29. MAI – 2. JUNI IN INNS­BRUCK/TIROL

Letzter Angriff auf die Welt-Elite

Obwohl Jacqueline Peychär schon lange in der professionellen Squash-Szene unterwegs ist, gehört sie doch irgendwie zu den Rookies. Denn den Entschluss, richtig als Profi durchzustarten, hat sie erst 2020 gefasst. „Dass ich PSA probiere, hab‘ ich kurz vor Corona entschieden. Davor hab‘ ich dauernd gedacht, dort hab‘ ich nichts verloren“, erzählt die 27-Jährige. Ein Trainerwechsel hat letztlich den Ausschlag gegeben. Ihr neuer Coach habe sie ermutigt, den ersten richtigen und wohl auch letzten Angriff in Richtung Weltelite zu starten.

„Er hat mir das eingeredet und gesagt: Wenn du es nicht probierst, wirst du es nie wissen. Ich könne dort auf jeden Fall mithalten. Also hab‘ ich gesagt, ich probiere es.“ Mit dieser Entscheidung hat Peychär, die bereits 2012 im Alter von 17 Jahren an der Squash-Mannschafts-WM teilgenommen hat, einige Dinge in ihrem Umfeld verändert. Zum Beispiel ist die Tirolerin nicht mehr angestellt, sondern als selbstständige Physiotherapeutin tätig. Das gibt ihr zumindest etwas mehr Flexibilität und Spielraum, was ihre Sport-bedingten Abwesenheiten betrifft. „Als Angestellte geht sich das mit fünf Urlaubswochen nicht aus.“

„Er hat mir das eingeredet und gesagt: Wenn du es nicht probierst, wirst du es nie wissen. Ich könne dort auf jeden Fall mithalten. Also hab‘ ich gesagt, ich probiere es.“

Peychär will als Profi nochmal angreifen

Hin- und hergerissen

Dennoch hat Peychär täglich damit zu kämpfen, dass die Squash-Work-Balance halbwegs im Einklang ist. „Es ist schon schwer. Ich bin gerne Physiotherapeutin und will gute Arbeit leisten. Gleichzeitig mach‘ ich mir viel Druck, weil ich die fehlenden Trainingszeiten irgendwie ausgleichen muss. Andere Mädels sind Profis und stehen zwei-, dreimal pro Tag am Court. Bei mir müssen die Sessions so effektiv wie möglich sein, weil ich nicht so viel Zeit hab‘.“ Im Spannungsfeld zwischen Arbeit und Sport fällt es dem Squash-Ass oft nicht leicht, den Fokus zu 100 Prozent auf einer Sache zu haben. „Abends nach der Arbeit denke ich mir, ich muss trainieren und wenn ich mit Squash unterwegs bin, denke ich mir, ich sollte arbeiten, weil ich ja sonst nichts verdiene. Ich versuche es so gut wie möglich hinzukriegen, aber es wäre schon schöner, wenn ich weniger arbeiten müsste und mehr Squash spielen könnte.“

Allzu lange kann und will Peychär das Doppelleben aber ohnehin nicht führen. Die nächsten 18 Monate sind für sie entscheidend. Gelingen da keine entscheidenden Sprünge, wird es das mit der Profi-Karriere wohl gewesen sein. „Wenn ich nächstes Jahr immer noch auf der gleichen Ebene rumeiere, dann werde ich das Ganze nochmal hinterfragen. Wenn allerdings Fortschritte zu sehen sind und ich mich auch im Ranking verbessere, dann ist wahrscheinlich nur der Körper der limitierende Faktor. Aber dieses bzw. nächstes Jahr muss schon ein Sprung, zumindest in die Top-100, passieren“, stellt Peychär klar.

Peychär kämpft jeden Tag darum, die Squash-Work-Balance bestmöglich zu meistern.

Konkretere Ziele will sich die Innsbruckerin aus Selbstschutz nicht setzen. „Ich hab‘ mich ein bisschen distanziert von konkreten Zielen, weil ich sonst enttäuscht bin, wenn ich sie nicht erreiche. Ich will primär so gut sein, wie ich sein kann. Natürlich wär‘ ich sehr gern in den Top-50 oder in den Top-30. Fixe Ziele funktionieren bei mir aber nicht so gut, weil ich dann zu viel Druck verspüre und zu viel Frustration dabei ist.“

Dass sie mit den besten der Welt mithalten kann, hat Peychär zuletzt auch bei den Mozart Open im Salzburger Europark gezeigt. Dort war im Viertelfinale gegen die spätere Siegerin, das 18-jährige Ausnahmetalent Torrie Malik, Endstation. „Im Großen und Ganzen war es okay. Es war ja mein erstes internationales Damen-Turnier seit November. Ich habe zwar in den Monaten gut trainiert, aber es gab eben nichts zu spielen für mich. Bei den großen Turnieren bin ich nicht reingekommen. Und die Matchpraxis ist mir schon abgegangen. Gegen Torrie habe ich gemerkt, dass in puncto Konzentration und konstante Qualität doch einiges fehlt. Auf diesem Level wird man sofort bestraft und sie hat das sofort ausgenützt.“

Zielsetzung: 4. Titel und die Nummer 1

Ein Erfolgserlebnis auf ihrer Reise soll und wird wohl bei der Zwischenstation bei den Sport Austria Finals 2023 powered by Holding Graz dazugekommen. Denn Peychär gilt nach ihrem Staatsmeistertitel vom vergangenen Jahr auch bei der heurigen Auflage des Multisportevents als große Favoritin.

„Meine Erwartungshaltung für heuer ist klar: Ich will den vierten Titel in Serie und die Nummer eins in Österreich bleiben.“ Vom Konzept der Finals ist die Tirolerin mehr als angetan. „Die Idee ist total genial, dass innerhalb von wenigen Tagen alle Staatsmeisterschaften auf einen Haufen sind. Die ganze Energie in der Stadt ist eine total andere. Für uns als Sportart, die immer um mediale Aufmerksamkeit und Präsenz kämpfen muss, gibt es nichts Besseres als dort dabei zu sein. Solche Veranstaltungen brauchen wir viel öfter.“

Umso mehr freut es Peychär, dass die größte Meister:innen-Party des Landes 2024 in ihre Heimat nach Innsbruck übersiedelt. „Da geht mein Tiroler Herz auf! Daheim so ein großes Event zu haben, ist natürlich ein Highlight. Zumal es schon eine Weile her ist, dass die Staatsmeisterschaften in Innsbruck waren. Ich freue mich schon, wenn meine Familie und Freunde zuschauen kommen!“

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