Zeller und Plank setzen Ausrufezeichen
Knapp 80 Athlet:innen aus zwölf Nationen sorgten am Samstag in der Naturfreunde Kletterhalle Wien für hochklassigen Paraclimbing-Sport. Im Rahmen der Sport Austria Finals powered by Österreichische Lotterien wurden in zwölf Bewerben die Österreichischen Staatsmeister:innen und Meister:innen gekürt. Knapp eine Woche vor dem Heim-Weltcup in Innsbruck nutzten zahlreiche Athlet:innen die Titelkämpfe als wichtigen Formtest – und lieferten dabei eindrucksvolle Leistungen ab.
Vor einer außergewöhnlich starken Zuschauerkulisse präsentierte sich die österreichische Paraclimbing-Szene einmal mehr von ihrer besten Seite. Neben den heimischen Topstars waren auch zahlreiche internationale Athlet:innen am Start. Besonders erfreulich: Viele Besucher:innen fanden den Weg zum Paraclimbing-Bewerb. Einige waren sogar direkt vom Wiener Rathausplatz mit dem Fahrrad zur Kletterhalle gekommen, um den Sport hautnah zu erleben.
„Wir haben einen richtig guten Wettkampf hinbekommen. Mit Teilnehmenden aus zwölf Nationen, einem hervorragenden Routenbau und spannenden Entscheidungen ist alles aufgegangen. Vor allem freut mich, dass wir durch die Sport Austria Finals viele neue Menschen erreichen konnten. Wer heute hier war, hat gesehen, welche außergewöhnlichen Leistungen unsere Athlet:innen erbringen“, resümierte KVÖ-Präsident Michael Öckher. „Besonders stolz macht uns, dass immer mehr junge Talente nachkommen und die Paraclimbing-Community in Österreich kontinuierlich wächst.“
In dieselbe Kerbe schlägt auch Dieter Schimanek, Geschäftsführer der Kletterhalle Wien: „Die anspruchsvollen Routen haben den Athlet:innen alles abverlangt und für spannende Entscheidungen gesorgt. Ein großes Kompliment gilt den Routensetzer:innen sowie dem Team der Kletterhalle Wien, das maßgeblich zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen hat.“
Favoriten setzen sich bei den Herren durch
Bei den Herren bestätigten die etablierten Athleten ihre Favoritenrollen. In der Klasse AL1 holte sich Paraclimbing-Aushängeschild Angelino Zeller den Staatsmeistertitel vor Markus Pösendorfer. Für Gesprächsstoff sorgten die beiden bereits vor dem Finale: Bei der Besichtigung waren sie zunächst irrtümlich zweimal bei der falschen Route gelandet. Zeller hatte zudem in der Qualifikation einen ungewöhnlichen Moment erlebt, als er große Teile einer Route ausschließlich über die Tritte kletterte.
„Die Staatsmeisterschaft war richtig cool. Ich bin sehr gut in den Wettkampf gestartet und konnte meine Leistung auch im Finale abrufen. Die Situation bei der Besichtigung und in der Qualifikation haben wir mit Humor genommen. Solche Dinge passieren normalerweise nicht, aber sie haben uns nicht aus dem Konzept gebracht“, so der mehrfache Weltmeister. Mit Blick auf den bevorstehenden Heim-Weltcup zeigt sich der Dominator seiner Klasse optimistisch: „Ich war mir nicht sicher, wo ich aktuell stehe, aber die heutige Leistung zeigt mir, dass ich im Wettkampfmodus bin. Ich fühle mich gut vorbereitet und freue mich auf Innsbruck.“
Weitere österreichische Meistertitel gingen an Daniel Wiener (RP2) sowie an Daniel Teufl, der in der stark besetzten Klasse RP1 als bester Österreicher Rang drei erreichte. Roland Köchl (B2) und Nachwuchshoffnung Antonius Herzog (AU2) sorgten ebenfalls für starke heimische Ergebnisse.
Positives Signal für den Heim-Weltcup
Auch bei den Frauen präsentierten sich Österreichs Aushängeschilder in ausgezeichneter Form. Jasmin Plank sicherte sich in der Klasse RP2 souverän den Staatsmeistertitel und setzte damit ein wichtiges Ausrufezeichen vor dem Heim-Weltcup. Linda Le Bon gewann die Klasse B2 und unterstrich ebenfalls ihre Ambitionen für die kommenden internationalen Aufgaben.
„Mich hat extrem gefreut, dass wieder so viele Athlet:innen am Start waren und die Community weiter wächst. Vor allem die Atmosphäre im Rahmen der Sport Austria Finals war etwas ganz Besonderes“, sagt Plank. Die Tirolerin nutzte den Wettkampf gleichzeitig als Belastungstest nach einer Schulterverletzung: „Für mich war das heute ein Probelauf vor dem Heim-Weltcup. Ich bin sehr glücklich, dass meine Schulter deutlich besser gehalten hat als erwartet. Dass ich trotz der Verletzung einen so großen Vorsprung herausklettern konnte, gibt mir für Innsbruck ein richtig gutes Gefühl.“
Neben den etablierten Namen machten auch zahlreiche neue Gesichter auf sich aufmerksam. Die steigenden Teilnehmer:innenzahlen und die starke internationale Beteiligung zeigen eindrucksvoll, dass sich Paraclimbing in Österreich weiterhin dynamisch entwickelt. Die Staatsmeisterschaften in Wien lieferten damit nicht nur spannende Titelentscheidungen, sondern auch vielversprechende Perspektiven für die Zukunft.
