Der verlorene Schatz

Der Film „Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes“ ist wohl den meisten ÖsterreicherInnen bestens bekannt und könnte in einer gewissen Art und Weise der Leitspruch von Nina Scheucher sein. Zum einen ist die 34-Jährige in beruflicher Hinsicht als Archäologin unter anderem auf der Suche nach alten Goldmünzen aus der Zeit der Römer, zum anderen jagt die Steirerin im Thaiboxen bei ihren Wettkämpfen wertvolles Edelmetall – große Emotionen inbegriffen.

Eines Tages kam Scheucher durch einen guten Freund erstmals mit dem Thaiboxen in Berührung – dieser Tag sollte das Leben der heute 34-Jährigen verändern und ein wenig auf den Kopf stellen. Voller Begeisterung und voller Tatendrang hängte sich die Steirerin fortan in ihre „neue sportliche Aufgabe“ und bestritt sehr schnell die ersten Kämpfe. „Für mich bedeutet Thaiboxen alles, es gehört fix zu meinem Leben. Es gibt keinen Tag ohne Training, ich lebe für diesen Sport und plane mein Leben danach. Es macht mich glücklich und erfüllt mich! Ich will etwas erreichen und es ist meine Lebensaufgabe“, schwärmt Scheucher, die in den Wintermonaten oftmals zum Training nach Thailand fliegt beziehungsweise regelmäßig andere Trainingscamps besucht, von ihrer großen Leidenschaft.

Im Vergleich zu vielen ihrer Konkurrentinnen gilt sie definitiv als Spätstarterin, kompensiert die fehlenden Trainingsjahre allerdings mit einem enormen Ehrgeiz und Willensstärke.

„Ich habe erst mit 27 Jahren, also sehr spät, mit dem Thaiboxen angefangen. Viele meiner Konkurrentinnen machen das schon seit dem sechsten Lebensjahr, haben eine andere Vorgeschichte und mit Judo beispielsweise schon früh Erfahrungen im Kämpfen gesammelt. Ich hatte vorher noch keine Kampferfahrung. Es ist nicht so einfach, mit der Weltelite mitzuhalten, sie haben in puncto Erfahrungswerte einen Vorsprung“, weiß die zweifache EM-Bronzemedaillengewinnerin die Situation richtig einzuordnen und überzeugt mit ihrer Zielstrebigkeit sowie einem klaren Lebensplan. Eines wird jedoch schnell klar: Scheucher ist ein Mensch, dir sich zu 100 Prozent auf ein Thema einlässt und sich da bedingungslos reinhängt. Das spiegelt den Charakter der sympathischen Thaiboxerin sowohl auf privater als auch auf sportlicher Ebene gänzlich wider.

Doppelpass Thaiboxen und Archäologie

Vom Thaiboxen alleine kann man in Österreich trotz aller Anstrengungen nicht leben. Aber was macht eine Athletin, die sich in einem „harten Sport“ durchschlagen muss, beruflich? Über gute Freunde ist Scheucher zu ihrem Hauptberuf gekommen. Nach einigen Vorlesungen war es klar, die 34-Jährige begann Archäologie zu studieren, schloss das Studium zügig ab und arbeitet heute als selbstständige Archäologin im Raum Wien und dem Burgenland.

„Ich bin kein Büromensch, arbeite gerne draußen und genieße die Abwechslung. Es ist wirklich ein anstrengender Beruf und für mich persönlich auch ein gutes Training. Ich bin oftmals nur mit Schreibtruhe und Schaufel unterwegs und habe schon viele spannende Sachen ausgegraben beziehungsweise gefunden. Neben alten Baustrukturen aus der Zeit der Römer waren auch viele alte und glänzende Goldmünzen dabei – von daher habe ich mir meinen Kampfnamen ‚Gold Hunter‘ abgeleitet“, gerät die Steirerin über ihren Beruf ins Schwärmen, auch wenn es das Wort „Langeweile“ in ihrem Leben so nicht gibt: Nach einer Runde am Fahrrad-Ergometer erfolgt um 7:00 Uhr der Start in den Arbeitstag, der gegen 17:30 fließend zum Training übergeht. Nach einigen intensiven Stunden gehen dann gegen 21:30 Uhr die Lichter aus.

Drei entscheidende Jahre

Auch wenn die letzten Monate Corona-bedingt auch für Scheucher nicht einfach waren, gibt es für die nächsten drei Jahre ziemlich konkrete Ziele und drei Fixpunkte. Die Hoffnung, auf eine Rückkehr in den normalen Trainingsmodus und mehrere Wettkämpfe im Sommer ist in der aktuellen Phase treuer Wegbegleiter. „Ich will mich unbedingt für die auf 2022 verschobenen World Games qualifizieren. Danach warten 2023 die European Games, ehe 2024 die Olympischen Sommerspiele in Paris auf meinem Zettel stehen. Ich werde Vollgas geben und versuchen das Optimum herauszuquetschen. Da ich ja schon 34 Jahre alt bin, habe ich dahingehend schon einen gewissen Zeitdruck. Corona hat auch mir in den letzten eineinhalb Jahren ziemlich viele Steine in den Weg gelegt.“

Zuletzt konnte die Thaiboxerin, die sich in der Gewichtsklasse bis 60 kg richtig wohl fühlt, bei zwei Turnieren in Tschechien und Ungarn „Gold“ gewinnen. „Gewinnen ist einfach das größte – das Gefühl ist unbeschreiblich, einfach geil. Aber auch wenn einmal einen Kampf verloren wird, ist das sehr emotional – ich steigere mich da immer richtig hinein. Aber ein Sieg macht dann alles wieder weg, etwas Besseres gibt es gar nicht. Es ist einfach ein geiler Sport – mit all seinen Facetten“, wird die zweifache EM-Bronzemedaillengewinnerin richtig emotional.

Super Sache für den Nachwuchs

Kampfsport ist auch für junge Mädels und Burschen eine super Sache. So bringt Thaiboxen jede Person weiter, es wird ein besseres Gefühl für den eigenen Körper entwickelt und stärkt das Selbstbewusstsein. „Es ist zwar ein Einzelsport, man hat im Training aber immer Leute um sich und es entwickelt sich trotzdem ein Teamgeist. Ich bin der Meinung, dass man die Jugend viel mehr zum Sport animieren sollte. Es wird sich langfristig auf ihre Gesundheit auswirken“, appelliert die Archäologin und setzt sich dafür ein, Jugendlichen „eine sinnvolle Aufgabe“ zu geben

„Man unterschätzt in dieser schweren Pandemie, was der Sport den Leuten gibt – es sollten mehrere Möglichkeiten offengelegt werden. Für die Gesundheit und die Psyche der Menschen ist Sport enorm wichtig. Ich kann nur jedem empfehlen, Thaiboxen auszuprobieren. Es hat sehr viele positive Effekte und man kann diesen großartigen Sport ja auch hobbymäßig ausüben. Ich verspreche, dass Thaiboxen jedes Leben bereichern wird“, findet Nina Scheucher schöne Schlussworte.

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