29. MAI – 2. JUNI IN INNS­BRUCK/TIROL

Jetzt für die Zukunft

Schach, seit jeher bekannt als „königliches Spiel“, ist Sport. Und das offiziell seit 2005, als der Österreichische Schachbund (ÖSB) als offizielles Mitglied der Sport Austria anerkannt wurde. Die damit verbundenen Förderungen ermöglichen ein professionelles Umfeld und die Umsetzung vieler Projekte. Der eingeschlagene Weg spricht in den letzten Jahren eine eindeutige Sprache und der Output kann sich sehen lassen. Eng verbunden mit der beeindruckenden Entwicklung ist der Name Markus Ragger. Der 35-Jährige Kärntner ist nicht nur Österreichs unumstrittenes Aushängeschild als aktiver Spieler, sondern hat erst vor Kurzem auch die Funktion des Bundestrainers der Herren übernommen.

Oftmals wird die menschliche Seele als „ein weites Land“ bezeichnet. Die 64 Felder des Schachbrettes haben eine ähnliche Tragweite. In den Gehirnen der Schachspieler spielen sich oft wahre Denkorgien ab. Um Weltspitze zu werden braucht man ein exzellentes Gedächtnis und eine enorme Konzentrationsfähigkeit – man kann also sagen „früh übt sich, wer ein Meister werden will“. Das dürfte auch das Motto von Markus Ragger gewesen sein. „Ich war in meiner Kindheit viel bei meinen Großeltern, die jeden Tag zusammen Schach gespielt haben. Ich bin dann oft am Schoß meiner Großmutter gesessen und habe neugierig und gespannt zugeschaut. Irgendwann hat mir dann meine Mama die Regeln erklärt und dann ist eines zum anderen gekommen, bis ich bei einem Verein gelandet bin“, erinnert sich der 35-Jährige, der Schach als lebenslanges Lernen sieht und von seiner Tiefgründigkeit angetan ist, an seine Anfänge zurück. Ein undankbarer 4. Platz bei der U14-Weltmeisterschaft 2002, auch wenn es aufgrund eines Remis im letzten Spiel nicht für eine Medaille gereicht hat, war dann letztendlich die letzte Initialzündung und ein Moment, der dem Schachspieler vom SK Maria Saal bis heute in Erinnerung geblieben ist.

„Es passiert viel hinter den Kulissen“

Im Prinzip lässt sich eine WM-Partie in etwa fünf Minuten nachspielen. Der Rest spielt sich in den Köpfen der Spieler ab. Für die Schachinteressierten ist es dann oftmals undurchsichtig. „Die Züge sind schnell nachgespielt, aber durch die Bedenkzeit ist es für den Zuschauer oft schwierig. Es braucht einfach eine gute Kommentierung, damit man dem Zuschauer den ganzen Prozess näherbringt. Ich vergleiche das gerne mit dem Skisport. Hätte man den Kommentar und die Zwischenzeiten nicht, würde wohl keiner den Unterschied zwischen dem ersten und dem zehnten Fahrer sehen. Genau so ist das bei uns“, weiß Ragger, der sich intensiv mit den verschiedenen Eröffnungen auseinandersetzt. Die ersten Züge sind meist entscheidend, geben die Richtung vor und entscheiden oftmals über Sieg oder Niederlage. „Wenn man eröffnet, hat man nicht nur mehr Möglichkeiten, sondern stehen die Chancen auf einen Gewinn bei etwa 55 Prozent. Weiß hat sozusagen mehr Spielraum, das kann ein kleiner Vorteil sein. Ich beschäftige mich intensiv damit und man findet immer wieder neue Möglichkeiten, wie man das auf das Brett bringt.“

Wechselspiel Trainer und Spieler

In den letzten Jahren, genauer gesagt seit der Corona-Pandemie, kam es beim Kärntner zu einem Umdenken. Davor war er zirka 180 Tage im Jahr unterwegs und hat knapp 100 Partien gespielt, auf einmal war es nur noch eine. „Das war für mich ein großer Wendepunkt. Ich habe geschaut, was ich neben dem aktiven Spielen im Schach sonst noch so machen kann. Ich habe mich entschieden, dass ich weniger spiele, das hatte auch familiäre Gründe. Dann hat sich die Möglichkeit beim ÖSB aufgetan. Zuerst war ich Sportdirektor und jetzt darf ich mein Know-how als Bundestrainer der Herren weitergeben. Für mich war es nicht ganz Neuland, da ich vorher schon mit den besten Spielern zusammengearbeitet habe. Es ist sehr spannend und herausfordernd, aber mir macht meine neue Rolle sehr viel Spaß und versuche sie optimal auszufüllen“, erklärt Ragger, der mit den Spielern in regelmäßigen Austausch steht und gezielte Schwerpunkte bei den Lehrgängen setzt sowie auch bei der Turnier-Jahresplanung behilflich ist.

Das rot-weiß-rote Ass hat sich schon immer durch seine großen Zielsetzungen ausgezeichnet. Vor ein paar Jahren war der 35-Jährige der erste Österreicher, der die ELO-Zahl von 2.600 Punkten überschritten hat. Seinem persönlichen Ehrgeiz war es zu verdanken, dass er mit 2.703 Punkten die nächste magische Hürde überschreiten konnte. Und genau zu dieser Marke will er noch einmal zurück. „Jetzt herrscht in meinem Leben Klarheit, die Rollen sind verteilt und ich kann mich gut darauf einstellen. Es wird auf eine gute Mischung ankommen. Ich denke, ich kann das in 1-2 Jahren erreichen, wenn ich ungefähr 100 Partien auf einem konstant hohen Niveau spiele. Es ist machbar, das treibt mich an“, gibt Ragger einen kleinen Ausblick.

Comeback bei den Sport Austria Finals

Bei der Premiere der Sport Austria Finals powered by Holding Graz warn der Österreichische Schachbund mittendrin statt nur dabei. Nach einer schöpferischen Pause im letzten Jahr ist man 2023 wieder am Start. „Ich habe nur die besten Erinnerungen. Es war eine super Veranstaltung und das Medieninteresse war ungewohnt hoch. Das lenkt den Fokus natürlich ein wenig ab, aber in puncto Außendarstellung war das für uns großartig und hat unserem Sport eine große Wertschätzung entgegengebracht. Es hat in einer schwierigen Phase gezeigt, dass man nicht nur online spielen kann, sondern auch die gesellschaftlichen und sozialen Elemente einen wichtigen Faktor darstellen“, erklärt der Schachprofi, der 2023 aufgrund einer Terminkollision wohl in Graz nicht mit von der Partie sein wird.

Die Entwicklung im heimischen Schachsport schätzt Ragger sehr positiv ein, zumal die Jugendarbeit einen sehr großen Stellenwert im Verband einnimmt. „Da ist in den letzten Jahren sehr viel passiert. Die Spieler, die vor 10 Jahren bei der Fördergruppe waren, sind jetzt Nationalspieler. Die Jugendlichen, die jetzt dabei sind, werden es vom Niveau her noch weiter schaffen. Das stimmt uns alle sehr positiv. Im Endeffekt kann man sagen, die Zukunft beginnt bereits jetzt, und das bei den jungen Spielerinnen und Spielern“, findet Ragger schöne Schlussworte.

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