29. MAI – 2. JUNI IN INNS­BRUCK/TIROL

Talent und Mentalität

Die Dynamik, Kraft und Spannung von Kampfsportarten üben von jeher eine unbeschreibliche Faszination für die Menschen aus. Beine (Kicken) und Fäuste (Boxen) werden in einer Vielzahl von schnellen Kombinationen und taktischen Manövern in einem fairen, sportlichen Zweikampf eingesetzt, um den Gegner zu treffen, ohne selbst getroffen zu werden. Oftmals ein schmaler Grat.

„Die Kunst des Kämpfens hat mich immer schon fasziniert. Die Dynamik, die vielseitigen Variationen und eine große Portion Flexibilität machen Kickboxen für mich so speziell. Ich will dem Gegner meinen Stil aufzwingen und aktiv meinen Weg bestimmen“, erklärt Marco Masser und ergänzt: „Am Anfang war das alles einfacher gestrickt – ich wollte einfach nur kämpfen. Das hat sich im Alter etwas geändert. Jede Situation ist anders, egal ob es im Training ist, oder im Wettkampf. Es ist immer etwas Neues dabei und je schneller man sich umstellen kann, umso einfacher ist es.“ Der Steirer gilt seit Jahren als aktiver Kickboxer, der seine Angriffe und die Verteidigung auf seine Beine und Hände aufteilt. „Ich würde jeden Kampf verlieren, wenn ich mich nur auf eine der beiden Varianten fokussieren würde. Der Mix ist meine große Stärke. Ich bin sehr variabel und habe reagiere schnell“, schmunzelt Masser.

Es geht nicht immer um Talent, es geht um Mentalität

Aktuell kommt der talentierte Kickboxer neben der Schule auf 20 bis 25 offizielle Trainingsstunden pro Woche. Aber damit nicht genug: Im Keller seines Elternhauses geht er gemeinsam mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Kevin die bekannten Extrameter. „Es ist cool, wenn man die Leidenschaft mit seinem Bruder teilen kann. Wir ziehen unser Programm durch, pushen uns und helfen uns weiter – eine perfekte Kombination. Vielleicht sind wir ein wenig verrückt, aber unser unbändiger Wille treibt uns täglich an“, schmunzelt der 19-Jährige, den neben seinem Ehrgeiz auch sein unstillbarer Wissensdurst auszeichnet. Dabei scheut er auch nicht den direkten Wettkampfvergleich mit seinem Bruder: „Wir schauen natürlich, dass wir uns nicht verletzen. Aber prinzipiell kämpfen wir mit vollem Einsatz und voller Konzentration. Kevin will mich in einem Wettkampf mit offiziellen Schiedsrichtern – ohne Ausreden – endlich besiegen. Ich will das mit aller Kraft verhindern, die Familien-Rangordnung muss bestehen bleiben. Wir wollen das so, das spornt uns an.“

Das Glück hilft den Mutigen

Die Arbeit des Österreichischen Bundesfachverbandes für Kick- und Thaiboxen trägt seit vielen Jahren Früchte. Zahlreiche Athlet:innen zeigten sich in der Vergangenheit in der absoluten Weltspitze und haben Österreich viel Respekt und Wertschätzung erarbeitet. Sorge über eine erfolgreiche Zukunft braucht man sich beim ÖBFK allerdings nicht zu machen. Mit Marco Masser & Co. ist bereits die nächste Generation auf der Überholspur, die ihren eigenen Siegeszug auf globaler Ebene vorantreiben will. „Unsere Generation ist sehr stark. Wir haben uns über Jahre auf nationaler Ebene ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert und uns angetrieben. Die stärkeren Athleten waren dann schnell im Nationalteam, die anderen hat das noch mehr angestachelt. Das Niveau ist super, daher stehen wir auch international so gut da“, berichtet der 19-Jährige, der 2020 seinen schönsten Sieg feiern konnte. Kurz vor der Corona-Pandemie setzte sich Masser bei den German Open, einem großen internationalen Turnier, gegen namhafte Gegner in der U19 durch und war „emotional und vom Adrenalin her ganz oben.“

Multisport-Event als Standortbestimmung

Nach dem souveränen Sieg im vergangen Jahr Spielen die Sport Austria Finals für den 19-Jährigen in puncto Vorbereitung auf die European Games in Polen eine große Rolle. „Die Sport Austria Finals haben in Hinblick auf die European Games für mich heuer einen sehr wichtigen Stellenwert. Der Wettkampf in Graz ist ein essentieller Teil meiner Vorbereitung und eine letzte Standortbestimmung, bevor es in die finale Vorbereitungsphase geht. Gegebenenfalls habe ich noch ein wenig Zeit, um blöde Fehler auszumerzen bzw. kann noch an den letzten Stellschrauben drehen“, gibt Masser einen kleinen Ausblick. Es wird sich zeigen, ob es auch 2023 zum familieninternen Finale kommt. 2022 setzte sich Marco im Finale gegen seinen jüngeren Bruder Kevin durch.

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