Hochzeitstag im Schwimmbad: Ernhofer peilt Weltrekord an
Manche verbringen ihren Hochzeitstag bei einem romantischen Abendessen. Andreas Ernhofer wird versuchen, einen Weltrekord zu schwimmen. Wenn die Sport Austria Finals von 3. bis 7. Juni erstmals nach Wien kommen, feiert auch Para-Schwimmen seine Premiere bei Österreichs größter Multisportveranstaltung. Mittendrin: Andreas Ernhofer. Zweifacher Paralympics-Teilnehmer, Weltrekordhalter und einer der erfolgreichsten Para-Schwimmer des Landes. Für ihn könnten die Bewerbe im Floridsdorfer Bad kaum mehr Bedeutung haben. Denn dort, wo heute um Staatsmeistertitel und Bestzeiten geschwommen wird, hat für Ernhofer einst alles begonnen.
Weltrekordjagd statt Candle-Light-Dinner
Der Samstag der Sport Austria Finals ist für Ernhofer ein ganz besonderer Tag: Gemeinsam mit seiner Frau feiert er den ersten Hochzeitstag. Statt Restaurantbesuch und romantischem Abendprogramm steht allerdings Wettkampfmodus auf dem Programm. Für den Niederösterreicher ist das alles andere als ein Problem. „Irgendwie ist es stimmig, dass wir den Hochzeitstag gemeinsam in der Schwimmhalle verbringen“, sagt er.
Dass das möglich ist, verdankt er auch der Unterstützung seiner Frau, die ihn regelmäßig zu Wettkämpfen und Trainingslagern begleitet. „Sie akzeptiert meinen Sport nicht nur, sondern unterstützt mich wahnsinnig. Sie ist bei fast allen Wettkämpfen dabei und meine unmittelbare Betreuerin.“
Passend zu diesem besonderen Anlass hat sich Ernhofer ein außergewöhnliches Ziel gesetzt. Über 100 Meter Rücken will er einen offiziellen Weltrekordversuch starten. Die Bestmarke hat er bereits einmal unterboten, damals wurde die Leistung aufgrund fehlender formaler Voraussetzungen jedoch nicht anerkannt. „Jetzt möchte ich das unbedingt offiziell schaffen“, betont der Para-Schwimmer. Die Voraussetzungen dafür werden bei den Sport Austria Finals erstmals vollständig gegeben sein.
Zurück an den Anfang
Dass die Bewerbe ausgerechnet im Floridsdorfer Bad stattfinden, verleiht dem Wochenende zusätzliche Bedeutung. Denn genau dort begann einst seine Karriere. An seinen ersten Wettkampf erinnert sich Ernhofer noch heute genau: „Ich bin damals Vorletzter geworden und war wahnsinnig stolz, nicht Letzter zu sein.“
Was auf den ersten Blick unscheinbar klingt, wurde zum Wendepunkt. Die Freude am Wettkampf war so groß, dass der junge Schwimmer beschloss, seinen Weg im Leistungssport weiterzugehen. „Das war damals der Grundstein meiner Karriere. Es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich gesagt habe: Ich möchte trainieren und schauen, wie weit ich es treiben kann.“ Wie weit ihn dieser Weg führen würde, hätte er damals selbst nicht geglaubt. Zwei Paralympics-Teilnahmen, Weltrekorde und zahlreiche internationale Großereignisse später kehrt Ernhofer nun an jenen Ort zurück, an dem alles begann. „Dass ich jetzt wieder in Floridsdorf schwimmen darf, ist schon etwas ganz Besonderes für mich.“
Der Traum von Los Angeles
So emotional die Rückkehr nach Floridsdorf auch ist – der Blick richtet sich längst in die Zukunft. Die Paralymischen Spiele 2028 in Los Angeles sind das große Ziel des Niederösterreichers und begleiten ihn nahezu täglich. „Los Angeles ist für mich natürlich das ganz große Ziel“, sagt Ernhofer. „Ich habe schon hundertmal davon geträumt, wie ich dort schwimme und um Medaillen kämpfe.“
Die Voraussetzungen dafür stimmen. Ein Trainingsaufenthalt mit dem australischen Nationalteam, neue persönliche Bestleistungen und internationale Medaillenerfolge haben das laufende Jahr bereits zu einem erfolgreichen gemacht. Gleichzeitig weiß Ernhofer, dass bis Los Angeles noch viel Arbeit vor ihm liegt.
Die Motivation dafür ist allerdings größer denn je. „Ich möchte dort nicht nur dabei sein, sondern wirklich um die Medaillen mitschwimmen und im besten Fall eine gewinnen.“ Die Sport Austria Finals sind für ihn dabei weit mehr als nur eine Staatsmeisterschaft – sie sind ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu seinem größten Traum.
