„Neues Bewusstsein“

Seit mittlerweile 26 Jahren ist die Wienerin Birgit Grass, die in Vorarlberg seit vielen Jahren ihre neue Heimat gefunden hat, mit Leib und Seele beim Baseball/Softball dabei. Erstmals war sie mit der Sportart durch eine Fernsehserie in Kontakt, musste aber lange auf ihre ersten Versuche warten, da es in dieser Zeit nur für Burschen zugänglich war. Nach dem Umweg über Handball und Volleyball ist damals eine Freundin auf die heute 43-Jährige zugekommen und hat ihr von einer neuen Mannschaft für Frauen erzählt. Grass hat nicht lange gezögert, war sofort dabei und ist dem Baseball/Softball mit all seinen schönen Facetten schnell verfallen.

„Die Sportart liegt mir, weil sie vielseitige Facetten hat und nicht vorausschaubar ist. Man hat in jedem Spiel lange die Chance, sich bei einem Rückstand wieder zurückzukämpfen beziehungsweise es zu seinen Gunsten zu drehen. Darüber hinaus sind Männer und Frauen unterschiedlichen Alters zu einer Mannschaft vereint, die Baseball/Softball-Community ist einfach super. In den letzten Jahren ist in dem Bereich eine unglaublich positive Entwicklung passiert. Nicht nur die Strukturen, sondern auch das Niveau der Spielerinnen und Spieler wird immer professioneller. Es ist immer mehr Kraft dahinter“, berichtet Grass, die 2007 von Wien nach Vorarlberg übersiedelt ist und seit vielen Jahren dort ihrer großen Leidenschaft nachgeht. Nach einem Engagement bei den Vienna Wanderers hat die Reise im Ländle bei den Dornbirn Sharx (2005 bis 2020) begonnen, ehe es für Grass zu den Dornbirn Indians ging. Dort trainierte sie über mehrere Jahre die U8 und veranstaltet seit 2020 ein Sommercamp.

Am liebsten bekleidet die 43-Jährige die Position „Middle Infield“, ist aber im Laufe der Jahre immer flexibler geworden. „Prinzipiell bin ich universell einsetzbar, das ist natürlich für einen Trainer dankbar – zu so einer variablen Spielerin muss man aber erst über einen langen Zeitraum werden. Die Hauptsache ist, ich spiele. Wenn man selbst das Gefühl hat, dass man langsam aber doch am Zenit angekommen ist, steht die Mannschaft im Vordergrund. Ich will da einfach etwas zurückgeben, daher springe ich ein, wo gerade jemand gebraucht wird“, so die Wahl-Vorarlbergerin, die als sehr humorvoll und vorausschauend gilt.

EM-Spitzenplatz im Fokus

Grass hat in ihrer Fast- und Slowpitch Karriere schon viele tolle Momente erleben dürfen, einer ist aber ganz besonderes in Erinnerung geblieben: „Ein besonderes Highlight war die Weltmeisterschaft 2016, da ist mir der gamewinning Hit gelungen. Auch der Gewinn des Europacups mit den Dornbirn Sharx 2009 steht da ganz weit im Ranking oben. Darüber hinaus war die Bronzemedaille im Slowpitch 2002 (Anm.: das erste Turnier in Europa) großartig“, berichtet die Mutter zweier Kinder und ergänzt: „Mittlerweile bereitet es mir große Freude, wenn ich miterlebe, wie sich – nicht nur meine Kinder – für diesen vielseitigen Sport begeistern.“

In Österreich wird Slowpitch meist als Breitensport in der 8/2-Variante vom Baseball gespielt, bei dem sich pro Team 8 Männer und 2 Frauen gegenüberstehen. Dies erleichtert den Einstieg in diese abwechslungsreiche Sportart. Persönlich bevorzugt die Wahl-Vorarlbergerin jedoch die international übliche 50/50-Variante, die einen speziellen Reiz ausübt. „Ich habe zuerst sehr viel Fastpitch gespielt und Slowpitch einfach mitgenommen. Da ist aber in den letzten Jahren viel passiert. Slowpitch wurde immer ein wenig belächelt und nicht richtig ernst genommen. Da wurde aber das Bewusstsein geschaffen und der Stempel vom ‚lästigen Anhängstl‘ losbekommen. Es ist engagierten Personen im Hintergrund zu verdanken, dass es ein gezieltes Programm, einen langfristigen Plan und Try-Outs gibt. Es ist ein langfristiger Prozess, aber die harte Arbeit zahlt sich aus und es geht etwas weiter. Neben den Ligen in Vorarlberg und Wien ist in der Mitte von Österreich auch etwas am Entstehen – das wäre ein sehr wichtiger Schritt.“

In wenigen Monaten – genauer gesagt im Juli nach den Sport Austria Finals – geht es für das Slowpitch-Nationalteam bei der Europameisterschaft um einen weiteren Spitzenplatz. Das Ziel ist eine Top-6-Platzierung mit Außenseiterchancen auf eine Medaillenplätze. „Ich denke, ein Rang unter die Top-6 ist realistisch. Wer weiß, wie es dann läuft – vielleicht können wir ja für eine Überraschung sorgen. Das Potential ist definitiv vorhanden“, zeigt sich Grass optimistisch und geht mit der Zielsetzung von Nationalcoach Robert Dewanger d’accord.

Sport Austria Finals 2.0

Die Premiere der Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz war auch für die Austrian Baseball Softball Federation ein mehr als gelungenes Event, auch wenn man bei den perfekt organisierten Slowpitch-Wettkämpfen die Zuschauer vermisst hat. „Das war natürlich schade für die Veranstaltung. Wir hoffen darauf, dass das heuer anders wird. Die Leute sollen einfach sehen, was wir in unserem Sport leisten und was wir alles rausholen können. Mit Zuschauern kann einfach der Gedanke dieser großartigen Veranstaltung so gelebt werden, wie auch die Idee dahinter war“, blickt Grass noch einmal zurück und legt die Marschroute für die zweite Auflage 2022 relativ klar fest: „Ich habe mich noch kurz mit unseren Vereinsverantwortlichen rückversichert. Unser Ziel ist klar: Wir wollen österreichischer Meister werden. Bronze haben wir schon in der Tasche, jetzt wollen wir den nächsten Schritt gehen.“

Wasser als Energiebringer

Aber nicht nur am Baseballplatz ist die 43-Jährige sehr aktiv, auch beruflich wird sie täglich gefordert. Die gelernte Physiotherapeutin hat im April 2021 die Stellenleitung Kinderdienste in Bregenz bei der aks gesundheits GmbH übernommen. Die neue Herausforderung macht Grass richtig Spaß und sie wächst immer mehr in ihre neue Rolle hinein. Um die Akkus dann aber wieder vollständig aufzuladen, geht es entweder wieder auf den geliebten Baseballplatz oder ans Wasser. „Ich habe das Glück, dass in unserer Familie alle diesen Sport lieben. Meine zwei Kinder sind da auch schon mit viel Elan dabei und mein Mann spielt selbst, allerdings in einer anderen Mannschaft. Er stärkt mir da auch immer den Rücken, dass ich auch weiterhin noch zu internationalen Turnieren fahren kann“, zeigt sich die Wahl-Vorarlbergerin sehr dankbar und ergänzt: „Aber wir versuchen auch abseits der Sportanlagen viel Zeit miteinander zu verbringen. Einer unserer Lieblingsplätze ist bei der Dornbirner Ach. Wir sind gerne am und im Wasser, das fasziniert mich und gibt mir eine gewisse innere Ruhe.“

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