29. MAI – 2. JUNI IN INNS­BRUCK/TIROL

Mit Körper und Köpfchen

Wenn am 8. Juni im ASKÖ Sportcenter in Eggenberg die Staatsmeisterschaften im Rugby-7s ausgespielt werden, dann werden die Augen vor allem auf den Stade Rugby Club Wien gerichtet sein.

Die Damen des Vereins aus dem 20. Wiener Gemeinde-Bezirk sind bei den Sport Austria Finals 2023 powered by Holding Graz nämlich die Titelverteidigerinnen. Allerdings standen Stade im Vorjahr einige Spielerinnen von Stadtrivale Vienna Celtic Rugby Club im Rahmen einer Spielgemeinschaft zur Seite. In diesem Jahr muss es der 1989 am Lycée Français gegründete Traditionsklub „alleine“ schaffen.

Dichtes Gedränge im Favoriten-Feld

Das hängt unter anderem auch mit der positiven Entwicklung des Damen-Rugby-Sports in Österreich zusammen. „Wir haben mittlerweile mehr als genug Spielerinnen zur Verfügung. Das liegt zum einen natürlich am Erfolg im Vorjahr, aber vor allem daran, dass wir so eine einzigartige Stimmung im Team haben und uns alle immer wieder für das Recruiting ins Zeug legen“, sagt Kaja Fournier. Die 19-Jährige gehört zu den Leistungsträgerinnen der Wienerinnen.

Auch ohne die „Kelten“, die in diesem Jahr ebenfalls mit einem eigenen Team antreten, setzt sich Stade den neuerlichen Staatsmeistertitel zum Ziel. „Die Chancen stehen gut, aber man merkt, dass sich das Niveau in Österreich insgesamt verbessert hat. In dieser Saison hatten wir viele unterschiedliche Turniersiegerinnen“, betont Fournier.

Erstmals herrscht im heimischen Damen-Rugby durch die Women’s 7s Series ein kontinuierlicher Ligabetrieb. Insgesamt stehen sechs Spieltage auf dem Programm, die in Turnierform ausgetragen werden. Unter anderem Rugby Union Donau als auch die Red Rucking Rockets oder die Steel City Tigers verbuchten in der abgelaufenen Spielzeit Tagessiege. „Durch die Regelmäßigkeit entsteht eine Struktur. Die Teams und Spielerinnen haben mehr Chancen, sich zu verbessern und die Community wächst“, steht auch Fournier der Women’s 7s Series positiv gegenüber.

Auf der Position des Scrum Half kämpft Kaja Fournier um jeden Meter.

Familien-Angelegenheit

Die Tochter eines Franzosen und einer Polin spielte selbst schon seit frühestem Kindesalter. „Mein Vater hat einen Sport für unseren Bruder gesucht als ich fünf oder sechs Jahre alt war. Ein Bekannter hat bei Stade gecoacht. Am Ende sind wir alle drei zum Verein gegangen“, erzählt die auf der Scrum-Half-Position spielende Akteurin. Ihre um zwei Jahre ältere Schwester Louise ist heute ihre Teamkollegin.

Schon im Jugendalter mussten die Schwestern feststellen, dass es für Frauen im Sport nicht immer einfach ist. Während Kaja in ihrem Nachwuchs-Team zumindest eine weibliche Mitspielerin hatte, war Louise das einzige Mädchen. Das sei nicht immer leicht gewesen. Auch der Übergang in die Frauen-Teams respektive die Ausübung der Sportart im Erwachsenenalter sei für viele weibliche Spielerinnen nicht so einfach. „Es ist gesellschaftlich offenbar immer noch nicht voll akzeptiert, dass Frauen ihre Kinder abgeben, um zum Training zu kommen. Außerdem ist eine weit verbreitete Meinung, dass Kontaktsport sowieso nichts für Frauen sei“, kritisiert die Wienerin.

„Ich würde mir wünschen, dass wir Frauen genauso viel Unterstützung bekommen, wie die Männer-Teams.“ So etwas wie Neid oder Missgunst lässt Fournier aber nicht aufkommen. Sie rührt lieber die Werbetrommel und ist bemüht, mehr Frauen für ihren Sport zu begeistern. „Die Faszination Rugby beginnt bei den Werten. Der Sport ist unter anderem geprägt von Respekt oder Integrität. Es ist also nicht nur ein physisches Spiel. Man braucht Körper und Kopf.“

Seit frühestem Kindheitsalter spielt Fournier für Stade.

Traum vom Profi-Rugby

Zu all dem komme bei ihrem Team der bereits erwähnte „Spirit“ dazu. „Wir sind eine starke Gemeinschaft. Jede ist bereit, sich reinzuwerfen und für die Kolleginnen alles zu geben“, so die Psychologie-Studentin, die sich weitere große Ziele setzt.

„Ich möchte langfristig versuchen, den Rugby-Sport professionell zu betreiben.“ In Österreich ist das freilich noch unmöglich. „Wenn ich mein Studium fertig habe, möchte ich in Frankreich auf höherem Niveau spielen.“ Auch für das Nationalteam, die ‚Les Bleus‘, wäre sie theoretisch spielberechtigt. Das ist aber Zukunftsmusik.

Die Gegenwart heißt unter anderem Sport Austria Finals. Die Vorfreude auf das Event ist groß – nicht nur, weil es für Fournier und ihr Team um Gold geht. „Die Sport Austria Finals sind eine große Chance für das Damen-Rugby. Das Event bringt Aufmerksamkeit, wir fühlen uns wertgeschätzt. Die Finals motivieren uns alle, besser zu werden.“

Neuerliche Meisterparty? Stade Rugby ist bei den Sport Austria Finals Titelverteidiger im Damen-7s.

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