Wo „Cool Ice“ auf die „Queen of Jammed“ trifft
Wer zum ersten Mal eine Roller-Derby-Halle betritt, fühlt sich ein wenig an eine Mischung aus Wrestling, American Football und Speedskating erinnert. Athlet:innen mit Namen wie „Cool Ice“, „Speedy Gonzalez“, „Tiger Mom“ oder „Queen of Jammed“ treten auf einer ovalen Bahn gegeneinander an – Bodychecks, Blocks und Taktik inklusive.
Die Spitznamen gehören ebenso zur Kultur des Sports wie die bunten Trikots. Ihren Ursprung hat diese Tradition tatsächlich im Wrestling, wo Kunstfiguren und Charaktere seit Jahrzehnten Teil der Show sind.
Genau diese besondere Mischung macht Roller Derby auch bei den Sport Austria Finals in Wien zu einem Erlebnis. In der Sporthalle der AHS Theodor-Kramer-Straße herrscht beinahe Länderspielstimmung. Fahnen werden geschwenkt, Plakate in die Höhe gehalten und jede gelungene Aktion lautstark gefeiert. „Man spürt die Energie vom ersten bis zum letzten Pfiff“, erzählt Florian, ein langjähriger Fan. „Die Leute kennen sich, feiern aber jede gute Aktion – egal von welchem Team. Diese Stimmung findet man in kaum einer anderen Sportart.“
Elite versammelt sich in Wien
Dabei versammelt sich in Wien die gesamte heimische Roller-Derby-Familie. Neun Teams aus ganz Österreich treffen aufeinander und zeigen, warum die Sportart seit ihrer Einführung in Österreich im Jahr 2011 kontinuierlich wächst. Für viele ist Roller Derby weit mehr als ein Wettkampf. Es ist eine Gemeinschaft.
Auf der Bahn geht es allerdings ordentlich zur Sache. Gespielt wird auf einem ovalen Feld von rund 20 mal 30 Metern. Ein Spiel dauert zweimal 30 Minuten. Je fünf Spieler:innen stehen gleichzeitig auf der Bahn. Im Mittelpunkt steht die sogenannte Jammerin, erkennbar am Stern auf dem Helm. Sie versucht, die gegnerischen Blocker:innen zu überrunden und damit Punkte zu sammeln. Die Blocker:innen setzen legale Bodychecks, Schubser und geschicktes Stellungsspiel ein, um genau das zu verhindern.
Geschwindigkeit, Physis und Taktik
„Roller Derby ist schnell, strategisch und unglaublich intensiv“, sagt etwa „Chucky“. „Von außen wirkt es oft chaotisch, aber hinter jedem Block und jeder Bewegung steckt unglaublich viel Taktik.“ Tatsächlich entstehen auf den Rollschuhen enorme Geschwindigkeiten. Innerhalb von Sekunden wechseln Angriffs- und Verteidigungssituationen. Kommunikation ist dabei entscheidend. Die Teams sprechen permanent miteinander, geben Kommandos weiter und reagieren auf jede Bewegung der Gegnerinnen.
Trotz aller Härte gibt es klare Regeln. Helm sowie Knie- und Ellbogenschoner sind Pflicht. Bestimmte Körperzonen gelten als Tabubereiche, gefährliche Aktionen werden bestraft. Dennoch gehören Verletzungen leider dazu. Vor allem Knöchel- und Knieverletzungen zählen zu den häufigsten Schattenseiten des Sports.
Vielfalt großgeschrieben
Mindestens genauso wichtig wie die Action auf der Bahn ist aber die Kultur rund um Roller Derby. Vielfalt wird hier nicht nur propagiert, sondern aktiv gelebt. Viele Athlet:innen werden ausschließlich mit ihrem Derby-Namen angesprochen. Ebenso selbstverständlich ist der respektvolle Umgang mit Pronomen.
Ob she/her, they/them oder andere Pronomen – die individuelle Identität wird anerkannt und sichtbar gemacht. Schon beim Betreten der Halle fallen Regenbogenflaggen ins Auge. „Roller Derby zeigt, dass Sport für alle da sein kann“, sagt Speedy Gonzalez. „Unsere Vielfalt ist keine Randnotiz, sondern eine wichtige Botschaft, die wir in die weite Welt hinaustragen möchten.“
Wer einmal erlebt hat, wie „Cool Ice“ mit Höchsttempo durch eine Lücke schlüpft, „Tiger Mom“ den entscheidenden Block setzt und die Halle in Jubel ausbricht, versteht schnell: Roller Derby ist weit mehr als nur ein Sport auf Rollschuhen. Es ist eine Szene, eine Familie – und bei den Sport Austria Finals sicherlich eine der außergewöhnlichsten Geschichten.










