7. – 11. JUNI
IN GRAZ

„In den Himmel gelobt“

Darts ist seit vielen Jahren wahrlich nicht als großer Frauensport bekannt, auch wenn mit Fallon Sherrock, Lisa Ashton und Co immer mehr Frauen international in die absolute Weltspitze vordringen und ihre männlichen Kollegen nicht nur fordern, sondern oftmals auch besiegen können. Vor einigen Jahren wäre das wohl noch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. In Österreich ist aktuell die 22-jährige Catalina Pasa das weibliche Aushängeschild und sorgt für neue Maßstäbe.

Ein Moment für die Ewigkeit

Vor einigen Jahren hat die Dartskarriere in einem Lokal seinen Anfang genommen. „Ich habe Darts eigentlich nie so wirklich wahrgenommen. Ich war mit ein paar Freunden unterwegs und wir haben dann in einem Lokal einen Dartsautomaten entdeckt – und dann einfach ein wenig geworfen. Am Anfang war das alles Spaß, der sich alle zwei Monate wiederholt hat. Irgendwann bin ich angesprochen worden, ob ich mir nicht vorstellen könnte, in einem Verein zu spielen. Ich habe dann schnell gemerkt, dass es da auch Trainings und Turniere gibt – man kann sozusagen einen Schritt weiterkommen. Das war mir wichtig. Und so schlecht habe ich mich wohl nicht angestellt“, schmunzelt Pasa, wenn sie an ihre Anfänge zurückdenkt.

Aber oftmals kommen die schönen Erinnerungen aus der Vergangenheit hervor, die wohl ewig bleiben werden und die noch junge Karriere geprägt haben. „Bei der Europameisterschaft 2018 in Ungarn haben wir im Achtelfinal-Doppel gegen die Favoriten aus Holland gespielt. Wir wollten einfach nur mithalten, aber es sollte dann anders kommen. Beim Stand von 3:3 habe ich das entscheidende Leg zugemacht. Das war einfach unglaublich, ich bin in Tränen ausgebrochen. Das Viertelfinale haben wir gegen Fallon Sherrock und Lorraine Winstanley zwar mit 2:4 verloren, aber wir waren unfassbar gut. Am Ende wurden wir von den beiden in den Himmel gelobt, dass wir so gut gespielt haben. Ein tolles Gefühl“, zeigt sich die Wienerin, die als sehr ehrgeizig und bodenständig gilt, emotional.

Komplexe Leidenschaft

Prinzipiell schaut alles ganz einfach aus: Drei Pfeile werden auf eine Scheibe geworfen. Im Idealfall erreicht man eine hohe Punktezahl und zeigt sich im Finish zielsicher. „Erst wenn man dann richtig spielt, merkt man wie komplex das alles ist, und was man alles können muss. Das ist gerade am Anfang schwer. Es geht ja nicht immer nur ums Werfen, sondern man muss immer im Kopf mitrechnen. Man muss ja wissen, was man anspielt. In unserem Sport kann das Spiel sehr schnell drehen und ist oftmals von einem einzigen Darts abhängig – Nuancen entscheiden. Das macht es spannend und reizvoll“, erklärt die 22-Jährige, die aktuell bei einem Fernstudien-Anbieter beschäftigt und dort für den technischen Support zuständig ist.

Mit Mensur Suljovic und den beiden Rodriguez-Brüdern gibt es drei Spieler, die zum einen bei den Turnieren der PDC (Professional Darts Corporation) eine gute Figur machen, zum anderen aber auch als Zugpferde eine wertvolle Rolle im heimischen Dartssport einnehmen. „Das Trio ist für alle sehr wichtig, da sie für unseren Sport viel Werbung machen. Fast jeder, auch wenn man mit Darts nicht viel am Hut hat, kann ihre Namen zumindest richtig zu ordnen. Aber auch in puncto Jugendarbeit ist in den letzten Jahren – ausgenommen die Corona-bedingte Zwangspause – in Österreich sehr viel passiert. Es wurden viele tolle Möglichkeiten vom ÖDV (Anm.: Österreichischer Dartsverband) geschaffen. Da fließt echt viel Zeit, Energie und Leidenschaft hinein. Dafür sind wir als aktive Spielerinnen und Spieler sehr dankbar. Alle Talente, die Lust haben, sollen die Chance bekommen, gefördert zu werden. Der Ansatz ist sehr gut und wird sich langfristig sehr positiv auswirken“, berichtet die Nummer eins der Frauen, die im Herbst  mit einem BWL-Bachelorstudium (online) an einer deutschen Hochschule beginnen möchte.

Klares Ziel vor Augen

Eigentlich hätte die 22-Jährige alle Turniere der WDF (World Darts Federation) in England, Rumänen, Holland et cetera bestreiten sollen, aber der Plan musste nach hinten verschoben werden. „Ich wollte dort wichtige Erfahrungen sammeln und schauen, wie weit ich kommen kann. So wäre zumindest der Plan gewesen. Leider habe ich aufgrund Terminkollisionen und Corona einige Turnier verpasst. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ich will mich in den Top-25 festsetzen, das ist mein großes Ziel für das nächste Jahr“, gibt die Neunte des European Cups 2018 einen kleinen Ausblick. Aber eines ist fix: Im Juni bei den Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz will Pasa ihren Titel, der im Februar 2022 nachgeholten Staatsmeisterschaft, erfolgreich verteidigen. „Erstmals muss der Titel innerhalb von vier Monaten verteidigt werden. Sollte es gelingen, bin ich wohl die erste Spielerin, die in einem Jahr zweimal Staatsmeisterin geworden ist“, lacht die Wienerin, die 2017 auch als Jungendnationalspielerin für Österreich im Einsatz war.

Wenn die 22-Jährige nicht gerade beruflich eingedeckt ist und am Abend stundenlang trainiert, genießt sie die Zeit mit ihrem Freund Markus Straub, der bei den Männern aktuell ebenfalls die Nummer eins in Österreich ist, und neben ihrer Mutter nicht nur ein großer Unterstützer, sondern auch wichtiger Rückhalt ist. Apropos Unterstützung: Nach der Weltmeisterschaft 2019 in Rumänen hat das Darts-Duo einen Vertrag mit der japanischen Dartsmarke L-Style unterschrieben. „Das ist echt eine große Marke und hat super Produkte – sie hat uns beide vorher schon getaugt. Es ist super, wenn man auch von außen Anerkennung bekommt – es spricht für das, was wir leisten. Das Schönste ist, dass ich mit meinem Freund diese Leidenschaft teilen kann“, findet Pasa schöne Schlussworte.

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