Raus aus dem Schatten!

Wann, wenn nicht jetzt!

Nach dem sensationellen Weltmeistertitel in Orlando will der Österreichische Cheerleading & Performance Cheer Verband, kurz ÖCCV, den WM-Schwung mitnehmen und endlich jene Anerkennung bekommen, die diese Sportart längst verdient hätte.

ÖCCV-Präsidentin Julia Harrer erklärt im Interview, welche Unterstützung der Verband bräuchte, wie sie mit der Entwicklung des Cheerleading zufrieden ist und was sie sich von den Sport Austria Finals 2022 erwartet.

Julia, war der WM-Titel absehbar oder kam das wirklich völlig überraschend?

Julia Harrer: Das war doch sehr überraschend. Nach der Qualifikation hatten wir zwar ein gutes Gefühl, aber du weißt nie, wie es dann im Wettkampf läuft. Außerdem waren auf Grund von Corona zwei Jahre keine internationalen Bewerbe, das heißt, wir wussten nicht, wo wir genau stehen.

Was war letztlich ausschlaggebend für den Erfolg?

Harrer: Wir waren wirklich gut vorbereitet, wenngleich die Vorbereitungszeit aufgrund der Corona-Bestimmungen mühsam war. Unsere Athletinnen sind in ganz Österreich verteilt und da die Anreise und die Trainings zu organisieren, war schon ein Kraftakt.

Ein Kraftakt ist sicherlich auch, dass sich die Athletinnen die Reise selbst zahlen mussten, oder?

Harrer: Ja, das ist für unsere Athletinnen eine sehr große Herausforderung. Die WM findet jährlich und immer in Orlando statt. Diese Kosten fallen daher jedes Jahr an. Wir versuchen alles, was in unserer Macht steht, damit jeder mitfahren kann. Manchmal können wir Sponsoren gewinnen, die etwas beisteuern. Aber der Preis schreckt sicher viele ab, um sich überhaupt für das Nationalteam zu bewerben.

Welche positiven, vor allem nachhaltigen, Auswirkungen könnte dieser Erfolg haben?

Harrer: Wir hoffen schon, dass wir diesen Rückenwind – auch von der medialen Seite – gut nützen können und einen Push kriegen. Wir wollen, dass unsere Sportart die verdiente Anerkennung bekommt.

Das war jetzt quasi die B-WM, nächstes Jahr dürft ihr bei der A-WM starten, oder?

Harrer: Genau. Wir steigen jetzt auf und treten nächstes Jahr gegen Top-Nationen wie Finnland, USA, Deutschland oder Kanada an.

ÖCCV-Präsidentin Julia Harrer hofft darauf, dass Cheerleading die verdiente Anerkennung bekommt.

Wo steht Österreich im Vergleich zu den Top-Nationen?

Harrer: Das kann ich noch schwer abschätzen, da erst im September die finalen Nationalteams für 2023 zusammengestellt werden. Aber wir werden sicherlich eine gute Figur abgeben.

Wann und wie bist du eigentlich das erste Mal mit Cheerleading in Berührung gekommen?

Harrer: Das war vor über 20 Jahren. Ich bin aus Graz und war selbst viele Jahre bei den Graz Giants aktiv Dass ich dann mal in die Funktionärs-Ebene kommen werde, war aber nie klar. Das hat sich ergeben. Seit zwei Jahren bin ich nun Präsidentin des Verbandes.

Cheerleading wird für den Otto Normalverbraucher wohl immer als Begleiterscheinung des US-Sports assoziiert werden. Wie würdest du Cheerleading beschreiben?

Harrer: Wir sind absolut im Spitzensport tätig und trainieren 3-5-mal die Woche, um für die Wettkämpfe bestmöglich vorbereitet zu sein. Die Athletinnen und Athleten leisten dahingehend enorm viel. In Österreich gibt es mittlerweile auch schon seit über 15 Jahren professionelle Wettkämpfe, das heißt, es passiert bei uns einiges.

Was ist die Vision des ÖCCV?

Harrer: Die Olympischen Spiele 2028 sind natürlich das große Ziel. Es wäre ein Wahnsinn, wenn wir dort teilnehmen könnten! Der Weltverband hat Jahre dafür gekämpft, dass die Sportart anerkannt wird. Das ist nun endlich passiert. Für Österreich haben wir das gleiche Ziel: Wir wollen, dass die Sportart anerkannt wird, damit wir den Athletinnen und Athleten mehr Möglichkeiten bieten können. Da haben wir schon noch sehr viel Luft nach oben.

Wie sind da aktuell die Signale aus der Politik?

Harrer: Wir sehen auf jeden Fall positive Signale und großes Interesse. Aber der WM-Titel ist noch relativ frisch, daher kann ich den weiteren Verlauf noch schwer einschätzen. Wir wollen den Schwung jedenfalls mitnehmen, alle Termine wahrnehmen und aus dem Erfolg etwas machen.

Wie bist du mit der Entwicklung zufrieden?

Harrer: Wir haben zum Glück die Corona-Zeit gut überstanden und kaum Athletinnen verloren. Auch in dieser schweren Zeit haben sich unsere Vereine weiterentwickelt – das Leistungs-Niveau ist wirklich gut!

In wenigen Wochen beginnt die zweite Auflage der Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz. Was ist von der Premiere 2021 hängengeblieben?

Harrer: Die Vorbereitungen waren wegen Corona natürlich schon sehr aufwändig für uns, da wir über 1.000 Athletinnen und Athleten sind. Das in dieser Phase abzuwickeln, war nicht gerade leicht. Aber es war eine super Veranstaltung und wir haben das Beste daraus gemacht. Schade war natürlich, dass kaum Publikum zugelassen war.

Was sind die Erwartungen für 2022?

Harrer: Wir rechnen mit vollem Haus im Merkur-Stadion! (lacht) Es ist eine tolle Location, die uns ermöglicht, uns vor großem Publikum zu zeigen.

Wir danken sehr herzlich für das Gespräch!

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