Ein Film als Startschuss

Es gibt wohl kaum jemanden, der sich nicht an Hanni und Nanni, einer 2010 entstandenen deutschen Jugendfilm-Komödie, erinnert. Genau diese eineiigen Zwillinge und ihre Liebe zum Hockeysport sollten auch Olga Rüffler ihren sportlichen Weg weisen. „Damals war so ein richtiger ‚Hanni und Nanni‘-Hype. Ich wollte mit meiner besten Freundin unbedingt auch mit dem Hockey spielen anfangen. Die Trainingszeiten waren aber leider immer am frühen Nachmittag, das ging sich bei uns mit einer Ganztagsschule leider nicht aus. Naja, dann ist es eben Floorball geworden – da bin ich bis heute hängengeblieben. Es ist ein unberechenbarer Sport, der sehr schnell ist und wo das Teamgefüge einen enorm hohen Stellenwert hat – das macht es für mich so spannend“, blickt Rüffler an ihre Anfänge zurück.

Eine Frage der Perspektive

Die 22-Jährige spielt als Torfrau seit vielen Jahren beim UHC Linz, was auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches ist, aber beim genaueren betrachten, dann doch einen wichtigen Teil einer speziellen Konstellation darstellt. Die Oberösterreicherinnen habe mit Rum bei Innsbruck seit einiger Zeit eine Spielgemeinschaft und können so eine erfolgreiche Teilnahme in der Bundesliga gewährleisten. „Diese Voraussetzungen sorgen doch oftmals für großes Erstaunen. Auch wenn wir regelmäßig gemeinsame Lehrgänge absolvieren, trainieren beide Teams separat – wir treffen uns dann erst bei den Spielen. Der Austausch zwischen den Trainern funktioniert aber reibungslos und wir vertrauen da auf unsere langjährige Floorball-Erfahrung. Prinzipiell sind wir bei den Spielen durchgemischt, aber ab und zu ist es dann doch ein ‚Verteidigungspaar aus Rum oder Linz‘. Ich denke wir haben da einen sehr guten Weg gefunden“, berichtet Rüffler, die mit dem UHC Linz alleine keine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine stellen könnte. „Es ist leider nicht so, dass der Ansturm an Frauen so groß ist – abgesehen von Wien vielleicht. Speziell bei uns in Linz ist der Zulauf aktuell sehr gering, aber in den letzten zwei Jahren war es ja fast unmöglich, neue Lizenzspielerinnen zu gewinnen. Von dem her sind wir sehr froh über unsere Spielgemeinschaft. Aber wir versuchen mit verschiedenen Projekten und Schulbesuchen dem entgegenzuwirken und neue Mädls anzuwerben.“

Schweiz als Vorbild

Die Entwicklung im österreichischen Floorball stimmt die 22-Jährige sehr zuversichtlich, auch wenn es nach wie vor noch sehr viel zu tun gibt. Immerhin kämpfen mittlerweile schon fünf Damenteams in der Bundesliga um den Titel. Langfristig gesehen soll der Sprung mit der Nationalmannschaft in die Top-15 gelingen, was für die JUS-Studentin ein realistischer Ansatz ist: „Uns muss aber klar sein, dass es bei uns nicht die Möglichkeiten gibt, wie in anderen Ländern. Wir werden aber weiterhin unser Bestes geben, aber wir müssen konsequent und geduldig sein. Wenn wir das schaffen, können wir uns im Ranking kontinuierlich verbessern.“ Ein wichtiger Baustein für diesen Entwicklungsprozess war die Verpflichtung von Thomas Nievergelt, der nicht nur Nationaltrainer ist, sondern seit Jänner 2022 auch die Position des Damen-Sportchefs bekleidet. Ein Mann mit vielen Ideen, klaren Konzepten und dem Willen, etwas voranzutreiben. „Die Schweizer sind viel weiter als wir in Österreich. Unser Trainer kann uns viel beibringen und uns auf ein neues Niveau heben – von dem Know-how können wir alle profitieren. Er geht die Sache mit viel Elan an, hat sich aber auch den Gegebenheiten ein wenig anpassen müssen. Es wird viel Wert auf den mentalen Bereich und Einzelgespräche sowie Videoanalysen gelegt, die Kombination scheint aber gut zu stimmen.“

Offene Rechnung

Das Finale bei den Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz 2021 war aber nichts für schwache Nerven. Die Spielgemeinschaft UHC Linz/Rum musste sich in einem dramatischen Penaltyschießen geschlagen geben. Eine Niederlage, die 2022 für eine große Revanche schreit. „Es verliert keiner gerne, es war dann schon bitter. Aber es war ein cooles Event, super organisiert und hat die Erwartungen definitiv erfüllt. Heuer wollen wir zurückschlagen, aber zuerst müssen wir in der Bundesliga ins Finale kommen und uns somit für die Sport Austria Finals qualifizieren“, gibt Rüffler die Marschrichtung vor.

Die 22-Jährige ist aber nicht nur als Spielerin aktiv, sondert trainiert neben ihrem Studium in Salzburg (Anm.: Rüffler schreibt gerade ihre Diplomarbeit zum Thema „Schadenersatz bei Datenschutzverletzungen“) noch den Nachwuchs und will ihre Erfahrungswerte weitergeben. Aber damit noch nicht genug. Für den Österreichischen Floorball Verband ist die Staatsmeisterin von 2019 und 2020 auch die neue NADA-Beauftragte. „Das hat sich letzten Sommer so ergeben. Beim Jahresgespräch hatten wir einen sehr guten Austausch. Es wurde zu dieser Zeit ein neues Dopinggesetz erlassen und es gab einige Änderungen. Es wurde eine neue eLearning-Plattform von der NADA eingerichtet, alle Spielerinnen müssen das Programm absolvieren und sorgfältig Medikamentenabfragen, etc. durchführen. Ich habe da den Zugriff und kontrolliere das. Es wurde aber super angenommen und die Spielerinnen sind da sehr gewissenhaft und vorsichtig“, gibt die 22-Jährige, die als sehr ehrgeizige und zielstrebige Person bekannt ist und immer für einen Spaß zu haben ist, zu Protokoll.

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