Der Teenager mit der feinen Klinge
Als Lauro Falchetto im Februar 2024 in Neapel die Planche betrat, war er für die internationale Fechtszene noch ein Versprechen. Nur wenige Gefechte später war er Europameister.
Der damals erst 15-jährige Niederösterreicher von der Fecht Union Mödling krönte sich bei der U17-Europameisterschaft im Herrenflorett sensationell zum Champion – und tat das mit einer Reife, die weit über sein Alter hinausging. Im Finale bezwang Falchetto den Italiener Mattia Conticini mit 15:7. „Für mich ist mit dem Sieg der Europameisterschaften ein Traum wahr geworden“, jubelte der Teenager.
Dass dieser Titel kein Ausreißer war, zeigte sich in den Monaten danach. Beim stark besetzten U17-EFC-Turnier in Göteborg gewann Falchetto zum Saisonauftakt erneut. Das Ausnahmetalent setzte sich gegen 134 Fechter aus 22 Nationen durch und bestätigte damit, dass Neapel erst der Anfang seiner Erfolgsgeschichte war.
Auf den Spuren von Papa Marco
Im Frühjahr 2025 war Falchetto endgültig an Europas Spitze angekommen: Er beendete die Saison als Nummer eins der U17-Europarangliste. Das Fecht-Talent wurde Lauro dabei quasi in die Wege gelegt, war doch Papa Marco ebenfalls ein erfolgreicher Fechter. Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta holte Falchetto sen. mit Österreichs Fecht-Florett-Team den starken vierten Platz. Seinem Sohnemann attestiert er noch mehr Talent, weshalb er ihm auch noch mehr zutraut: „Ich hoffe, dass er es auch bis zu Olympia schafft und hoffentlich besser abschneidet als ich.“
Die Vorzeichen stehen jedenfalls ganz gut, denn Falchetto zeigte erst kürzlich bei der U23-EM in Cagliari, dass er auch mit der älteren Konkurrenz mithalten kann. Der noch bei den Junioren startberechtigte Österreicher überraschte mit dem starken sechsten Platz. Jetzt soll der 17-Jährige Schritt für Schritt aus der Nachwuchswelt in den internationalen Erwachsenenbetrieb hineinwachsen. „Ich bin schon sehr zufrieden mit meiner Entwicklung. Wir haben bei uns in der Fechthalle eine Wand, da hängen Plakate von verschiedenen Fechtern und daneben stehen die Erfolge. Wenn ich da vorbeigehe, bin ich schon sehr happy, was da bei mir an Ergebnissen steht“, erklärt der Youngster.
Olympia 2028 kommt wohl noch zu früh
Aber die jüngsten Ergebnisse sollen erst der Anfang einer großen Karriere sein. Vor allem die berühmten fünf Ringe haben es ihm angetan. „Olympia wäre schon sehr geil, das ist langfristig schon mein größtes Ziel“, so Falchetto. Sven Ressel, seines Zeichens Sportdirektor beim Österreichischen Fechtverband, traut ihm das auch absolut zu. „Lauro ist ein Riesentalent, der in den vergangenen Jahren schon viele gute Platzierungen errungen hat. Der Junge hat ein Riesenpotenzial und ist fechterisch sehr gut ausgebildet“, schwärmt der Deutsche.
„Er hat eine unfassbare Technik und eine starke Bandbreite, was die Aktionsvielfalt betrifft. Er kann stark im Nahkampf fechten und hat auch Aktionen mit der Spitze drauf, die in seinem Alter seinesgleichen suchen. Was ihm noch etwas abgeht, ist das Strategische. Aber das ist im Florettfechten gar nicht so wichtig“, sagt Ressel, der die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles für Falchetto nicht komplett ausschließen will, eine Teilnahme allerdings für eher unrealistisch hält. „Olympia 2028 kommt wahrscheinlich eine Ecke zu früh. Ich schließe es nicht aus, aber es wäre schon sehr früh für ihn. Über die Mannschaft ist es schier unmöglich, da sind maximal acht Teams bei Olympia dabei. Über das Einzel musst du dich in den Top-16 bewegen, das ist unfassbar schwer. Meines Erachtens geht es eher Richtung Brisbane 2032.“
Falchetto freut sich auf die große Finals-Bühne
Kurzfristig will Falchetto in Kürze bei den Sport Austria Finals 2026 powered by Österreichische Lotterien zeigen, was er draufhat. Auf die Frage, was er sich für die Staatsmeisterschaften in Wien vornimmt, antwortet die Nachwuchshoffnung wie aus der Pistole geschossen: „Gewinnen!“ Natürlich müsse man die Zielsetzung immer auch an das Turnier anpassen, so Falchetto, „aber grundsätzlich ist Gewinnen das Beste.“ Der 17-Jährige freut sich vor allem auch auf die Finalgefechte am prestigeträchtigen Wiener Rathausplatz. „Das ist schon eine ziemlich coole Location – sowas hat man nicht immer.“
Mittelfristig hat der Teenager auch schon einen konkreten Plan im Kopf. „Ich will die Schule fertig machen, dann absolviere ich den Grundwehrdienst und komme hoffentlich in den Heeressport. Danach will ich studieren. Ein Ziel wären die USA. Dort kommst du mit Fechten gut in höhere Universitäten. Mein Ziel ist es, im Profisport zu bleiben. Aber beim Fechten verdient man nicht so viel, deswegen muss ich nebenbei auch ein normales Leben aufbauen.“
