29. MAI – 2. JUNI IN INNS­BRUCK/TIROL

„Es ist ein gewisser Druck da!“

Der HSV-Zwölfaxing wurde im Dezember 2023 in Hongkong sensationell Vizeweltmeister und ist damit selbstredend der große Favorit für die Formationstanz-Staatsmeisterschaften, die heuer im Rahmen der Sport Austria Finals powered by Österreichische Lotterien ausgetragen werden.

Einen großen Anteil an diesem großen Erfolg hat Stefan Herzog, der als Trainer fungiert und die niederösterreichische Mannschaft zum Spitzenteam formte.

Im Interview spricht der Profi-Tänzer und Ex-Dancing-Star über die nächsten Ziele, die neue Erwartungshaltung und eine einzigartige Chance.

Stefan, als Vizeweltmeister-Trainer: Kannst du kurz erklären, was Formationstanz genau ist und was ihn ausmacht?

Stefan Herzog: Grundsätzlich wird – wie der Name schon sagt – in einer Formation getanzt. Also acht Paare tanzen gemeinsam eine Kür, die fünf Latein- oder Standard-Tänze enthalten muss. Formationstanz wird ja entweder mit lateinamerikanischen oder Standard-Tänzen durchgeführt. Die acht Paare müssen auf der Tanzfläche Formationen bzw. Bilder erzeugen, was für die Zuschauer:innen immer ein Highlight ist, weil es natürlich immer sehr publikumswirksam gestaltet wird.

Mit dem klassischen Paar-Tanz hat es aber wahrscheinlich wenig zu tun, oder?

Doch, schon. Es geht letztlich darum, dass die Paare einzeln, aber auch mit den anderen Paaren eine Kür tanzen. Viele Paare tanzen auch beides – also klassischen Paartanz und Formationstanz. Auf der einen Seite muss man den Paartanz so gut wie möglich tanzen, auf der anderen Seite werden die formationstechnischen Skills bewertet. Formationstanz ist gerade bei Anfänger:innen sehr beliebt, weil man die Tänze in der Gruppe lernt.

Der HSV-Zwölfaxing kürte sich in Hongkong sensationell zum Vizeweltmeister.

Der HSV-Zwölfaxing ist im Dezember in Hongkong Vizeweltmeister geworden. Wie schätzt du als Trainer diesen Erfolg mit ein paar Monaten Abstand ein?

Das war schon ein ziemliches Highlight! Sowohl für meine Karriere als auch für Österreich. Es war das erste Mal, dass ein österreichisches Team so weit vorne gelandet ist. Mit ein bisschen Abstand betrachtet ist es für mich sogar noch sensationeller. Jetzt wollen wir natürlich ein Schrittchen weiterkommen.

Kam dieser Erfolg für dich komplett überraschend?

Wir haben uns schon in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt gesteigert und es geschafft, uns gut aufzustellen. Wir haben viel Nachwuchsarbeit gemacht und sehr, sehr viel trainiert. 2022 konnten wir uns schon mit dem Vize-Europameistertitel belohnen. Einerseits war die Medaille bei der WM schon ein Ziel, andererseits aber dann doch überraschend, weil viele starke Teams vertreten waren. Es war keine Selbstverständlichkeit, den zweiten Platz zu holen.

Bei den Sport Austria Finals seid ihr dadurch aber die große Favoriten, oder?

Ja. Aber es ist trotzdem jedes Turnier eine neue Herausforderung, weil es für uns immer darum geht, uns selbst zu schlagen. Wir wollen immer besser sein als davor und mit unserer Leistung zufrieden sein. Das heißt, wir orientieren uns sehr stark an unserer eigenen Leistung. Aber klar, als Vizeweltmeister haben wir einen gewissen Status und eine gewisse Favoritenrolle und auch damit müssen wir lernen umzugehen. Es ist ein gewisser Druck da! Wir wollen diesem Status und dieser Rolle gerecht werden – die Leute haben ja eine gewisse Erwartung an uns. Die wollen wir erfüllen.

Wird das komplette Vizeweltmeister-Team bei den Finals am Start sein?

Ja, es werden so ziemlich alle dabei sein, weil auch das Team fast gleich geblieben ist. Acht Paare tanzen ja dann letztlich, aber wir schauen, dass wir immer einen Pool von ca. zwölf Paaren haben. Man kann sich das so wie bei einer Fußballmannschaft vorstellen, wo auch immer durchgewechselt wird. Das Team ist aber zu 90 Prozent gleich wie bei unserem Vize-WM-Titel in Hongkong.

Formationstanz ist hauptsächlich im Osten Österreich stark vertreten. Im Westen dagegen nicht existent. Können die Sport Austria Finals eine Bühne sein, um Formationstanz auch im Westen wieder salonfähig zu machen?

Ja, absolut. Formationstanz ist extrem publikumswirksam. Das merken wir immer bei größeren Veranstaltungen wie Staatsmeisterschaften oder Weltmeisterschaften, wo du zum Teil 4.000, 5.000 Leute zum Zuschauen kriegst. Gerade Formationen bieten eine tolle Show! Die Sport Austria Finals können durchaus eine Initialzündung für Klubs im Westen sein, um sich an das Feld heranzuwagen und da was auf die Beine zu stellen. Es muss ja nicht gleich auf WM-Niveau sein – es gibt in Österreich ja mehrere Ligen.

Tanzen ist ja aufgrund diverser TV-Shows durchaus präsent. Wie haben sich Formate wie Dancing Stars oder Let’s Dance auf den Tanzsport in Österreich ausgewirkt?

Ich glaube schon, dass das Interesse am Tanzsport durch diese Shows noch mehr geweckt wurde. Vor allem im Kinder- und Jugendbereich. Dass die Jüngeren Tanzen zumindest einmal probieren wollen. Dancing Stars ist ja laut ORF bei Kindern sehr beliebt und die Quoten sind dementsprechend hoch. Sie kommen also mit Tanzen in Berührung – ob sie dann dabei bleiben, ist wieder eine andere Frage. Viele sagen, dass es eher für Tanzschulen etwas bringt und weniger für den Tanzsport. Das sind ja zwei verschiedene Paar Schuhe. Aber ich denke schon, dass auch der Tanzsport davon profitiert.

Du warst ja selbst zweimal bei Dancing Stars dabei: Was nimmst du aus dieser Zeit mit?

Die Erfahrung, mal eine Fernsehshow miterlebt zu haben und das Kennenlernen von vielen neuen Menschen. Aber auch das Performen vor der Kamera war eine neue Erfahrung für mich. Dadurch habe ich mich als Tänzer und Trainer schon noch einmal weiterentwickelt. Man muss auch psychologisch arbeiten, weil die prominenten Personen doch viel Druck und Stress haben. Man geht da schon eine sehr intensive Reise mit der prominenten Person durch – das kann man schwer beschreiben, sondern muss es erlebt haben.

Würdest du nochmal teilnehmen?

Das ist schwierig zu sagen. Ich würde es nicht komplett ausschließen, aber mein Fokus ist aktuell schon sehr stark auf der Formation. Wir veranstalten im Dezember 2024 die Formations-Weltmeisterschaft und da ist natürlich das große Ziel, bei der Heim-WM am mehrfachen Weltmeister aus Deutschland vorbeizurücken. Mit Heim-Publikum könnte das möglich sein! Daneben eine TV-Show zu machen, ist einfach nicht möglich.

Das heißt, die Ziele mit dem HSV-Zwölfaxing sind klar.

Ja, genau. Wir wollen bei der Heim-WM (7. Dezember 2024) angreifen und nach vorne kommen! Es wäre toll, wenn ganz viel Publikum ins Multiversum nach Schwechat kommt. So eine Chance gab es in dieser Form noch nie, dass wir mit Österreich Weltmeister werden können. Das wäre einzigartig.

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