Einmal noch Vollgas

Olympiateilnahme 2016, zwei WM-Teilnahmen, sechs EM-Starts. Dominik Distelberger schaffte zwischen 2014 und 2017 als letzter österreichischer Mehrkämpfer über 8.000 Punkte im Zehnkampf. Jetzt ist Schluss: Ende Mai erklärte der Niederösterreicher seinen Rücktritt. So ganz kann es der Niederösterreicher dann aber doch nicht lassen, bei der Vereine-Meisterschaft im Rahmen der Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz wird Distelberger an den Start gehen.

„Ich trainiere weiterhin, nur Mehrkampf werde ich definitiv keinen mehr bestreiten“, erklärt Distelberger seinen Abschied auf Raten. „Es hat sich in den letzten Monaten abgezeichnet und war eigentlich überfällig. Meine Prioritäten haben sich verschoben, es hat sich eine großartige berufliche Chance ergeben, zudem bin ich Vater geworden. Die Motivation wäre noch da gewesen, der Fokus aber nicht mehr. Halbe Sachen waren nie etwas für mich.“

Dem Sport bleibt der 32-Jährige erhalten. In der Südstadt betreut er gleich mehrere Projekte: In der Tennis-Akademie von Günter Bresnik fungiert er als Athletik-Coach, bei den Handballerinnen von Hypo NÖ kümmert er sich ebenfalls um die Fitness und auch in der Leichtathletik hat er als Trainingspartner von Sprinter Markus Fuchs seine Finger im Spiel: „Im Tennis haben wir einige Talente bei uns, wir wollen sie in Richtung Top-100 bringen. Dann muss man schauen, wie es sich entwickelt – aber wenn man eine perfekte Rundum-Betreuung bieten will, gehört heutzutage ein Athletik-Coach dazu.“

Bisheriges Highlight ist die Zusammenarbeit mit Gael Monfils. Der Franzose trainiert seit Anfang 2021 unter Bresnik und damit auch mit Distelberger. Bei einem dreiwöchigen Trainingsblock wurde der Grundstein für die Saison gelegt: „Es ist extrem spannend, mit so jemandem zu arbeiten. Umso schöner ist es, wenn man selbst bei einem Weltklasse-Athlet wie ihm Fortschritte sieht.“

Während Tennis seine neue Liebe ist, bleibt die Leichtathletik im Herzen die Nummer eins. Zu viel hat Distelberger als Zehnkämpfer erlebt. „Ich will das Knowhow, das ich mir über die letzten Jahre erarbeitet habe, weitergeben. Vielleicht ergibt sich ein spannendes Projekt mit ein oder zwei jungen Leuten. Vorerst bin ich aber ohnehin noch als ‚trainierender Coach‘ tätig“, lacht der Olympia-19. von 2016 und spielt damit auf den Plan, seine Karriere bei nationalen Events ausklingen zu lassen, an.

Einer dieser Starts erfolgt am Donnerstag in Graz: Bei der Vereine-Meisterschaft wird Distelberger im Rahmen der Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz mit dem UVB Purgstall um eine gute Platzierung kämpfen. Favoriten auf den Sieg sind aber andere: „Unser Verein ist sehr klein, war zeitweise sogar ein Ein-Mann-Verein. Mittlerweile haben wir wieder ein paar junge Talente, dennoch hätte ich vier Disziplinen am Plan gehabt. Leider war ich letzte Woche krank und werde maximal zwei bis drei Disziplinen in Angriff nehmen können.“

Die Vereine-Meisterschaft dient auch als Generalprobe für die Staatsmeisterschaften eine Woche später. Das Motto „Dabei sein ist alles“ gilt für Distelberger nicht: „So lange ich die Chance habe, vorne dabei zu sein, werde ich antreten. Das ist zumindest über die Hürden so, da will ich bei den Staatsmeisterschaften schon um den Sieg mitsprechen. Sonst würde ich nicht starten.“

Aufgrund des vollgepackten Terminkalenders wird der Niederösterreicher am Donnerstag an- und abreisen, die Chance, anderen Sportarten einen Besuch abzustatten, hat er nicht. „Das ist schon schade, weil ich von der Idee der Finals überzeugt und auch sehr interessiert an anderen Sportarten bin“, so Distelberger. „Es wird viel mediale Aufmerksamkeit geben, auch für kleinere Verbände. So soll es sein, wir brauchen diese Vielfalt. Die Leute sollen nicht nur Fußball schauen.“

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