29. MAI – 2. JUNI IN INNS­BRUCK/TIROL

Vorsicht vor dem Mosquito-Schwarm

Der Klosterneuburger Aupark ist für zwei Dinge bekannt: Einerseits für seine zahlreichen Sport- und Erholungsmöglichkeiten. Andererseits für die im Hochsommer nicht weniger zahlreichen Gelsen-Schwärme, die sich in den Tümpel unweit der Donau bestens aufgehoben fühlen. Es dürfte klar sein, wo die „Mosquitos“, Niederösterreichs größter Ultimate-Verein, ihre Ursprünge haben und woher sich ihr Name ableitet? Gut, dann wäre das geklärt…

Im 15. Jahr nach der Vereinsgründung (2008) ist die Geschichte der Mosquitos damit aber natürlich längst nicht auserzählt.

Faszination Ultimate

„Wir waren von Anfang an ein Mixed-Verein und haben zunächst 5-gegen-5 gespielt“, erinnert sich Christopher Klambauer an die Anfänge. Es habe aber nicht allzu lange gedauert, bis man aufgrund steigender Spieler:innen-Zahlen in das übliche 7-gegen-7 gewechselt sei, betont der sportliche Leiter der Klosterneuburger. Er selbst war damals zwar noch nicht mit von der Partie, aber u.a. mit Kassierin Mario Meyer beheimatet der Verein nach wie vor so manches Gründungsmitglied. In den ersten Jahren des Bestehens erhöhte sich die Anzahl der Teams bei den Mosquitos stetig. Bei Turnieren traten die Niederösterreicher vereinzelt auch mit reinen Männer-Teams oder sogar ersten Nachwuchs-Teams an.

Generell machte sich der außerhalb der Ballungszentren Wien und Graz lange Zeit fast gänzlich unbekannte Ultimate-Sport auch in der Klosterstadt langsam aber sicher einen Namen. So gut wie jede und jeder, der sich mit der 175g schweren Flugscheibe versuchte, war begeistert. Klambauer kennt die Gründe: „Ultimate begeistert, weil alle Spieler:innen unabhängig von Alter und Geschlecht ihre individuellen Stärken in das Team einbringen können.“

Auch die vielleicht außergewöhnlichste Komponente des Ultimate hebt der der 31-Jährige besonders hervor. „Wir kommen auf jedem Leistungsniveau gänzlich ohne Schiedsrichter aus. Es gibt nie Probleme und keinerlei Unsportlichkeiten.“ Warum ist das so? „Aufgrund des Ultimate-Spirits! Wir haben nicht nur Respekt vor gegnerischen Teams, sondern hoffen sogar, dass unsere Gegenüber ihre Bestleistung abrufen. Ultimate macht allen am meisten Spaß, wenn beide Teams ein geiles Spiel abliefern.“

Zusammenhalt wird bei den Mosquitos groß geschrieben.

Der Schwarm bekommt Nachwuchs

Fünf Jahre nach der Vereinsgründung setzen die Mosquitos im Jahr 2013 dann einen Meilenstein, der massive Auswirkungen auf die Zukunft haben sollte. „Damals haben wir die richtungsweisende Entscheidung getroffen, in die Nachwuchsarbeit zu investieren“, weiß Klambauer heute.

Unter der Leitung von Jakob Salomon und unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium der Stadt entsteht zu dieser Zeit eine U15 und eine U20. „Heute sind die Spieler:innen dieser Teams unsere Stützen und bilden den Kern des Kaders“, unterstreicht Klambauer. Und dieser Kader ist mehr als nur konkurrenzfähig. Über die Sport Austria Finals 2022 und ein Ausscheidungsturnier in Tschechien schafften es die „Mücken“ im Herbst des Vorjahres erstmals zu den European Championship Finals. Bei der Endrunde gelang dem jüngsten Team des Bewerbs – der Altersschnitt lag bei unter 20 Jahren – der Vorstoß ins „Elite Eight“, also unter die besten acht Teams Europas. Das ist auch gleichbedeutend mit dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte.

„Ohne konsequenter Nachwuchsarbeit wäre das unmöglich“, sagt der sportliche Leiter. Deshalb bleibe die Förderung der „Moskiddos“, so nennt der Klub seinen Nachwuchs, weiterhin im absoluten Fokus des heute auf 80 Mitglieder:innen angewachsenen Vereins. Wichtig für den auf Mixed-Bewerbe spezialisierten Verein: Die demographische Verteilung ist mit 40% Frauen und 60% Männern beinahe ausgeglichen. Im Vorstand unter Obmann Martin Fürst beläuft sich das Verhältnis auf 50:50.

Bei aller Qualität der „jungen Wilden“ dürfe man aber auch die Routiniers nicht unerwähnt lassen, meint Klambauer. „Zu unseren Stützen zählen natürlich auch erfahrene Spieler:innen, die teilweise seit der Vereinsgründung dabei sind.“ Die Klosterneuburger sind aber auch für ihre „Exporte“ bekannt. Ein paar ehemalige Akteure gehen derzeit sogar für absolute europäische Spitzenteams im Ausland auf Titeljagd.

Christopher Klambauer (Mitte) coacht seit Jahren bei den Mosquitos. | ©Privat

Schulkooperationen ebnen den Weg

Aktuell unterhalten die Mosquitos neben vier Erwachsenen-Teams (2x Mixed, Männer und Frauen; Anm.) auch vier Mixed-Nachwuchs-Teams (U20, U17, U15, U13; Anm.) Die U20 und die U15 haben ihre jeweiligen Divisionen gewonnen. Nur in der Altersklasse U17 ist das zuletzt nicht gelungen, die U13 bestreitet noch keine Bewerbe.

„Was die Jugendarbeit betrifft, zählen wir zu den besten Vereinen in Österreich“, ist Klambauer überzeugt. Andere Expert:innen aus der Ultimate-Szene werden ihm recht geben. Zumal der Verein auf die Expertise von „Ultimate-Guru“ Peter Scheruga zurückgreifen kann, der als Lehrer in Klosterneuburg tätig ist und laufend Schüler für den Sport begeistert.

Apropos: Mittlerweile ist auch das zweite Klosterneuburger Gymnasium auf den Ultimate-Zug aufgesprungen und bietet unverbindliche Übungen an. Alleine am Schulcup nahmen letztes Jahr 520 Kinder teil, 480 davon kamen direkt aus Klosterneuburg. Das Potenzial für neue Mitglieder:innen ist also riesig.

Vieles gelang den Klosterneuburger:innen bereits – aber alles noch nicht: Der Staatsmeister-Titel fehlt.

Sport Austria Finals: Traum von Gold

Angetrieben von der starken Nachwuchsarbeit und ersten internationalen Erfolgen hat der Verein mittlerweile Lust auf mehr: Seit 2022 gibt es auch eine eigene Discgolf-Sektion und im Ultimate-Bereich strebt man nach noch größeren Zielen.

Nach zwei zweiten (2019, 2021) und drei dritten Plätzen (2015, 2017, 2018) soll bei den Sport Austria Finals 2023 powered by Holding Graz nun der ganz große Wurf gelingen: „Ziel ist die Goldmedaille“, so Klambauer. Mit der Konkurrenz – namentlich Catchup Graz sowie den Wienern vom Wunderteam bzw. den Zombies – haben die Mosquitos nach Platz vier im Vorjahr ohnehin noch eine Rechnung offen. Gelingen soll dies mit einem Kader, der ausschließlich aus Eigenbauspieler:innen besteht.

Dass mit den Klosterneuburgern zu rechnen ist, unterstreicht auch Eventkoordinator Nikolaus Jauk: „Mit den Mosquitos hat sich ein Fixstern am österreichischen Frisbee-Himmel etabliert, der sich gerade durch das junge dynamische Team auszeichnet und in puncto Teamgeist und Zusammenhalt seinesgleichen in Österreich sucht.“

Im Juni gilt es für die Mosquitos also, abzuliefern und den Traum vom ersten Staatsmeistertitel wahrzumachen. Die Bewerbe im ASKÖ Sportcenter seien aber unabhängig vom Ausgang wichtig für den Ultimate-Sport, bekräftigt Klambauer: „Die Finals bieten uns eine einzigartige Plattform. Wir haben sonst nirgendwo die Möglichkeit, uns auf einer derart großen Bühne zu präsentieren und vor TV-Kameras zu spielen.“

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