Der Ausnahmekönner kommt nach Wien
Wenn andere staunen, beginnt für Angelino Zeller der Alltag. Der Grazer zieht sich nur mit der Kraft seiner Hände eine 15 Meter hohe Wand hinauf, bewegt sich scheinbar schwerelos durch überhängende Routen und dominiert eine Sportart wie kaum ein anderer. Bei den Sport Austria Finals powered by Österreichische Lotterien in Wien wird der Para Climber in der Kletterhalle Wien einmal mehr als absoluter Top-Favorit an den Start gehen – und als eines der großen Aushängeschilder seines Sports.
Denn Zeller ist längst ein Superstar der internationalen Para-Climbing-Szene. Der Steirer gewann bei jeder Weltmeisterschaft, an der er teilnahm, Gold und ist mittlerweile vierfacher Weltmeister. Seit Juni 2021 hat der Heeressportler keinen einzigen Wettkampf mehr verloren. Eine Serie, die selbst ihn manchmal staunen lässt. „Ich setze mich mental von der Konkurrenz etwas ab. Zudem bin ich Heeressportler, so ist noch einmal eine ganz andere Professionalität möglich“, erklärt der Grazer.
Dabei begann seine Karriere erst nach einem schweren Einschnitt. Seit einem Gleitschirm-Unfall im Jahr 2017 ist Zeller querschnittsgelähmt. Über eine Inklusionsveranstaltung des Alpenvereins fand er zurück zum Klettern – und nur kurze Zeit später bereits in den Nationalkader. „Ich bin nach meinem Unfall über eine Inklusionskletterveranstaltung vom Alpenverein wieder zum Klettern gekommen. Dort waren Leute vom Nationalteam dabei und weil ich mich nicht so schlecht angestellt habe, wurde ich zu einem Trainingslager eingeladen“, erzählt Zeller.
Heute trainiert der Ausnahmeathlet zwischen 15 und 20 Stunden pro Woche. Neben intensivem Klettertraining stehen Krafttraining, Schwimmen und Fitness am Programm. Sein Alltag unterscheidet sich kaum von jenem anderer Spitzensportler:innen – nur eben ohne Beine. Zeller startet in der Kategorie AL1 und bewältigt die Routen ausschließlich mit dem Oberkörper.
Besonders spektakulär wird es, wenn der Grazer im Vorstieg scheinbar mühelos überhängende Wände bezwingt. Genau diese Bilder sorgen mittlerweile weltweit für Aufmerksamkeit. „Ich habe das Glück, dass ich durch den Rollstuhl viel Aufmerksamkeit kriege“, sagt Zeller pragmatisch. Und tatsächlich: Wenn er sich mit unglaublicher Körperspannung Zug für Zug nach oben arbeitet, bleibt selbst Kletterfans oft der Mund offen.
Auch am Naturfels sucht der vierfache Weltmeister ständig neue Herausforderungen. Seine erste 8a-Route „Fritz the Cat“ im „Zigeunerloch“ zählt selbst für Kletter:innen ohne Einschränkung zu einer enormen Schwierigkeit. Weil der Einstieg zu flach war, musste sich Zeller zunächst am Seil nach oben ziehen, ehe er sich durch den Überhang kämpfte.
Die Sport Austria Finals in Wien sieht der Grazer als große Bühne für seinen Sport. Vor allem mit Blick auf die Paralympics: 2028 wird Para Climbing in Los Angeles erstmals Teil des paralympischen Programms sein – Zellers Klasse AL1 allerdings noch nicht. Bitterkeit verspürt er deshalb keine. Vielmehr freut sich der Steirer für jene Athlet:innen, die den historischen ersten Auftritt erleben dürfen.
„Die Sport Austria Finals sind für unseren Sport eine riesige Chance. Wir können uns dort vor einem ganz neuen Publikum präsentieren und zeigen, wie spektakulär Para Climbing ist. Gerade in Österreich gibt es noch viele Menschen, die noch nie einen Para-Climbing-Bewerb live gesehen haben. Deshalb freue ich mich extrem auf Wien“, sagt Zeller.
In der Kletterhalle Wien bekommt das Publikum die Chance, einen der spektakulärsten Athleten Österreichs live zu erleben – und eine Sportart, die spätestens seit Angelino Zellers Erfolgslauf weltweit für Aufsehen sorgt.
