7. – 11. JUNI
IN GRAZ

Über Stock und Stein!

Unterschiedliche Sektionen, unkonventionelle Hindernisse, wie zum Beispiel große Felsen oder  Baumstämme, zwei Minuten Maximalfahrzeit und Punkterichter … die Rede ist vom Trial-Bike.

Als eigene Sportart hat sich Trial-Bike bereits vor einigen Jahrzehnten entwickelt und zuletzt haben vor allem Sportler:innen aus Frankreich, Spanien sowie aus Deutschland die Wettkämpfe dominiert – in Österreich ist die Szene allerdings momentan, gelinde gesagt, noch eher überschaubar. Einer derer, die einen guten Einblick haben und den Trial-Sport schon seit einigen Jahren mit großer Begeisterung praktizieren, ist Joseph Plank.

Dabei ist der Grazer erst über einen kleinen Umweg zum Trial-Bike gekommen, denn eigentlich wollte er zu Beginn Downhill fahren: „Das hat einfach immer so cool ausgeschaut, wenn die mit dieser hohen Geschwindigkeit durch den Wald gefahren sind und die weiten Sprünge gezeigt haben. Das wollte ich auch unbedingt machen.“

Dass es dann doch etwas anders gekommen ist, war mehr oder weniger Zufall. Was die Anfänge waren und welche Rolle der österreichische Downhill-Staatsmeister Michael Gölles dabei gespielt hat, erklärt der 21-jährige Steirer so: „Mein Papa war 2016 in Graz als Zuseher bei einer Trial-Show im Rahmen des Mobilitätsfestes am europaweiten Autofreien Tag und hat mit ein paar der dortigen Teilnehmer darüber gesprochen, dass ich gerne mit Downhill beginnen würde. Dort hat er dann den Tipp bekommen, dass ich lieber zuerst einmal beim Trial vorbeischauen soll – das habe ich dann auch gemacht und vier Wochen später hatte ich ein Bike. Daraus ist dann der Kontakt mit Michi (Anm.: Gölles) entstanden.“

Prinzipiell gibt es mit Bändern abgesperrte Bereiche, sogenannte Sektionen, in denen Pfeile die vorgegebene Richtung bestimmen. Diese müssen innerhalb der vorgegebenen Maximalfahrzeit von jeweils zwei Minuten möglichst fehlerfrei durchfahren werden.

Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass die Sportler:innen in jeder Sektion Hindernisse überwinden müssen. Diese können künstlich angelegt sein, etwa mittels Betonelementen oder aus Holz, eine Sektion kann aber beispielsweise auch durch ein Bachbett führen oder sich in einem Waldstück befinden, wo der Untergrund eine weitere Erschwernis darstellt.

Punkterichter beobachten jede Fahrt genau und vergeben je nach Fehler unterschiedliche Punkte. Das Absetzen eines Fußes etwa wird mit einem Fehlerpunkt geahndet. Pro Sektion sind maximal 4 Fehlerpunkte möglich, um sie noch selbstständig zu beenden, 5 Fehlerpunkte werden als Sturz gewertet und die Sektion gilt als nicht geschafft. Am Ende der Durchgänge werden die Fehlerpunkte zusammengezählt.

Zusätzlich zu diesem Fehlerpunkte System gibt es jetzt auch ein Bonuspunkte System. Da bekommt man 10 Bonuspunkte für jedes fehlerfrei befahrenes Hindernis (Sektor). Maximal sind 60 Bonuspunkte pro Sektion möglich. Am Ende gewinnt der mit den meisten Bonuspunkten. Diese Bonuspunkte bekommt man auch wenn man nicht bis zum Ende der Sektion gekommen ist.

Plank, der neben seinem Sport aktuell sein Geografie-Studium absolviert, erklärt die Faszination für die Sportart – auch abseits der Wettbewerbe – seit seinen allerersten Fahrversuchen so: „Man kann aus fast allem ein Hindernis machen, du steigst aufs Rad und fährst einfach drauf los. Es ist immer wieder eine neue Herausforderung dabei und es wird nie fad. Es schaut zudem auch extrem lässig aus. Für mich ist es zudem eine super Mischung aus Radfahren und Kraftsport, das hält fit!“

Der junge Steirer, Vereinsmitglied und Funktionär bei Alpha Trial DSG in Graz, zur momentanen Lage des Trial-Sports in Österreich: „In der Vergangenheit hatten wir an der Spitze nur ein paar wenige Einzelkämpfer, aber das hat sich in den letzten paar Jahren doch recht deutlich zu verändern begonnen. Durch die Gründung mehrerer Vereine, etwa in Hartberg, Heinrichs, Purkstall, Graz oder im Salzkammergut, gewinnt diese Sportart immens an Bedeutung. Wir haben mit Thomas und Alexander Pechhacker sowie Thomas Klausner, um nur einige zu nennen, aktuell schon ein paar sehr gute Aushängeschilder.“

Und einen optimistischen Blick in die Glaskugel wagt Joseph Plank ebenfalls: „Durch die Vereine wird auch die Nachwuchsarbeit wesentlich verbessert. Wenn ich da beispielsweise an Simon Staufer denke, der sich innerhalb von drei Jahren vom Anfänger zum Profi entwickelt hat, oder an Valentin Pascher, sieht man, was eine gute Förderung der jungen Talente bewirken kann. Wir sind insgesamt auf einem guten Weg und werden in vier bis fünf Jahren bestimmt einige Topathleten in Österreich haben.“

Bei den Sport Austria Finals 2022 ist Trial-Bike, wo der Bewerb auf dem Trainingsgelände der Alpha Trial DSG über die Bühne gehen wird, zum ersten Mal vertreten. Zur Bedeutung dieses speziellen Events meint der Grazer: „Wir mussten in den beiden vergangenen Jahren alles erst richtig aufbauen. Wir haben uns von einem sehr kleinen Verein zu einem größeren entwickelt, der jetzt auch Nachwuchsförderung betreibt, vor allem das letzte Jahr war von intensiver Arbeit geprägt. Es ist nun unser erster Wettkampf, den wir in diesem Bereich veranstalten, und er bedeutet für uns den schönen Abschluss eines längeren Weges, den wir gehen mussten. Von daher haben die Sport Austria Finals für uns eine sehr große Bedeutung, diese Platzform wollen wir nutzen.“

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