7. – 11. JUNI
IN GRAZ

Bennys Flying Circus

Benny Wizani (20) ist Österreichs bester Trampolinspringer mit 8 Staatsmeistertiteln in der Elite-Klasse. Vor vier Jahren gewann der aktuelle EM-Vierte bei den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires Bronze. Im Interview spricht der Heeressportler über hochfliegende Pläne, sein Scheitern vor Tokio, seine neue Strategie für die Olympia-Qualifikation Paris 2024 und die Vorfreude auf das Multisport-Event Sport Austria Finals.

Du bist Anfang Juni bei der Trampolin-EM in Rimini mit einer Weltklasseleistung um wenige Hundertstel der Bronzemedaille vorbeigeschrammt – ärgerlich?

Benny Wizani: Im Gegenteil, ich bin extrem happy. Klar war es knapp zur Medaille. Aber jetzt habe ich mir endlich bewiesen, dass ich bei der Elite wirklich im Spitzenfeld angekommen bin.

Wann bist du zum ersten Mal mit dem Trampolin in Berührung gekommen?

Wizani: Wir wohnen in Absdorf bei Tulln und meine Eltern gingen mit mir als Kleinkind gerne der Donau entlang spazieren. Dort gibt es einen Minigolfplatz mit Freizeittrampolinen, bei dem wir oft Pause gemacht haben. Seit ich gehen konnte, war ich da auf dem Trampolin drauf und man hat mich nicht mehr heruntergebracht. Ich habe mir von Anfang an alles von den Großen abgeschaut. Da war ich extrem ehrgeizig und habe das alles so lange nachgemacht, bis ich es besser konnte als die.

Okay, aber wie ist aus dieser Freizeitbeschäftigung eine Sportkarriere geworden?

Wizani: Meine Eltern hatten zwar nichts mit Turnen am Hut, aber mein Papa hat als Kajak-Fahrer Leistungssport betrieben und beide haben wohl gesehen, dass ich viel Talent hatte. Also haben sie einen Verein gesucht. In Niederösterreich gab es aber keinen. Der nächstgelegene war in Wien im 20. Bezirk in der Hopsagasse. Die Mama ist mit mir dorthin gefahren. Die wollten mich aber nicht nehmen, weil ich erst 5 Jahre alt war. Zum Glück war sie hartnäckig und so durfte ich vorspringen. Nach 5 Minuten haben die Trainer gesagt, okay, den nehmen wir.

Wie ging es weiter?

Wizani: Dreimal in der Woche sind meine Eltern mit mir nach der Schule in die Hopsagasse gefahren und haben mich nach dem Training wieder abgeholt. Die haben da einen Mordsaufwand betrieben. Ohne deren Einsatz wäre ich niemals so weit gekommen. Erst als ich ein bisschen größer war, bin ich alleine von Absdorf mit dem Zug nach Heiligenstadt und mit dem Bus in die Trainingshalle gefahren.

Was war dein Antrieb, dein Ziel?

Wizani: Am Anfang war es die reine Freude, der Spaß an der Bewegung, das Springen, das Auspowern und neue Tricks lernen. Das mit Olympia kam recht spät, da war ich 11 Jahre alt und habe zum ersten Mal die Spiele in London 2012 bewusst mitbekommen. Als ich im Fernsehen gesehen habe, dass das so ein Riesending ist, habe ich gewusst, da will ich auch einmal hin!

Du bist 2018 bei den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires zum ersten Mal mit den fünf Ringen in Berührung gekommen. Wie wichtig war diese Erfahrung für dich?

Wizani: Diese Youth Olympic Games waren das Größte, was ich bis jetzt erlebt habe. Es war 1:1 so, wie ich die Olympischen Spiele bislang aus Fernsehübertragungen kannte. Tausende Fans in der Halle, das Olympische Dorf voller Athletinnen und Athleten, nur das alle in meinem Alter waren. Ich kann mich noch gut an mein Trampolin-Finale erinnern, das war um 18 Uhr am Abend angesetzt. Als mein Trainer Willi Wöber und ich in der Früh um 6 Uhr in die Halle gekommen sind, sind die Leute dort schon Schlange gestanden und haben auf den Einlass gewartet. Es war einfach gewaltig.

Du hast damals Bronze vor dem aktuellen weißrussischen Olympia-Sieger und Weltmeister Ivan Litvinovich geholt. Was war das für ein Gefühl?

Wizani: Niemand hätte gedacht, dass Litvinovich, der als Letzter aufs Trampolin ging, so auslassen würde. Ich hatte mich schon mit dem vierten Platz abgefunden und dann haben ihm offenbar die Nerven versagt. Es war ein unglaubliches Gefühl, pure Freude! Aber seit damals hat Litvinovich niemand mehr geschlagen, der springt in einer eigenen Liga.

Und du hast dich voll auf das Ziel Olympia 2020 in Tokio konzentriert…

Wizani: Ja, ich stand vor der Entscheidung, in der Nachwuchsklasse weitermachen oder gleich in die Elite wechseln. Da man unseren Sport nicht sehr lange auf so hohem Niveau betreiben kann, weil die Belastung für den Körper so hoch ist, habe ich mich dazu entschlossen, die Schule (Anm.: Benny Wizani ging damals in die 6. Klasse Sportgymnasium Karajangasse in Wien 20) abzubrechen und mich voll auf den Sport zu konzentrieren. Seit 2019 bin ich Heeressportler und kann seither arbeiten wie ein Profi. Die Matura werde ich nachholen!

Die Qualifikation für Tokio hast du verpasst, was ist da schiefgelaufen?

Wizani: Abgesehen von den Verletzungen hat mir das falsche Mindset das Genick gebrochen. Ich habe mir selbst zu viel Druck gemacht, wollte alles erzwingen. Dann fehlt aber am Trampolin die nötige Leichtigkeit.

Dein Ziel bleibt aber Olympia. Was hast du dir für die Quali für Paris 2024 vorgenommen?

Wizani: Ich habe das Mindset des Fünfjährigen Benny wiederentdeckt. Auch zuletzt bei der Europameisterschaft in Rimini hatte ich den Spaß meines Lebens! Ich bin jeden Tag mit einem Lächeln auf das Trampolin gegangen, hatte keine Erwartungen, der Spaß stand im Vordergrund. Dann bin ich sogar mit einem Sieg im Semifinale in die Schlussrunde eingezogen, das war richtig sick! Und Platz 4 im Finale war auch nicht schlecht. Bis die Qualifikation im Jänner 2023 beginnt, möchte ich die Zeit auf jeden Fall nutzen, um nochmal das Bestmögliche aus mir herauszuholen und am Schwierigkeitsgrad meiner Übungen weiterzuschrauben. Dann sollte einer Olympia-Qualifikation springerisch auf jeden Fall nichts mehr im Wege stehen. Die größte Aufgabe wird sein, auch im Kopf fit zu bleiben und das lerne ich gerade sehr, sehr gut!

Du wirst in Graz deinen Staatsmeister-Titel zum ersten Mal im Rahmen der Sport Austria Finals verteidigen. Wie gefällt dir diese Multisport-Veranstaltung?

Wizani: Ich wäre schon gerne im Vorjahr bei der Premiere dabei gewesen, leider hatten wir da ein internationales Turnier. Umso schöner, dass wir mit dem Trampolin heuer auch dabei sein dürfen. Ich freue mich extrem auf die vielen anderen Sportarten. Es ist einfach eine gute Energie, wenn so viele Sportlerinnen und Sportler auf einem Fleck zusammenkommen. Und ich kann nur allen empfehlen, kommt vorbei, schaut euch das an und probiert am besten vieles gleich selber aus.

Apropos schaut euch das an: Warum sollte man sich Trampolinspringen im Raiffeisen-Sportpark nicht entgehen lassen?

Wizani: Weil es ein echtes Sportspektakel ist. Wir springen auf unseren 5×3-Meter großen Trampolins zwischen 8 und 9 Meter hoch, manchmal sogar höher, machen Dreifachsalti, viele Schrauben – ich denke, wir bieten eine echt gute Show, nicht umsonst kommt unsere Sportart ja ursprünglich aus dem Zirkus!

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