Die perfekte Linie!

Begriffe wie „Pyramide“ und „Hufeisen“ werden wahrscheinlich jedem etwas sagen, bei Ausdrücken wie „Örkel“, „Doppeltor in Steigung“ oder „Favoritentöter“ wird es sicher anders aussehen. Bei Alina Gobetz hingegen gehören sämtliche eben erwähnten Bezeichnungen zum Alltag – auf dem Minigolfplatz!

Die 17-jährige Voitsbergerin ist dreifache Siegerin in der österreichischen Schüler-Meisterschaft im Minigolf und zudem die jüngste Österreicherin, die diesen Bewerb – den ersten Triumph errang sie im Alter von nur zehn Jahren – gewinnen konnte, indem sie sich gegen eine deutlich ältere Konkurrenz durchsetzen konnte. „Das war bisher eigentlich sogar mein coolster Minigolf-Moment, als ich damals bei uns in Voitsberg 2015 zum ersten Mal diesen Titel gewonnen habe. 2018 folgte dann der Sieg in Wr. Neustadt, bevor ich 2019 daheim in Voitsberg meinen dritten Titel geholt habe“, erinnert sich Gobetz an bisherige Karriere-Highlights zurück.

„Wie ein zweites Zuhause“

Die Begeisterung für den Minigolfsport wurde ihr dabei im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt, denn sowohl Alinas Vater als auch ihr Großvater waren regelmäßig auf der Anlage anzutreffen. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die junge Steirerin ihren Papa bereits im Kleinkindalter fast täglich auf diverse Bahnen begleitet hat und sozusagen von der fast knisternden Atmosphäre kurz vor den Abschlägen und vom Klappern der Bälle damals schon regelrecht magisch angezogen wurde.

Die Steirerin, die bald ihre Lehre zur Bürokauffrau abschließen wird, hätte zwar auch jede andere Sportart wählen können, bereut ihre Entscheidung allerdings gar nicht, da sie sich auf der Minigolfanlage nach wie vor wohlfühlt: „Natürlich schalte ich gerne einmal daheim auf der Couch ab oder gehe ins Fitnessstudio, aber der Minigolfplatz ist trotzdem wie ein zweites Zuhause für mich. Ich habe auch keine anderen besonderen Lieblingsorte, das Spielen auf der Bahn beruhigt mich einfach ungemein, da kann ich mich so richtig entspannen.“

Gemischte Gefühle

Konzentration und Geschick sind durchaus wichtige Grundvoraussetzungen für die Ausübung dieses Sports, eine ordentliche Portion Leidenschaft darf dabei jedoch keinesfalls fehlen. Mit dem Sieg in der Schüler-Meisterschaft 2017 qualifizierte sich die ambitionierte Voitsbergerin auch für die Jugend-WM in Schweden, die im selben Jahr dort stattfand. Allerdings blickt Alina mit zum Teil eher gemischten Gedanken an diesen Bewerb zurück: „Ich habe zum wiederholten Male bemerkt, dass viele Menschen den Minigolfsport nicht sonderlich ernstnehmen. Viele der jüngeren Teilnehmer haben da nur aus Spaß mitgemacht, dabei sollte man nicht vergessen, dass es – wie bei jedem anderen sportlichen Wettkampf – um etwas geht. Ich finde es schade, dass sich dieser Sport nicht so durchsetzt, wie ich mir das wünschen würde.“

Diese Leidenschaft ist daher auch einer der Hauptgründe dafür, dass die junge Sportlerin, die seit einiger Zeit für den ASKÖ MGC Bischofshofen antritt, im Juni 2022 bei den Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz mit ihrem Verband zum ersten Mal Teil des Events in Graz ist, um andere für Minigolf zu motivieren. Neben diesem Fixpunkt im Terminkalender stehen noch andere sportliche Vergleiche in diesem Jahr an, darunter die österreichischen Jugendmeisterschaften in Bischofshofen im Juli, die Jugend-WM im deutschen Murnau am Staffelsee im August oder die Spieltage der Bundesliga in Voitsberg und Graz. Ob und bei welchen Wettbewerben die 17-Jährige antritt, wird sich kurzfristig entscheiden: „Ich habe leider aktuell noch mit ein paar Nachwirkungen eines Autounfalls im vergangenen Jahr zu kämpfen. Da muss ich mir die nötige Zeit geben und einen Schritt nach dem anderen machen. Für die Stabilität des Rückens und die Konzentration ist es sehr wichtig, dass ich da in keiner Weise eingeschränkt bin, daran arbeite ich.“

Minigolf als eigene Wissenschaft

Neben der gesundheitlichen Verfassung spielt jedoch auch das regelmäßige Training eine tragende Rolle bei der Vorbereitung auf die Wettkämpfe. Dabei steckt allerdings viel mehr dahinter, als man als Außenstehender auf den ersten Blick vermuten würde. Allein die Tatsache, dass Bahnen aus verschiedenen Materialien bestehen, z. B. aus Beton oder Filz, verlangt eine entsprechende Adaptierung des Spiels. Hier kommt es auf die Wahl des richtigen Balles – hart oder weich – und ebenso auf die optimale Linie an, also wie der jeweilige Ball möglichst effizient geschlagen wird, ob er langsam rollt oder schnell und wie er sich nach der Berührung mit der Bande verhält.

Je professioneller Minigolfer trainieren, desto wichtiger ist es, auf einen Übungsleiter zurückgreifen zu können, dem man vertraut. Bei Gobetz sind das der Trainer des Jugend-Nationalteams, Markus Danner, aber vor allem ihr Vater, Christian Gobetz, unter anderem selbst österreichischer Staatsmeister. Diesem hat sie es auch zu verdanken, dass sie das ganze Jahr hindurch und fast uneingeschränkt üben kann, denn nach dem Bau einer Minigolfhalle im heimischen Voitsberg im Jahr 2018 ist nun auch ein Indoor-Training möglich.

Und wie blickt die Steirerin in die Zukunft? „Es ist auf jeden Fall möglich, bei einer Welt- oder einer Europameisterschaft unter die Top-3 zu kommen, momentan allerdings nicht so einfach. Ich bleibe aber optimistisch und werde bestimmt noch das eine oder andere Highlight in meiner Karriere erreichen – in der Sportart, die ich so sehr liebe.“

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