“Gefühls-Chaos”! Fischers emotionales Happy End
Sarah Fischer ist seit Jahren das Aushängeschild im heimischen Gewichtheben. Beinahe wäre es ausgerechnet bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften, die im Rahmen der Sport Austria Finals powered by Österreichische Lotterien am Wiener Rathausplatz ausgetragen wurden, zu einem ungewohnten Ausrutscher gekommen.
Der Reihe nach: Mit der Open-Air-Bühne am Wiener Rathausplatz erhielten die Staatsmeisterschaften im Gewichtheben endlich jenen Rahmen, den sich Fischer seit Jahren wünscht. Entsprechend groß war die Vorfreude. Im Reißen lief alles nach Plan, die 25-jährige Niederösterreicherin (Klasse +86 kg) meisterte die 100 kg souverän. Das Stoßen wurde dann zum Fight – mental und körperlich.
Fischer scheiterte beim ersten und zweiten Versuch an den 122 kg, ein Raunen ging durch die vollgefüllte Tribüne. „Nach dem zweiten Fehlversuch habe ich wirklich schon ein bisschen gezweifelt. Ich habe versucht, irgendwie fokussiert zu bleiben“, so Fischer. Im dritten und letzten Versuch streckte sie die Hantel unter lautstarkem Jubel in die Höhe – 35. Staatsmeistertitel statt purer Enttäuschung.
„Beim Aufwärmen habe ich 118 kg locker geschafft, deshalb war ich sehr überrascht. Zum Glück habe ich es irgendwie geschafft. Ich weiß nicht wie, aber ich bin sehr erleichtert“, atmete die Olympia-Zehnte auf. Die Erleichterung war sichtbar: Nach dem gültigen Versuch nahm sie auf den Stiegen neben der Bühne Platz und schlug die Hände vor das Gesicht. „Mein ganzer Körper hat gezittert. Das war pures Gefühls-Chaos.“
Beruhigt wurde Fischer von Trainer und Vater Ewald, der während des Wettkampfs angespannter wirkte als seine Tochter. „Nach dem ersten Versuch im Stoßen hat sie gemeint, dass der Rücken zugemacht hat. Da hatte ich schon Erinnerungen an 2015.“ Gemeint ist die ÖSTM vor elf Jahren, als Fischer als 15-Jähriger im Reißen kein gültiger Versuch gelang. Dieses Mal gab es ein Happy End.
Fischer: „Wenn ich zu nationalen Wettkämpfen fahre, erwartet jeder den Titel. Vielleicht hat das mit der großen Bühne, den vielen Leuten und der Hitze dazu beigetragen. Aber es ist egal, ich habe gewonnen – Ende gut, alles gut.“ Fischers Blick richtet sich bereits nach vorne, sie hat große Ziele. „Die Olympischen Spiele Los Angeles 2028 stehen ganz oben, das will ich unbedingt schaffen. Auf dem Weg dorthin wären die Europaspiele 2027 in Istanbul cool.“
In der Klasse bis 86 kg sicherte sich Lena Raidel den Titel mit 181 kg, bis 77 kg gewann Annika Wildberger (171 kg).
