29. MAI – 2. JUNI IN INNS­BRUCK/TIROL

Miss, Triple-20 und 1

Während sich gute Dartsspieler:innen über die Zahl 61 oftmals nur bedingt freuen, war die Freude beim Verband am Ende doch sehr groß. Der Österreichische Dartsverband ist seit dem 27.10.2022 das 61. anerkannte Mitglied der Sport Austria, was dem Verband viele neue Möglichkeiten eröffnet.

Dietmar Schuhmann ist neben seinem Job als Architekt ehrenamtlich in verschiedenen Funktionen bei den unterschiedlichen Dartsverbänden tätig. Jeden Tag steckt der Tausendsassa viel Herzblut in seine Projekte und treibt sie mit großer Leidenschaft voran.

Nach einer langen Wartezeit und einer kurzen Phase als assoziiertes Mitglied habt ihr es jetzt zum vollwertigen Mitglied der Sport Austria geschafft. Wie froh bist du über den Abschluss dieses Prozesses?
Dietmar Schuhmann: Wir haben auf diesen Zeitpunkt exakt 31 Jahre gewartet, alles versucht und über Jahre hinweg viel Herzblut in die Aufnahme investiert. Jetzt sind wir das stolze 61. Mitglied der Sport Austria. Es ist zweifelsohne ein Meilenstein, wenn man bedenkt, dass das die letzte Aufnahme vor dem Österreichischen Darts Verband auch schon 30 Jahre zurück liegt. Wir waren über einen langen Zeitraum immer wieder in direktem Kontakt und haben die Aufnahmemodalitäten regelmäßig ausgelotet, die Hürden waren für uns aber lange unüberwindbar. Nun hat sich die Sport Austria mit einer Statutenänderung aber geöffnet und die Hürden auf ein für uns realistisches Maß festgesetzt. Darüber hinaus haben alle in der Sport Austria selbst uns dabei sehr geholfen. Am Ende des Tages haben wir es geschafft und sind sehr glücklich darüber. Somit ist jetzt auch für andere Sportarten die Türe ein Stück weiter aufgegangen.

Welche Auswirkungen hat der Status eines offiziellen Mitglieds für euch als Verband?
Schuhmann: Das wirkt sich auf mehreren Komponenten aus. Einerseits sind Förderungen ein großes Thema, da gehen jetzt viele neue Türen auf. Ich rede da aber nicht nur von Fördermitteln in Form von Geld, sondern vor allem von Leistungen beispielsweise in Form von Weiterbildungen, auf die wir jetzt über die Sport Austria zugreifen können.

Andererseits ist das Ausbildungswesen sehr wichtig. Wir bilden jetzt unsere Übungsleiter selbst aus und haben damit begonnen, das auch für Trainer und Instruktoren zu machen. Das wäre in diesem Umfang so auch nicht passiert. Die Etablierung eines Trainerwesens hat es vor der Aufnahme defacto nicht gegeben. Alle Sportler:innen können sich noch verbessern, es braucht aber die richtigen Leute, die sie unterstützen und ihnen Input geben.

Darüber hinaus öffnen sich auch die Türen für die Landesverbände, die nun auch in ihren Bundesländern Mitglieder der Landessportorganisationen werden können. Dadurch können wir Darts unter anderem auch als Schulsport anbieten, das wäre ohne offizielle Sport-Anerkennung auf keinen Fall möglich gewesen. Die Nachwuchsförderung ist bei uns einer der elementarsten Bausteine, da spielt das Thema Schulsport gut hinein.

Apropos Nachwuchs. Im März gibt es ja ein großes internationales Turnier in Wien. Wie ist da der Status?
Schuhmann: Wir veranstalten im März die „International WDF Youth Challenge VIENNA“. Aktuell stehen wir bei knapp unter 100 Anmeldungen aus 18 verschiedenen Nationen. Der Rekord an Teilnehmer:innen liegt bei 117 – das heißt: Womöglich wird es das bislang größte Jugenddartsturnier weltweit. Die Teilnahme von Spieler:innen aus so vielen verschiedenen Ländern ist nicht üblich – normalerweise beschränkt sich das nur auf die Nachbarländer. Wir bauen im JUFA-Hotel in Wien extra eine mobile Board-Anlage auf und bieten ein umfangreiches Livestreaming-Programm an. Darüber hinaus haben wir auch einen großen Ausflug ins Cyberjump (Anm.: größter Trampolinpark in Österreich) geplant. Für die Kinder und Jugendlichen ist das alles kostenlos – das ist uns wichtig. Bei unseren Vereinen und im Verband zahlt man in der Altersklasse U18 keine Mitgliedsbeiträge bzw. kein Antrittsgeld. Das ist wohl im Vergleich zu anderen Sportarten einzigartig.

Hat die Aufnahme als vollwertiges Mitglied eure Planung beeinflusst?
Schuhmann: Es war ja lange Zeit nicht klar, ob wir wirklich aufgenommen werden. Von daher haben wir den „Worst Case“ geplant – alles andere wäre ja grob fahrlässig gewesen. Nur weil wir schon assoziiertes Mitglied waren, war das ja noch kein Freibrief für den letzten Schritt. Wir haben sehr viele Konzepte in der Schublade bzw. in Ausarbeitung, die wir nun ganz konkret angehen können. Das Thema mit den Förderungen haben wir jetzt einmal angestoßen, aber das ist sowieso nur ein kleiner Teil vom großen Ganzen. Wir möchten viele Dinge in der Quantität und in der Qualität verbessern – da gehören auch internationale Kooperationen dazu. Da sind wir aber in einen super Austausch mit unseren Nachbarländern. Wir wollen die für uns neuen Möglichkeiten nutzen und unseren geplanten Weg konsequent gehen. Da gehören eigene Trainingslager dazu, der Wissenstransfer zu den Spieler:innen und die Förderung des Nachwuchses. Aber wir bereiten uns schon auf neue Bereiche vor.

Und zwar?
Schuhmann: Wir sind seit Anfang des Jahres auch Mitglied der Organisation „World Para Darts“, einer Schirmorganisation der WDF, die sich nur um behinderte Dartsspieler kümmert, die Klassifizierungen vornimmt und auch eigene Turnier veranstaltet. Wir haben in den letzten Monaten begonnen Konzepte zu entwickeln und sind strukturell bereit. Für uns ist das ein sehr wichtiges Thema, da wir allen Menschen, die Darts spielen wollen, das auch so ermöglichen wollen. Aktuell gibt es noch wenig Nachfrage, weil es eben auch noch kein Angebot gab. Somit können wir jetzt allen Personen den Dartssport als Lizenzspieler:innen ermöglichen und sie in den ÖDV eingliedern.

Wie zufrieden wart ihr mit eurer Premiere bei den Sport Austria Finals powered by Holding Graz im letzten Jahr?
Schuhmann: Die Teilnahme hatte für uns sehr viele Vorteile. Wir waren in den Medien präsent, haben viele professionelle Bilder und Clips bekommen. Das waren wir bislang nicht gewöhnt, wir haben das bisher halt etwas amateurhafter gemacht. Normalerweise sind solche Veranstaltungen bei uns immer ein größeres Event. Das soll heißen, die Turniere finden oftmals in Kombination mit Rahmenprogramm statt. Da waren dann einige Personen etwas enttäuscht, da das in diesem Rahmen der Finals ja nicht möglich war. Wir haben uns aber bewusst dafür entschieden, unsere Staatsmeisterschaft unter dem Dach der Sport Austria zu veranstalten – da muss man punktuell halt auch kleinere Abstriche machen. Wir wollen ja weg von dem „Kneipensport-Image“ und als „normaler“ Sport gesehen werden, daher werden wir auch heuer wieder unsere Bewerbe in Graz im Zuge des Multisportevents austragen.

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

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