Schach tut gut!

Schach, seit jeher bekannt als „königliches Spiel“, ist Sport. Der Weltschachbund (FIDE) ist mit 195 Mitgliedsstaaten der viertgrößte Sportverband der Welt. Die WM-Kämpfe haben eine lange Tradition und erweckten stets große mediale Aufmerksamkeit. Der Weltmeister verteidigt seinen Titel in einem Zweikampf gegen einen Herausforderer, der sich in einer mühsamen Qualifikation gegen die besten Spieler der Welt durchsetzen muss. Dieses traditionsreiche System sorgt für Kontinuität.

Erster offizieller Weltmeister wurde 1886 der Österreicher Wilhelm Steinitz. Der Norweger Magnus Carlsen hat den Titel seit 2013 inne und ist damit erst der 16. Weltmeister der Schachgeschichte. Seine Vorgänger sind: Wilhelm Steinitz, Emanuel Lasker, Jose Raul Capablance, Alexander Aljechin, Max Euwe, Michail Botwinnik, Wassili Smyslow, Michail Tal, Tigran Petrosjan, Boris Spassky, Bobby Fischer, Anatoli Karpow, Garri Kasparow, Wladimir Kramnik und Viswanathan Anand.

Der Österreichische Schachbund (ÖSB) feierte am 12.12.2020 sein 100-jähriges Bestehen und ist seit 2005 offizielles Mitglied der Sport Austria Bundes-Sportorganisation. Die damit verbundenen Förderungen ermöglichen ein professionelles Umfeld und die Umsetzung vieler Projekte. Erfolge blieben nicht aus. Im Jugendbereich sind seit 2015 insgesamt 28 Medaillen gelungen bei Welt- und Europameisterschaften gelungen. Das Nationalteam feierte in der offenen Klasse bei der WM in Batumi mit einem 14. Platz unter 185 Nationen ebenso ein sensationelles Ergebnis, wie die Frauen 2015 mit einem historischen 9. Platz bei der EM in Reykjavik.

Schach eignet sich aber auch als „educational tool“ zur Integration und Erhaltung der geistigen Fitness. Es fördert Intelligenz, Empathie, Gedächtnis, problemlösendes Denken, Kreativität und die Fähigkeit zu planen, beugt Demenz vor und kann sogar ADHS und Panikattacken lindern. Dieses Fazit zieht „Healthline“ unter Berufung auf zahlreiche wissenschaftliche Studien in einem Artikel am 19. Oktober 2020. In einem Artikel „Fit statt matt“ untersucht die Journalistin Felicitas Freise, welche Vorteile es bringen kann Schach zu spielen.

In der Pandemie hat Schach zum weltweiten Siegeszug angesetzt: Immer mehr Menschen widmen sich dem Brettspiel, das rund 1.500 Jahre alt ist. Auslöser dieses Booms ist einerseits eine brillant gemachte Streaming-Serie, andererseits die Coronavirus-Pandemie samt Lockdowns mit Ausgangsbeschränkungen. Schachgarnituren sind ausverkauft. Grund dafür ist die erfolgreiche Netflix-Serie „Damengambit“ mit Anya Taylor-Joy, die als „Beth“ Harmon in einem Waisenhaus in Kentucky ihr Talent und ihre Liebe zum Schach entdeckt und in diesem männerdominierten Sport Weltmeisterin werden möchte. In der Pandemie füllte der Schachsport im ersten Lockdown mit der Online Champions Chess Tour, initiiert von Weltmeister Magnus Carlsen persönlich, eine Lücke in der Sportberichterstattung. Zu Hause konnte sich Schachspieler aller Levels jederzeit online Schach spielen und sich während der Ausgangsbeschränkungen mit freien Partien, aber auch Turnieren, die Zeit vertreiben.

Dieser Schach-Hype führt zu unzähligen Anfragen von Medien, die sich insbesondere dem Frauenschach widmen, und damit in eine offene Wunde des Schachsports stoßen. „Wir arbeiten an Stukturreformen und sind am Beginn eines langen Weges mit dem Ziel die Männerdomäne im Schach aufzubrechen“, meint der frischgebackene ÖSB Präsident Christof Tschohl in einem Interview auf ORF Online.

Aber auch „Over the board“ konnte Schach im letzten Jahr gespielt werden. Dabei spielt St. Veit eine wichtige Rolle. Das Open in Blumenhalle war unter strengen Sicherheitsvorkehrungen im Juli 2020 das erste Schachturnier nach dem ersten Lockdown. Im März 2021 sichert sich der Schachverein St. Veit erstmals den Titel in der Österreichischen Schach Bundesliga. Jetzt freut sich die Schachgemeinde auf die Staatsmeisterschaften in den Speed-Diziplinen Blitz- und Schnellschach vom 4.-6. Juni 2021 im Rahmen der Sport Austria Finals im Grazer Kongress. „Wir gehen davon aus, dass die meisten unserer Spitzenspieler antreten werden, allen voran unserer Nummer Eins, Markus Ragger“, ist ÖSB Generalsekretär Walter Kastner überzeugt.

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