„Ein großes Gefühl der Freiheit!“

Schon seit 25 Jahren ist Michael Krikula mit dem Wakeboard verbandelt. Was als Alternative zum Snowboarden begann, ist längst eine Leidenschaft geworden.

Und auch eine offizielle Funktion. Denn Krikula ist seit 2004 für die Sparte Wakeboard im Österreichischen Wasserski- und Wakeboard-Verband verantwortlich.

Im Interview spricht er über die Entwicklung der Wakeboard-Szene in Österreich, den Olympia-Rückschlag und die Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz.

Michael, du bist ja schon lange in der Wakeboard-Szene aktiv: Wann und wie bist du das erste Mal mit Wakeboarden in Berührung gekommen?

Michael Krikula: Das ist leider Gottes schon länger her. (lacht) 1997 bin ich zum ersten Mal mit dem Wakeboard in Kontakt gekommen. Und zwar beim Wakeboard-Lift auf der Donauinsel in Wien. Damals war Wakeboarden dem damaligen Wasserskifahren gleichgestellt, das heißt man musste dazwischen immer warten, bis man wieder fahren durfte. Das hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert.

Zum Positiven für Wakeboard?

Krikula: Wakeboarden wurde am Lift einfach immer größer, Wasserskifahren immer kleiner. Der Lift in Wien heißt auch mittlerweile Wakeboard-Lift und nicht mehr Wasserski-Lift.

Du hast ja sogar deine Diplomarbeit über die Konzeptionierung eines Indoor-Wakeboard-Liftes geschrieben, oder?

Krikula: Um Gottes Willen! (lacht) Aber ja, das stimmt. Ich habe Architektur studiert und mein Diplomprojekt war eine Anlage mit einer Halle angeschlossen.

Michael Kirkula ist seit 2004 als Sportwart für die Sparte Wakeboard verantwortlich.

Das heißt, Wakeboarden war bei dir immer präsent, oder?

Krikula: Ich komme ja vom Snowboarden und für mich war das die perfekte Alternative für den Sommer. Ich habe immer was gesucht, wo ich im Sommer am Board stehen kann. Skateboarden tu‘ ich zwar auch gern, aber das ist mir im Sommer oft zu heiß.

War es dann auch irgendwie logisch, dass du dann auch mal im Verband landen wirst?

Krikula: Das würde ich fast eher als Zufall beschreiben. Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich Wettkampf-mäßig nicht der Geschickteste bin. Da gab es Leute, die einfach besser waren. Auf der anderen Seite habe ich aber begonnen, Wakeboard-Camps zu organisieren und bin über diese Schiene in den Verband hineingerutscht. 2004 habe ich dann die Sparte Wakeboard übernommen.

Was macht für dich die Faszination Wakeboard aus?

Krikula: Für mich ist es dieses Boardsport-Gefühl. Ich liebe es quer zur Fahrtrichtung zu stehen, so wie das auch beim Snowboarden der Fall ist. Und das Wakeboarden von heute hat einfach sehr viel mit dem Snowboarden gemeinsam. Gerade auf der Liftanlage mit den ganzen Obstacles hat man das Gefühl, als würde man im Snowpark fahren. Und hinter dem Boot ist es ein bisschen so wie Tiefschneefahren. Es ist ein großes Gefühl der Freiheit und macht viel Spaß!

Bei den Sport Austria Finals wird aber Cable gefahren, oder?

Krikula: Genau. Die Anlage am Schwarzlsee ist eine Liftanlage. In den vergangenen Jahren hat sich das Wakeboarden – speziell in Europa – stark in Richtung Cable entwickelt. Eigentlich kommt Wakeboarden aus den USA und dort ist das Boot auch immer noch das Stärkere.

Wie wird ein Run der Athlet:innen bewertet?

Krikula: Es gibt drei Schiedsrichter, die den technischen Schwierigkeitsgrad bewerten. Also wie die Fahrer:innen die Obstacles mitnehmen, wie sie über die Schanzen springen und die Air-Tricks machen. Die Air-Tricks kann man nur mit Hilfe des Seilzugs, das wie ein Katapult funktioniert, durchführen. Hat man dann genug Spannung und Geschwindigkeit, kann man alle möglichen Tricks wie zum Beispiel den Superman-Sprung oder Saltos zeigen. Außerdem müssen die Fahrer:innen einen abwechslungsreichen Lauf zeigen und alle Bewegungen sauber ausführen.

Wie groß ist die professionelle Szene in Österreich?

Krikula: Die allgemeine Szene ist relativ groß, hängt aber auch immer mit der Anzahl an Liftanlagen zusammen. Das ist der größte Motor für den Breitensport. Aus dem heraus entwickelt sich dann der Wettkampfsport. Unsere stärksten Fahrer sind bei den Herren Nicki Pranger und Johannes Köck, bei den Damen matchen sich meistens Mariella Flemme und Melanie Fraunschiel. Darüber hinaus gibt es auch noch Dominik Hernler und Timo Kapl, die sich aber mittlerweile auch anderen Projekte im Wakeboarden gewidmet haben und nur mehr ausgewählte Events fahren. Die Beiden fahren die klassischen Cups nicht mehr, weil sie ihn schon so oft gewonnen haben. Den Cup haben wir auch mehr initiiert, um den Nachwuchs zu fördern und ihn an den Wettkampfsport heranzuführen.

Bei den Damen ist es nach wie vor ein Zweikampf zwischen Flemme und Fraunschiel, oder?

Krikula: Ja, wobei man Mariella schon als Favoritin sehen muss. Sie ist erst 17 Jahre jung und auch international gut dabei. Vor Corona hat sie die Weltrangliste in der allgemeinen Klasse angeführt – mit erst 15 Jahren! Sie war auch Junioren-Europameisterin und ist richtig, richtig stark. Melanie kommt ja vom Boxen und hat erst viel später begonnen. Das macht sie mit sehr viel Ehrgeiz und genereller Sport-Routine wieder wett. Es ist auch bemerkenswert, dass sie immer wieder neue Tricks dazulernt und sich so reinsteigert.

Wakeboard stand auch mal auf der Olympia-Shortlist, wurde aber dann doch nicht ins Programm aufgenommen. Wie groß war dieser Rückschlag für euren Sport?

Krikula: Ehrlich gesagt habe ich damit gerechnet, dass das nichts wird. Der internationale Verband hat versucht, diesen Strohhalm zu ergreifen. Aber der Verband ist einfach zu klein, um relevante Lobby-Arbeit leisten zu können. Und auf die kommt es aus meiner Sicht letztlich an. Wir müssten eher probieren, im Windschatten von Skateboard oder Snowboard zu fahren. Man weiß ja, dass Snowboarden zu den allerbeliebtesten Sportarten bei Olympia gehört und weltweit auch viel größer übertragen wird als die alpine Herren-Abfahrt. Auch wenn man das in Österreich nicht wahrhaben will. (lacht)

Wakeboarden feiert ja bei den Sport Austria Finals Premiere.

Krikula: Wir haben vergangenes Jahr kurz überlegt, letztlich war durch Corona aber alles zu unsicher. Es gab bei uns zu viele Baustellen. Umso sicherer waren wir, dass wir 2022 dabei sein wollen. Die Location am Schwarzlsee war auch sofort motiviert.

Wie sind die Erwartungen für die Premiere?

Krikula: Meine Erwartungen sind, dass wir das Wakeboarden einem noch breiteren Publikum zugänglich machen können. Die Steiermark ist eigentlich ein gutes Pflaster für Wakeboarden und nach Oberösterreich das stärkste Bundesland. Wir haben sehr viel Jugend von dort. Es geht sicher auch etwas darum, die Anlage am Schwarzlsee wieder etwas zu beleben. Die hat sich in den vergangenen Jahren super entwickelt und viele neue Features sowie Obstacles bekommen.

Wir danken sehr herzlich für das Gespräch!

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