Döller: “Wir haben in Wien den Turbo gezündet!”
Daniel Döller, Projektleiter der Sport Austria Finals, zieht nach der Finals-Premiere in Wien eine äußerst positive Bilanz.
Im Interview spricht er über die besondere Kraft des Rathausplatzes, neue Maßstäbe für die Inszenierung des Sports und jene Momente, die bei ihm für Gänsehaut sorgten.
Daniel, wie fällt deine Bilanz nach dieser Finals-Woche aus?
Wir haben es uns genau so gewünscht. Man plant sehr viel – und wenn man dann sieht, dass diese Planung aufgeht und wie begeistert die Menschen sind, ist das unbeschreiblich. Genau dafür machen wir die Finals: Wir wollen den Sport zu den Menschen bringen. Mit dem Rathausplatz ist uns das mehr als gelungen.
Der Rathausplatz war eine Erfolgsgeschichte. Wo gibt es dennoch Verbesserungspotenzial?
Verbessern kann man immer etwas. Wir möchten künftig noch mehr Sport auf den Rathausplatz bringen, die Arenen vergrößern und das Programm ausweiten. Teilweise waren wir bereits am Kapazitätslimit. Beim Gewichtheben standen die Menschen links und rechts neben der Arena, um überhaupt noch etwas sehen zu können.
Der Rathausplatz bietet die Möglichkeit, den ganzen Tag bis in die Abendstunden hinein Sport zu präsentieren. Dieses Potenzial möchten wir noch stärker nutzen und den Platz noch mehr zu einem echten Sportplatz machen.
Wurden deine Erwartungen erfüllt oder sogar übertroffen?
Wenn ich das Feedback der Verbände und vor allem der Athletinnen und Athleten betrachte, wurden die Erwartungen deutlich übertroffen. Viele Sportarten treten normalerweise nie unter freiem Himmel an. Beim Judo war dieses Open-Air-Setting beispielsweise eine völlig neue Erfahrung.
Gleichzeitig haben die Sportarten gesehen, was dadurch möglich wird: Menschen kommen zufällig vorbei, bleiben stehen und entdecken einen Sport, mit dem sie zuvor noch nie in Berührung gekommen sind. Genau das wollen wir erreichen.
Das Ziel, den Sport zu den Menschen zu bringen, ist also aufgegangen?
Absolut. Der Wiener Rathausplatz besitzt eine ganz besondere Kraft und ist einer der schönsten Plätze Österreichs. Einen solchen Ort mit diesem Volumen zu bespielen, ist allerdings eine große Aufgabe.
Wir hatten dort drei Wettkampfarenen, eine zusätzliche Aufwärmarena und ein Zelt, in dem etwa die Fechtbewerbe wettergeschützt stattfinden konnten. Dennoch gibt es noch viel Potenzial. Ich hoffe sehr, dass wir erneut die Gelegenheit bekommen, die Sport Austria Finals in Wien und am Rathausplatz auszutragen.
So viele Sportarten wie noch nie, verteilt über eine Millionenstadt: Wie groß war die organisatorische Herausforderung?
Sie war gewaltig. Jeder, der schon einmal eine Veranstaltung an nur einem Standort organisiert hat, weiß, wie aufwendig das ist. Bei uns waren es 31 Sportstätten und zusätzlich der Rathausplatz. Gerade dort gibt es besondere technische Anforderungen, Vorgaben zur Bodenbeschaffenheit und zahlreiche behördliche Wege.
Beim ersten Mal ist das besonders aufwendig, weil man die Abläufe und Anforderungen noch nicht genau kennt. Diese Wege sind wir nun gegangen. Bei einer weiteren Austragung könnten wir auf diesen Erfahrungen aufbauen und gezielt Verbesserungen einbringen.
Für unser kompaktes Team war das eine große Herausforderung. Entscheidend war, dass wir mit langjährigen Partnern zusammenarbeiten, die gemeinsam mit unserem Team zu einer Einheit geworden sind. Nur dadurch konnten wir eine Aufgabe dieser Größenordnung bewältigen.
Wie hast du die Zusammenarbeit mit der Stadt Wien erlebt?
Sehr positiv und kooperativ. Die Stadt Wien hat uns am Rathausplatz ein Setting ermöglicht, das wir aus eigenen Mitteln in dieser Form nur schwer hätten umsetzen können. Dafür sind wir sehr dankbar.
Der Rathausplatz ist nur an sehr wenigen Tagen im Jahr frei. Dort einen Termin zu bekommen, ist keine Selbstverständlichkeit. Deshalb gilt mein großer Dank der Stadt Wien, die den Mut hatte, die Sport Austria Finals in die Bundeshauptstadt zu holen.
Rund 7.500 Athletinnen und Athleten waren in diesen Tagen dabei, dazu kamen Tausende Zuschauerinnen und Zuschauer am Rathausplatz. Ich glaube, wir konnten damit auch ein wichtiges Ziel der Stadt erfüllen: Wien als Sportstadt sichtbar zu machen und den Sport direkt zur Bevölkerung zu bringen.
Dabei geht es nicht nur um Spitzensport. Auch Nachwuchs- und Breitensport bekamen eine große Bühne, etwa beim Triathlon in der Seestadt. Dort treten schließlich die Athletinnen und Athleten von morgen an.
Kann man Wien als Austragungsort überhaupt noch toppen?
Ich weiß nicht, ob man Wien toppen muss. Wien hat vor allem gezeigt, was möglich ist. Die Verbände konnten sehen, wie man Menschen begeistert, welches Setting es dafür braucht und wie eine Sportveranstaltung emotional inszeniert werden kann.
Es geht nicht nur um eine technisch einwandfreie Abwicklung, sondern um Emotionen. Das haben wir in Wien bewiesen. Diese Idee kann aber auch in kleineren Städten und mit kleineren Settings funktionieren.
Wir haben eine Blaupause gefunden: Sportarten an einen zentralen Ort bringen, sie mit Side-Events, Bühnenshows und medialer Begleitung inszenieren und gemeinsam mit den Verbänden neue Wege gehen. Entscheidend ist daher nicht, ob wir Wien toppen, sondern ob wir diese Entwicklung fortführen und auch in anderen Landeshauptstädten Begeisterung entfachen können. Dafür war Wien ein Türöffner.
Welche konkreten Rückmeldungen habt ihr von den Sportverbänden und den Aktiven erhalten?
Die häufigste Rückmeldung war: „Damit habe ich nicht gerechnet. Ich habe noch nie erlebt, dass mein Sport so viel Aufmerksamkeit und so großen Zulauf bekommt.“ Ein schöneres Feedback können wir kaum erhalten, denn genau dafür gibt es die Finals.
Wir möchten den Sportarten in der Woche der Entscheidungen eine gemeinsame Bühne geben und ihre Attraktivität für die Bevölkerung sichtbar machen. Auch sportlich gab es beeindruckende Zahlen. Beim Triathlon in der Seestadt hatten wir allein bei den Sprint-Staatsmeisterschaften rund 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – ein Rekordfeld. Die Finals sind eine Plattform für Athletinnen, Athleten und Verbände. Dabei geht es neben medialer Berichterstattung vor allem darum, die Bevölkerung für Sport zu begeistern.
Warum ist diese Begeisterung aus deiner Sicht so wichtig?
Mein größtes Anliegen ist es, Kinder und Jugendliche zum Sport zu bringen. Dafür braucht es sogenannte Hero-Momente und Vorbilder – unabhängig davon, ob sie männlich oder weiblich sind. Kinder brauchen Motivation und ein Ziel, auf das sie hinarbeiten können. Das entsteht vor allem durch echte Emotionen.
Auf Instagram oder TikTok gibt es meist nur einen kurzen Reiz, der beim nächsten Video schon wieder verschwunden ist. Wer hingegen einen Wettkampf live erlebt, hört den Jubel, sieht einen entscheidenden Punkt oder einen gewonnenen Kampf und spürt die Emotionen unmittelbar. Solche Erlebnisse können Menschen langfristig für eine Sportart begeistern. Genau diese Hero-Momente wollten wir am Rathausplatz schaffen – und wir haben sie geliefert.
Kann man sagen, dass sich die Sport Austria Finals spätestens mit der Austragung in Wien endgültig etabliert haben?
Bei den Verbänden waren die Finals schon davor angekommen. In diesem Jahr waren rund 40 Verbände dabei – das sind etwa zwei Drittel aller österreichischen Sportverbände. Wien war aber der Turbo, den wir jetzt gezündet haben.
Die zusätzliche Wahrnehmung bei den Verbänden und die Begeisterung in der Bevölkerung waren enorm. In einer Stadt wie Wien, in der laufend große Sport- und Kulturveranstaltungen stattfinden, ist es keineswegs selbstverständlich, so viele Menschen auf den Rathausplatz zu bringen.
Die große Aufgabe besteht nun darin, diesen Schwung mitzunehmen. Ich hoffe auf ein weiteres Jahr in Wien. Wir haben gezeigt, welchen Beitrag die Finals für die Stadt und ihre sportlichen Ziele leisten können.
Für mich ist das noch lange nicht das Ende der Entwicklung. Wir sind durch eine neue Tür gegangen, die weitere Konzepte und neue Formen der Inszenierung ermöglicht.
Worauf bist du persönlich besonders stolz?
Aus sportlicher Sicht gab es mehrere Gänsehautmomente. Einer davon war der Staatsmeistertitel von Julia Hauser. Sie war bereits mehrfach bei Olympischen Spielen, hatte aber immer wieder großes Pech. Rund elf Monate nach einem schweren Radsturz gewann sie erstmals den Staatsmeistertitel über die Sprintdistanz. Sie ist in ihrer Bewegungsfreiheit noch immer eingeschränkt, vor allem auf dem Rad. Ihren Zieleinlauf live mitzuerleben, war für mich sehr emotional.
Auch das Gewichtheben hat mich begeistert. Die Sportart hat in Wien bisher nur wenig öffentliche Präsenz, und ich hoffe, dass dieser Auftritt ein Initialzünder war.
Beim 3×3-Basketball gab es einen Buzzerbeater in der Verlängerung – mehr Dramatik kann man sich als Sportfan kaum wünschen. Besonders beeindruckt hat mich auch das Fechten. Ich hatte diese Sportart zuvor noch nie live gesehen. Die Energie und die Schreie nach jedem Punkt haben bei mir für Gänsehaut gesorgt.
Am wichtigsten ist für mich aber das Menschliche. Die Zusammenarbeit innerhalb unseres Teams, mit dem Medienteam sowie mit den Athletinnen und Athleten war hervorragend. Viele dieser Menschen trainieren unglaublich viel, investieren Schweiß und Tränen und erhalten trotzdem nur selten eine große mediale Bühne.
Wir konnten dazu beitragen, dass diese Menschen gesehen und ihre Leistungen anerkannt werden. Wenn wir mit den Finals das eine oder andere Leben positiv beeinflusst und Menschen zu neuen sportlichen Zielen motiviert haben, dann ist das für mich der größte Erfolg.
