Bennys Flying Circus
Benny Wizani (20) ist
Österreichs bester Trampolinspringer mit 8 Staatsmeistertiteln in der
Elite-Klasse. Vor vier Jahren gewann der aktuelle EM-Vierte bei den
Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires Bronze. Im Interview spricht
der Heeressportler über hochfliegende Pläne, sein Scheitern vor Tokio,
seine neue Strategie für die Olympia-Qualifikation Paris 2024 und die
Vorfreude auf das Multisport-Event Sport Austria Finals.
Du bist Anfang Juni
bei der Trampolin-EM in Rimini mit einer Weltklasseleistung um wenige
Hundertstel der Bronzemedaille vorbeigeschrammt – ärgerlich?
Benny Wizani:
Im Gegenteil, ich bin extrem happy. Klar war es knapp zur Medaille.
Aber jetzt habe ich mir endlich bewiesen, dass ich bei der Elite
wirklich im Spitzenfeld angekommen bin.
Wann bist du zum ersten Mal mit dem Trampolin in Berührung gekommen?
Wizani:
Wir wohnen in Absdorf bei Tulln und meine Eltern gingen mit mir als
Kleinkind gerne der Donau entlang spazieren. Dort gibt es einen
Minigolfplatz mit Freizeittrampolinen, bei dem wir oft Pause gemacht
haben. Seit ich gehen konnte, war ich da auf dem Trampolin drauf und man
hat mich nicht mehr heruntergebracht. Ich habe mir von Anfang an alles
von den Großen abgeschaut. Da war ich extrem ehrgeizig und habe das
alles so lange nachgemacht, bis ich es besser konnte als die.
Okay, aber wie ist aus dieser Freizeitbeschäftigung eine Sportkarriere geworden?
Wizani:
Meine Eltern hatten zwar nichts mit Turnen am Hut, aber mein Papa hat
als Kajak-Fahrer Leistungssport betrieben und beide haben wohl gesehen,
dass ich viel Talent hatte. Also haben sie einen Verein gesucht. In
Niederösterreich gab es aber keinen. Der nächstgelegene war in Wien im
20. Bezirk in der Hopsagasse. Die Mama ist mit mir dorthin gefahren. Die
wollten mich aber nicht nehmen, weil ich erst 5 Jahre alt war. Zum
Glück war sie hartnäckig und so durfte ich vorspringen. Nach 5 Minuten
haben die Trainer gesagt, okay, den nehmen wir.
Wie ging es weiter?
Wizani:
Dreimal in der Woche sind meine Eltern mit mir nach der Schule in die
Hopsagasse gefahren und haben mich nach dem Training wieder abgeholt.
Die haben da einen Mordsaufwand betrieben. Ohne deren Einsatz wäre ich
niemals so weit gekommen. Erst als ich ein bisschen größer war, bin ich
alleine von Absdorf mit dem Zug nach Heiligenstadt und mit dem Bus in
die Trainingshalle gefahren.
Was war dein Antrieb, dein Ziel?
Wizani:
Am Anfang war es die reine Freude, der Spaß an der Bewegung, das
Springen, das Auspowern und neue Tricks lernen. Das mit Olympia kam
recht spät, da war ich 11 Jahre alt und habe zum ersten Mal die Spiele
in London 2012 bewusst mitbekommen. Als ich im Fernsehen gesehen habe,
dass das so ein Riesending ist, habe ich gewusst, da will ich auch
einmal hin!
Du bist 2018 bei den
Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires zum ersten Mal mit den fünf
Ringen in Berührung gekommen. Wie wichtig war diese Erfahrung für dich?
Wizani:
Diese Youth Olympic Games waren das Größte, was ich bis jetzt erlebt
habe. Es war 1:1 so, wie ich die Olympischen Spiele bislang aus
Fernsehübertragungen kannte. Tausende Fans in der Halle, das Olympische
Dorf voller Athletinnen und Athleten, nur das alle in meinem Alter
waren. Ich kann mich noch gut an mein Trampolin-Finale erinnern, das war
um 18 Uhr am Abend angesetzt. Als mein Trainer Willi Wöber und ich in
der Früh um 6 Uhr in die Halle gekommen sind, sind die Leute dort schon
Schlange gestanden und haben auf den Einlass gewartet. Es war einfach
gewaltig.
Du hast damals Bronze
vor dem aktuellen weißrussischen Olympia-Sieger und Weltmeister Ivan
Litvinovich geholt. Was war das für ein Gefühl?
Wizani:
Niemand hätte gedacht, dass Litvinovich, der als Letzter aufs Trampolin
ging, so auslassen würde. Ich hatte mich schon mit dem vierten Platz
abgefunden und dann haben ihm offenbar die Nerven versagt. Es war ein
unglaubliches Gefühl, pure Freude! Aber seit damals hat Litvinovich
niemand mehr geschlagen, der springt in einer eigenen Liga.
Und du hast dich voll auf das Ziel Olympia 2020 in Tokio konzentriert…
Wizani:
Ja, ich stand vor der Entscheidung, in der Nachwuchsklasse weitermachen
oder gleich in die Elite wechseln. Da man unseren Sport nicht sehr
lange auf so hohem Niveau betreiben kann, weil die Belastung für den
Körper so hoch ist, habe ich mich dazu entschlossen, die Schule (Anm.:
Benny Wizani ging damals in die 6. Klasse Sportgymnasium Karajangasse in
Wien 20) abzubrechen und mich voll auf den Sport zu konzentrieren. Seit
2019 bin ich Heeressportler und kann seither arbeiten wie ein Profi.
Die Matura werde ich nachholen!
Die Qualifikation für Tokio hast du verpasst, was ist da schiefgelaufen?
Wizani:
Abgesehen von den Verletzungen hat mir das falsche Mindset das Genick
gebrochen. Ich habe mir selbst zu viel Druck gemacht, wollte alles
erzwingen. Dann fehlt aber am Trampolin die nötige Leichtigkeit.
Dein Ziel bleibt aber Olympia. Was hast du dir für die Quali für Paris 2024 vorgenommen?
Wizani:
Ich habe das Mindset des Fünfjährigen Benny wiederentdeckt. Auch
zuletzt bei der Europameisterschaft in Rimini hatte ich den Spaß meines
Lebens! Ich bin jeden Tag mit einem Lächeln auf das Trampolin gegangen,
hatte keine Erwartungen, der Spaß stand im Vordergrund. Dann bin ich
sogar mit einem Sieg im Semifinale in die Schlussrunde eingezogen, das
war richtig sick! Und Platz 4 im Finale war auch nicht schlecht. Bis die
Qualifikation im Jänner 2023 beginnt, möchte ich die Zeit auf jeden
Fall nutzen, um nochmal das Bestmögliche aus mir herauszuholen und am
Schwierigkeitsgrad meiner Übungen weiterzuschrauben. Dann sollte einer
Olympia-Qualifikation springerisch auf jeden Fall nichts mehr im Wege
stehen. Die größte Aufgabe wird sein, auch im Kopf fit zu bleiben und
das lerne ich gerade sehr, sehr gut!
Du wirst in Graz
deinen Staatsmeister-Titel zum ersten Mal im Rahmen der Sport Austria
Finals verteidigen. Wie gefällt dir diese Multisport-Veranstaltung?
Wizani:
Ich wäre schon gerne im Vorjahr bei der Premiere dabei gewesen, leider
hatten wir da ein internationales Turnier. Umso schöner, dass wir mit
dem Trampolin heuer auch dabei sein dürfen. Ich freue mich extrem auf
die vielen anderen Sportarten. Es ist einfach eine gute Energie, wenn so
viele Sportlerinnen und Sportler auf einem Fleck zusammenkommen. Und
ich kann nur allen empfehlen, kommt vorbei, schaut euch das an und
probiert am besten vieles gleich selber aus.
Apropos schaut euch das an: Warum sollte man sich Trampolinspringen im Raiffeisen-Sportpark nicht entgehen lassen?
Wizani:
Weil es ein echtes Sportspektakel ist. Wir springen auf unseren
5×3-Meter großen Trampolins zwischen 8 und 9 Meter hoch, manchmal sogar
höher, machen Dreifachsalti, viele Schrauben – ich denke, wir bieten
eine echt gute Show, nicht umsonst kommt unsere Sportart ja ursprünglich
aus dem Zirkus!

