„Always Hungry“

Stella Hemetsberger hat schon immer mit den klassischen Klischees aufgeräumt, aber das im positiven Sinn. Während viele junge Mädchen die üblichen „Mädls-Sachen“ machten und vielleicht sogar von einer Ballett-Karriere träumten, wollte die Salzburgerin einfach nur boxen. „Ich bin ein sportliches Kind gewesen und habe alle möglichen Sportarten ausprobiert. Mit 13 Jahren habe ich mir eingebildet, ich müsste mit Boxen anfangen. Nach einem Schnuppertraining im RS Gym Salzburg war mir relativ schnell klar, dass ich nichts anderes mehr machen will und meinen Sport gefunden habe“, strahlt die 23-Jährige, als sie von ihrer ersten Berührung mit dem Thai- und Kickboxen berichtet. Die anfängliche Begeisterung ihrer Mutter in puncto Selbstverteidigung wich dann aber relativ schnell, und die Angst einer Verletzung ihrer Tochter war dann über viele Jahre ein Wegbegleiter. „Auch wenn meine Mama immer noch Angst um mich hat, hat sie sich mittlerweile daran gewöhnt.“

Das Leben als große Reise

England, Thailand, Australien und Spanien sind nur ein kleiner Auszug an Ländern, in denen Hemetsberger schon Trainingscamps absolviert hat. Jede Destination hat so seinen Reiz und bekommt ein Kapitel in ihrem Karrierebuch. Besonders Thailand, das Herkunftsland des Thaiboxens, hat es ihr richtig angetan. Verschiedene Kampftechniken und unterschiedliche Sparringpartner haben das „Kampfsystem“ der Salzburgerin facettenreicher und flexibler gemacht.

„Mir taugt alles an meiner Sportart, darum bin ich auch schon über 10 Jahre mit einer unglaublichen Leidenschaft dabei. Das coole ist, man braucht den ganzen Körper, man hat als Sportlerin nie ausgelernt und holt sich immer neue Reize. Wenn ich mit neuen Leuten in anderen Ländern trainiere, bekommt man so viele neue Ansätze mit auf den Weg – man darf nie zufrieden sein, muss akribisch und hart weiterarbeiten. Das ist einer meiner wichtigsten Ansätze. Die internationale Community ist einfach spitze. Egal wo man auf der Welt ist, der Support ist einfach da“, berichtet das rot-weiß-rote Kickbox-Ass, das seit vielen Jahren in der Gewichtsklasse bis 60 kg antritt.

In ihrer Karriere gab es viele prägende Momente gepaart mit vielen Emotionen, doch einer ist ganz besonders im Kopf der Spitzensportlerin geblieben: „Glücklicherweise gab es wirklich schon viele einzigartige Momente. Bei der letzten WM im Viertelfinale, hatte ich eine richtig starke Gegnerin. Ich lag schon zurück und konnte den Kampf noch in meine Richtung drehen. Da war ich dann richtig geflasht und habe mich sehr gefreut. Jeder Kampf und jeder Sieg ist ein Highlight. Der Gedanke, dass du besser warst als deine Gegnerin treibt mich unglaublich an.“

Zweigleisiger Leitspruch

Auf der Suche nach einem Kampfnamen nahmen die Freunde der aktuellen Vize-Weltmeisterin das Heft in die Hand. Mit „Always Hungry“ haben sie aber relativ schnell ins Schwarze getroffen. „Eigentlich passt das wie die Faust aufs Auge zu mir. Auf der einen Seite bin ich immer hungrig nach Kämpfen und nach Erfolg, will mich stets weiterentwickeln, habe einen unglaublichen Ehrgeiz und freue mich auf alle neuen Herausforderungen. Auf der anderen Seite esse ich gerne und viel“, schmunzelt die 23-Jährige. Und an Zielen soll es derzeit nicht mangeln. Seit über zwei Jahren hat Hemetsberger die World Games in Birmingham (USA), die im Juli über die Bühne gehen werden, im Hinterkopf. Nach einer souveränen Qualifikation bei der letzten Weltmeisterschaft will die zielstrebige Salzburgerin, die seit 2020 Sportwissenschaften an der Universität Salzburg studiert und aktuell die Ausbildung zur Polizistin absolviert sowie im Spitzensportkader des Bundesministeriums für Inneres

ist, bei der Großveranstaltung ganz oben stehen. „Da sind in meiner Karriere noch einige Dinge offen, die ich am Ende mit einem Haken versehen möchte. Eines der großen Ziele neben einem WM-Titel sind die World Games. Es ist bei uns aber sehr viel von der Auslosung und der Tagesverfassung abhängig. Im Juni werde ich mit der gezielten Vorbereitung beginnen, sodass ich dann in der Phase des Wettkampfes auf meinem Top-Level kämpfen kann. Ich will dort unbedingt eine Medaille holen!“, gibt Hemetsberger einen kleinen Ausblick. Ob und wie viele Wettkämpfe es davor noch geben wird, ist noch nicht abzusehen, da es immer noch zu kurzfristigen Änderungen und Absagen kommt.

Sport Austria Finals: Ein wichtiger Baustein?

Eine Verletzung am Zeh verhinderte eine Teilnahme an den Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz 2021. Das soll 2022 anders werden. In Hinblick auf die Vorbereitung auf die World Games zählt jeder Kampf, somit bekommt das Multi-Sportevent für die 23-Jährige im Juni wohl eine besonders große Bedeutung: „Ich habe von der Premiere im letzten Jahr sehr viele positive Dinge gehört und es waren richtig viele Athletinnen und Athleten am Start. Leider habe ich es aufgrund einer Verletzung verpasst. Das soll heuer anders werden. Wenn ich teilnehme, will ich natürlich gewinnen – das ist das klare Ziel. Momentan sind wir über jeden Fight froh, den wir absolvieren dürfen!“

Aber eines ist fix: In den nächsten Wochen und Monaten wird Hemetsberger mit ihrem Trainer Roland Schwarz im RS Gym Salzburg weiterhin viele schweißtreibende Trainingseinheiten absolvieren, damit sie ihre Ziele verwirklichen kann.

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