Herzog: Mission Titelverteidigung

Vanessa Herzog startet wieder durch. Nach einer Verschnaufpause steht die 26-Jährige wieder im Training und hat bereits die nächsten Ziele vor Augen. Bevor es im Juli erstmals wieder auf „Sommereis“ in Inzell geht, wird die dreifache Eisschnelllauf-Olympia-Teilnehmerin bei den Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz (15. bis 19. Juni 2022) im Inline Speedskating an den Start gehen und versuchen, ihre vier Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen.

Die anstrengende letzte Wintersaison – Herzog hatte mit einem Bandscheibenvorfall zu kämpfen und schaffte es in letzter Sekunde zu den Olympischen Winterspielen in Peking – hat die Wahl-Kärntnerin verarbeitet. „Ein Urlaub war bitter nötig, ich musste etwas Abstand gewinnen.“ Also ging es, gemeinsam mit Ehemann Tom Herzog, Rodler Wolfgang Kindl und dessen Ehefrau Elena, nach Afrika. Äthiopien und Namibia haben bei der Tirolerin unvergessliche Eindrücke hinterlassen.

„Wir durften einiges erfahren und haben das traditionelle, rustikale Leben kennengelernt. Die Burschen spielen zum Beispiel Fußball mit einem Lumpen, haben aber total Spaß dabei. Keinen Spaß verstehen die Einheimischen aber beim Thema Heiraten, da gibt es verschiedene, teilweise sehr brutale Rituale. Und es gibt hier Waffen ohne Ende. Eine andere Welt, aber die Erfahrung hat mich sehr berührt und ich bin glücklich, dass ich sie machen durfte.“

DER RÜCKEN HÄLT

In Afrika ließ Herzog auch die vergangene Saison Revue passieren. „Peking war unter den Umständen super. Sicher war der vierte Platz extrem bitter, aber meine Leistung war sehr gut. Danach noch der dritte Platz bei der Sprint-WM, das hätte ein paar Monate vorher mit den Rückenschmerzen niemand für möglich gehalten.“

Seit 14. April ist Herzog zurück im Training. „Ich bin viel auf dem Rad unterwegs, viel auf der Laufbahn. Das Athletiktraining steht im Vordergrund, Läufe und Sprünge. Ich muss den ganzen Körper fithalten.“ Das wichtigste Fazit: Der Rücken hält. „Ich habe keine Schmerzen, mehr als zwei Stunden Radfahren geht nicht, aber Skaten kann ich 30 bis 40 Minuten am Stück. Und das Wichtigste: ohne Probleme.“

Deshalb entschied sich die siebenfache Eisschnelllauf-Weltcupsiegerin, auch heuer im Sommer wieder auf die Rollen zu wechseln. Asphalt statt Eis lautet das Motto beim Inline Speedskating. „Es gibt leider nicht viele, die beides machen. Ich habe im Sommer immer schon Rennen im Inline Speedskating bestritten, weil es eine schöne Abwechslung ist und ich im Wettkampf-Rhythmus bleibe.“

VORBILD FÜR „NEXT GENERATION“

Zwar ist Inline Speedskating, im Gegensatz zu Eisschnelllauf, nicht olympisch, die internationale Konkurrenz ist aber keinesfalls kleiner. „In Österreich ist es vielleicht eine Randsportart, aber international sehr groß. Bei Weltmeisterschaften starten über 100 Nationen, in Asien und Südamerika ist Inline Speedskating sehr populär. In Kolumbien ist es nach Fußball die zweitgrößte Sportart.“

National ist Herzog allein auf weiter Flur. Noch, denn die „Next Generation“ scharrt in den Startlöchern. „Ich bin gerade bei einem Inline-Europacup in Wörgl, da sind rund 50 Kinder zu mir gekommen und wollten Autogramme. Man sieht also, dass das Interesse am Sport da ist. Der Weg nach ganz oben ist aber ein langer und harter.“

Dass viele Kinder und Jugendliche im Inline Speedskating aktiv sind, zeigte sich auch bei der ersten Auflage der Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz. Hunderte Talente gingen in den Bewerben auf dem Parkplatz des Center West an den Start. Herzog gewann in der allgemeinen Klasse alle vier Bewerbe, freute sich aber über die zahlreichen Teilnehmer:innen: „Es war schön, dass die Inline-Familie bei einem großen Event zusammentrifft. Die Location war genial, es war sehr gut organisiert und die Wettkämpfe waren spannend.“

VOM FINALS-KONZEPT ÜBERZEUGT

Die Idee der Finals gefällt der gebürtigen Tirolerin. „Ich habe schon 2019 bei der deutschen Ausgabe der Finals immer im Live-Stream mitgeschaut, aber das Konzept in Österreich gefällt mir noch besser, weil der Fokus hier auch auf die kleineren Sportarten gelegt wird. Das Event ist groß aufgezogen und verschafft Sportarten wie Inline Speedskating große Aufmerksamkeit.“

Drei Mal startete Herzog bereits bei Olympischen Winterspielen. Ein ähnliches Flair spürt sie auch bei den Sport Austria Finals. „Es kommen tausende Sportlerinnen und Sportler auf einen Fleck, die ganze Stadt wird zur Sport-Bühne“, schwärmt die 26-Jährige. „Man kann anderen Sportarten zuschauen und sich vernetzen. Die Siegerehrung mitten in der Stadt war ein großes Highlight, darauf freue ich mich schon wieder.“

Herzog wird erneut alle vier Finals-Bewerbe, also One-Lap, 1.000m, Punkte-Rennen und Eliminator in Angriff nehmen. Letztes Jahr gewann sie alle vier Rennen. Ihr Motto: „Ich werde bei allen vier Starts voll laufen – Wettkampf ist immer das beste Training.“

Und weil das so ist, wäre Herzog bei den Finals auch fast in einer anderen Sportart an den Start gegangen: „Mein Heimatverein LAC Klagenfurt hat mich gefragt, ob ich nicht bei der Vereine-Meisterschaft der Leichtathlet:innen starten will. Leider musste ich das absagen.“ Bei den Bewerben will sie dennoch anwesend sein und ihre Teamkolleg:innen anfeuern.

Der Fokus liegt aber auf ihren Rennen im Inline Speedskating. Ehemann und Trainer Tom Herzog bringt es auf den Punkt: „Ich kann allen Leuten nur empfehlen, im Center West vorbeizuschauen. Es warten spannende Wettkämpfe, gute Stimmung und eine Olympia-Vierte!“

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