„Der geilste Moment“

Raphael Rokus ist ein ehemaliger Darts-Jugendnationalspieler, hat 2015 sein Herz für diesen Sport verloren und arbeitet aktuell als stellvertretender Jugendbetreuer des Österreichischen Dartsverband auf ehrenamtlicher Basis und unterstützt Dietmar Schuhmann in der kontinuierlichen Aufbauarbeit.

2015 saß der heute 18-Jährige kurz vor Weihnachten gemeinsam mit seinem Vater auf der Couch, vertrieb sich die Zeit vor dem Fernseher und zappte planlos durch die Gegend. „Wir sind dann bei Sport1 hängen geblieben und da ist die Darts-Weltmeisterschaft 2016 der PDC (Anm.: Professional Darts Corporation) gelaufen. Ich war sofort begeistert und habe meinen Papa dazu überredet, dass wir da weiterschauen. Ich bin dann sehr schnell verfallen, hab das einfach richtig cool gefunden und es hat mich fasziniert. Daraufhin haben wir jeden Tag geschaut, bis ich am 24. Dezember dann ein eigenes Dartsboard bekommen habe. Der Beginn einer perfekten Wechselbeziehung“, blickt Rokus, der mittlerweile für den DC Darts-Control spielt, noch einmal an seine Anfänge zurück.

Flexibilität im Heimtraining

Darts hat in vielen Belangen eine ausgeprägte Spannungsphase, und das macht den direkten Vergleich am Board so prickelnd. „Darts ist einfach überragend. Man steht sich gegenüber und es entscheiden oftmals wenige Millimeter über Sieg oder Niederlage. Der Vorteil ist, man kann super zu Hause trainieren – ohne großen Aufwand – und sich alles selbst einteilen. Wenn man gut spielt, hat man automatisch mehr Spaß. Das ist so der Motor für viele Stunden Training in den eigenen vier Wänden“, berichtet der Wiener, der als sehr sozialer Mensch bekannt und ab und an ein wenig chaotisch ist.

Aber nicht nur als Spieler ist Rokus aktiv, er hat sich auch das Ziel gesetzt, gemeinsam mit einigen anderen motivierten Personen, etwas Nachhaltiges im Österreichischen Dartsverband (ÖDV) aufzubauen. Während speziell der Jugendbereich früher eher schwieriger zu bedienen war, hat sich das in den letzten Monaten stark geändert und man ist ressourcentechnisch breiter aufgestellt. „Es sind nach der Corona-bedingten Zwangspause einige gute Spielerinnen und Spieler dazugekommen. Wir fürchten uns nicht vor der nächsten Europameisterschaft, sondern sind meiner Meinung nach sehr solide aufgestellt. Dort wollen wir bei den Burschen die großen Nationen etwas ärgern, bei den Mädchen ist das ein bisschen schwieriger. Darts geht oft als „Beisl-Sport“ durch, das ist für sie dann nicht zwingend attraktiv, daher gibt es da einen Engpass. Aber wir arbeiten daran und wollen auch hier vorwärtskommen“, gibt der 18-Jährige interessante Einblicke.

Auch wenn der Wiener noch sehr jung ist, hat er in seiner Dartskarriere schon einige spannende Momente erlebt. Einer ist bei ihm jedoch hängengeblieben. „Das war wirklich einer meiner geilsten Momente im Darts. Bei den Czech Open habe ich 2018 in der ersten Runde gegen einen niederländischen PDC Development Player gespielt. Ich war noch nicht sonderlich gut, das hat sich auch an diesem Tag bestätigt. Ich habe mich dann mit einem Single Bull auf 170 Rest gestellt. Mein Gegner hat es dann verabsäumt das Leg zuzumachen. Naja, dann habe ich mit T20, T20 und Bulls Eye gefinisht. Das war echt lustig. Ich habe zwar die Partie haushoch verloren, aber das wird mir immer in Erinnerung bleiben“, grinst Rokus.

Bundesländer als wichtige Säulen

Aber man erfreut sich beim ÖDV nicht nur im Hier und Jetzt, sondern will auch weitere wichtige Akzente setzen. So soll die geplante Jugendförderung weiterhin ausgebaut werden und die Youth Challenges in den Bundesländern zukünftig eine wichtige Säule darstellen. Der Fokus lag lange auf der Bundeshauptstadt Wien, aber die Youth Challenges haben neue Möglichkeiten eröffnet und es werden immer mehr Talente gefunden, die in weiterer Folge dann auch ihren Weg machen und zur Nationalmannschaft stoßen. „Bei uns im Verband wird gerade eine neue Trainerstruktur aufgebaut, das wollen wir dann natürlich auch für den Jugendbereich nutzen. Das ist für unseren Weg sicherlich ein wichtiger Faktor und sehr hilfreich. Wir haben uns in der Jugendbetreuung in den letzten Jahren bewusst breiter aufgestellt, das merkt man mittlerweile auch schon. Ziel ist es, allen Interessierten die Möglichkeiten zu bieten auch an internationalen Vergleichswettkämpfen teilzunehmen“, zeigt sich Rokus, der seit 2021 die Jugendarbeit im Österreichischen Dartsverband mitgestaltet, motiviert. 

Ob der 18-Jährige auch im Juni an den Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz teilnehmen wird, ist aktuell noch offen. „Das wird wohl erst kurzfristig entschieden. Im Februar bei der letzten Staatsmeisterschaft in Voitsberg habe ich beispielsweise nur im Mixed-Bewerb gespielt, alles andere wäre sich zeitlich gar nicht ausgegangen. Es war echt viel los, zumal ich auch als Caller im Einsatz war“, verrät Rokus, der im Oktober an der Universität Wien voraussichtlich mit dem Studium Publizistik und Kommunikationswissenschaften beginnen wird, und ergänzt: „Die Verbandserwartungen sind sehr hoch. Wir planen ein großes Event und wollen die Plattform der Sport Austria Finals nutzen, uns mit anderen Verbänden zu connecten und intensiv auszutauschen. Man kann so viel von anderen Sportarten profitieren, neue Ansätze aufsaugen und langfristig Synergien nutzen. Das ist unbezahlbar.“

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