Vielseitige Exoten

Vielseitigkeit ist ihre Disziplin. Wer im Modernen Fünfkampf bestehen will, muss Fechten, Schwimmen, Reiten, Laufen und Schießen können. Und ein wenig Exotentum aushalten.

„Der Moderne Fünfkampf gehört in Österreich noch immer zu den Exotensportarten, ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, dass ich die Sportart immer erst erklären muss, was das ist. Aber die Sport Austria Finals sind eine gute Möglichkeit für uns, uns zu präsentieren!“, sagt Gustav Gustenau, Österreichs aktuell bester Moderner Fünfkämpfer, der bei seinem Olympia-Debüt in Tokio 2021 nach Fechten, Schwimmen und Reiten auf Platz 8 gelegen war, und nach dem abschließenden Laserrun immerhin Rang 16 belegt hatte.
 
Der 25-jährigen Niederösterreicher weiß, dass es starken Nachwuchs innerhalb der 11 österreichischen Vereine mit ihren 206 aktiven Mitgliedern gibt: „Vor allem im Laufen und Schießen gibt es junge Talente, die sich sehr gut entwickeln.“
 
Die Faszination bestehe jedenfalls in der Vielseitigkeit und Unterschiedlichkeit der einzelnen Sportarten.

Vom Erfinder der Olympischen Spiele erfunden

Der Moderne Fünfkampf ist eine Olympische Sommersportart, die seit 1912 im Olympischen Programm vertreten ist, entworfen von keinem Geringeren, als dem Erfinder der Olympischen Spiele der Neuzeit, Baron Pierre de Coubertin.

Die Legende besagt, dass einem Meldereiter in feindlichem Gelände das Pferd getötet wurde. Er verteidigte sich zunächst mit der Pistole, bahnte sich dann seinen weiteren Weg mit dem Degen, musste durch einen weiten Fluss schwimmen und legte die Strecke bis zum Ziel querfeldein laufend zurück.

So entstanden angeblich die 5 Disziplinen Reiten, Schießen, Fechten, Schwimmen und Laufen. In der ursprünglichen Form wurde im Wettkampf pro Tag nur eine Disziplin ausgetragen, ein Wettkampf dauerte also 5 Tage. Seither gab es einige Reglementänderungen, um den Wettkampf kurzweiliger und interessanter zu gestalten.

Ab 1984 wurde der Wettkampf auf 4 Tage komprimiert. Im selben Jahr wurde außerdem im Schießen von 25 m-Wendescheiben mit Kleinkaliberpistole auf 10 m-Luftdruckpistole gewechselt – damit konnte fast überall geschossen werden.

Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta wurden alle Bewerbe erstmals an einem Tag ausgetragen. Im Jahr 2009 wurde nach dem Vorbild Biathlon erstmals Laufen und Schießen (Luftdruckpistole) in einen Kombinations-Bewerb verpackt. Seit 2010 werden Laserpistolen verwendet – seither kann auch sehr Zuschauer-freundlich im urbanen Bereich gestartet werden.

Von Bernhard über Daniel bis Gustenau

Die größten Erfolge im Modernen Fünfkampf holte nach dem historischen achten Platz von Edmund Bernhard bei den Olympischen Spielen in Stockholm 1912, genau 100 Jahre später Thomas Daniel. Der Salzburger Heeressportler überraschte bei den Olympischen Spielen 2012 in London am letzten Tag mit Platz 6, nur 22 Sekunden von der Bronzemedaille entfernt.

Mittlerweile ist Thomas Daniel, der in Wr. Neustadt lebt, Trainer des besten österreichischen Fünfkämpfers Gustav Gustenau. Der wurde 2014 bei den Olympischen Jugendspielen in Nanjing ebenfalls Sechster, war 2015 U19-Vize-Europameister, 2018 Junioren-Vize-Weltmeister und holte bei seinem Olympia-Debüt im Jahr 2021 Rang 16. 2024 in Paris will Gustenau noch mehr.

Mehr zum Modernen Fünfkampf in Österreich finden Sie unter modernerfuenfkampf.at/

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