Herr der Ringe

Ausnahme-Turner Vinzenz Höck kehrt für die Sport Austria Finals nach Graz zurück. Im Interview spricht der 25-jährige Olympia-Kandidat über die Finals-Premiere, Faszination Ringe, spektakuläre Aufnahmen am Uhrturm und sein Markenzeichen.

Wie groß ist die Vorfreude auf die Finals in Graz?
Vinzenz Höck: Riesig. Ich war bereits 2018 bei der ersten Multisport-Europameisterschaft in Glasglow und Edinburgh dabei. Die Stimmung war einzigartig, fast wie bei einem Festival. Hoffentlich gelingt es uns, nach Corona ein sportliches und begeisterndes Ausrufezeichen zu setzen.

Du sprichst die Begeisterung an – wie sehr sind die ZuschauerInnen in den letzten Monaten abgegangen?
Höck: Natürlich freue ich mich darauf, endlich wieder einmal vor Fans zu turnen. Die Finals sind nicht nur für uns Sportlerinnen und Sportler sondern für Graz, die Steiermark und ganz Österreich wichtig zu zeigen: Schaut her, das Schlimmste ist vorbei – ein Sport-Fest dieser Größenordnung ist mit oder trotz Corona möglich.

Warum sollten Menschen, die noch nie beim Turnen waren, bei den Finals in die Halle kommen?
Höck: Spektakel ist garantiert, vor allem wenn man noch nicht mit der Materie befasst ist. Das geht beim Einturnen los, wenn die Athletinnen und Athleten kreuz und quer durch die Halle fliegen und hört nicht auf – es ist also jedenfalls einen Besuch wert. Und ganz anders als Instagram oder YouTube …

Wie meinst du das?
Höck: Es schwingt live in der Halle einfach so viel mehr mit als die reine Bewegung. Ich hoffe, dass wir den einen oder anderen begeistern können.

Du turnst international, hast 2020 EM-Silber an den Ringen gewonnen und darfst auf ein Olympia-Ticket hoffen. Welchen Stellenwert haben Staatsmeisterschaften für dich?
Höck: Ich probiere immer, sie als das zu sehen, was sie sind: der größte nationale Wettkampf, den wir haben. 2019 in Graz habe ich meinen letzten Mehrkampf bestritten und wurde zum ersten Mal Staatsmeister. Ich habe nur gute Erinnerungen daran.

Die Goldmedaille wurde erst am letzten Gerät vergeben?
Höck: Alexander Benda und ich haben uns ein packendes Duell um Gold geliefert, in dem am Ende 25 Hundertstelpunkte den Ausschlag gegeben haben. Der Wettkampf ist mir aber nicht nur deshalb in Erinnerung geblieben, es war auch das Rundherum. Die Stimmung, die Zuschauer und vor allem die vielen bekannten Gesichter auf den Tribünen im Sportpark.

Bei den Finals 2021 wirst du dich auf deine Spezialdisziplin konzentrieren. Was macht die Faszination Ringe für dich aus?

Höck (schmunzelt): Es ist das, was ich kann! Aber Spaß beiseite: Die Ringe sind sehr kraftbetont, die physische Kondition ist meine größte Stärke. Gleichzeitig verzeihen sie keine Fehler. Ein kurzer Wackler, eine kleine Unkonzentriertheit, das wird sofort bestraft. Aber ich werde bei den Finals auch das eine oder andere Gerät turnen, um mit dem Team Steiermark die Goldmedaille zu holen.

Kommen wir noch einmal zu den Ringen: was ist die Geschichte zu deinem Foto am Uhrturm?
Höck: Das war eine einmalige Erfahrung, auch weil an diesem Tag alles gepasst hat. Wir hatten alle Bock drauf, das Wetter war top, es hat alles super geklappt und ich freue mich heute noch über die wirklich atemberaubenden Bilder.

Konntest du den Ausblick genießen?
Höck: Ich habe ehrlich gesagt nicht probiert, zu viel nach links und rechts zu schauen. Aber einmal habe ich beim Rauffahren mit dem Kran probiert, die Aussicht zu genießen. Heute würde ich sagen: Ich habe es wahrgenommen.

So wie wir deinen Schnauzer, der ich schon lange begleitet. Wie ist es dazu gekommen?
Höck: Meine Freundin hat mir gesagt: Mein Mann braucht einen Bart! Also habe ich mein Bestes gegeben, aber nicht mehr als einen Schnauzer zustande bekommen. Mittlerweile ist es ein Markenzeichen geworden und seit Corona sind Bärte sowieso voll in. Ich war also eigentlich Trendsetter!

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