert das Zusammenspiel? Sind Sie mit dem eigenen Sohn strenger?
Zimmermann: Ich bin zu allen streng (lacht). Da mache ich keinen Unterschied, ob ich jetzt mit meinem Sohn oder einem anderen Athleten trainiere. Mit mir kann man durchaus Spaß haben. Im Sport sehe ich mich doch eher als strengen Trainer, der auch – egal ob jemand Europa- oder Weltmeister ist – auf Fehler hinweist. Bei meinem Sohn ist es halt manchmal etwas schwieriger, da ich eben auch sein Vater bin und da glaubt er mir vielleicht da und dort nicht immer alles gleich beim ersten Mal.

Die Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz feiern im Juni ihre Premiere. Wie finden Sie diese Veranstaltung nach einer langen Zwangspause?
Zimmermann: Die Sport Austria Finals finde ich eine absolut tolle Veranstaltung. Gerade fürs Kickboxen ist es natürlich super, wenn durch die mediale Vermarktung unser Sport etwas mehr ins Rampenlicht gerückt wird und somit von der breiten Bevölkerung vielleicht auch etwas mit anderen Augen gesehen wird.

Nimmt Ihr Sohn auch in Graz teil?
Zimmermann: Selbstverständlich ist er dabei. Erik wird neben sechs bis sieben andere Teilnehmerinnen und Teilnehmern unseres Vereins an den Sport Austria Finals teilnehmen.

Wagen wir einen Ausblick in die Zukunft. In welche Richtung wird sich Kickboxen entwickeln?
Zimmermann: Ein großes Problem im Allgemeinen ist, dass die heutige Jugend leider nicht mehr so bereit ist, Sport zu treiben und sich im Training zu schinden. Nicht nur im Kickboxen, sondern beispielsweise auch aus dem ortsansässigen Fußballverein hört man, dass nicht mehr so viele Kinder im Verein spielen wollen. Es gibt Phasen da kommen wieder mehr Leute zum Kickboxen, aber auch jene, wo sich einige wieder aus dem Sport zurückziehen – es wird immer ein auf und ab sein.   Gerade für den Kickbox-Sport hoffe ich, dass die Sport Austria Finals in Graz die Bekanntheit unseres Sports steigern und dadurch wieder mehr Kinder zum Sport bewegt werden.

Sie haben die Kinder angesprochen, warum sollten Nachwuchssportler mit Kickboxen beginnen?
Zimmermann: Kickboxen ist nicht einfältig, sondern umfasst gleich mehrere Bereiche – Kräftigen, Dehnen, Koordination und man lernt eine gewisse Art von Disziplin kennen. Es hat in meinen Augen auch einen gesundheitlichen Aspekt, wenn das Training unter Anleitung eines Trainers richtig ausgeführt wird. Aber auch wenn einigen Kindern das Kickboxen vielleicht nicht so zusagt, wichtig ist generell, dass sie sich bewegen und etwas tun, damit es ihnen gesundheitlich langfristig gut geht – unabhängig für welche Sportart sie sich letztendlich dann entscheiden.

Was war der emotionalster Moment Ihrer so erfolgreichen Karriere?
Zimmermann: Puh, das ist nicht einfach zu beantworten. Jeder Weltmeistertitel, jeder Europameistertitel aber auch jeder Staatsmeistertitel waren schön und erzählen eine eigene Geschichte. Generell habe ich mich über jeden Sieg gefreut. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann waren die Erfolge meiner Athletinnen und Athleten eigentlich das Schönere. Zu sehen, dass mein Training mit ihnen Früchte trägt oder wie beispielsweise mein Sohn Erik Doppel-Europameister geworden ist, das gibt einem emotional sehr viel.

Wir danken sehr herzlich für das Gespräch!

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