Vom Kaffeehaus auf die große Bühne
Wer an Billard denkt, hat meist sofort Tische mit sechs Löchern vor Augen. Pool, Snooker, versenkte Kugeln. Doch bei den Sport Austria Finals powered by Österreichische Lotterien feiert eine Disziplin Premiere, die selbst viele Billardfans noch nie live gesehen haben: Karambol.
Gespielt wird auf Tischen ohne Löcher, mit nur drei Bällen – und mit einer gehörigen Portion Präzision, Geduld und Nervenstärke. „Viele kennen Billard nur mit Löchern, wie beim Snooker oder Pool. Karambol ist aber die traditionsreichste Form unseres Sports, die erste, die in Österreich gespielt wurde“, erklärt Andreas Felser, Präsident der Österreichischen Billardunion, mehrfacher Staatsmeister und selbst Teilnehmer bei den Finals.
Dabei ist Karambol alles andere als eine neue Erfindung. Im Gegenteil. Lange bevor Poolhallen das Bild prägten, gehörten Karambol-Tische zur Ausstattung zahlreicher Kaffeehäuser. „Es hat eigentlich kein Kaffeehaus gegeben, in dem nicht zwei, drei oder vier Billardtische gestanden sind“, erzählt Felser. Heute ist davon nur noch wenig übrig geblieben. Wirtschaftliche Gründe hätten den Sport zunehmend aus dem öffentlichen Raum verdrängt. „Mit einem Pooltisch versammelst du Jugendliche, die trinken, essen und konsumieren. Beim Karambol bestellt man ein Getränk, konzentriert sich sich zwei oder drei Stunden lang auf das Spiel – das rechnet sich für viele Lokale einfach nicht.“
Genau deshalb ist die Premiere bei den Sport Austria Finals für die Karambol-Community eine besondere Chance. „Wir wollen zeigen, dass es nicht nur die Tische mit den Löchern gibt“, sagt Felser. „Viele Kinder kommen zu uns und fragen: ,Habt ihr auch die richtigen Tische?‘ Gemeint sind die mit den sechs Löchern. Sobald sie aber selbst spielen, merken sie schnell, wie faszinierend Karambol ist.“
Faszinierend ist vor allem die Herausforderung. Ziel ist es, mit dem eigenen Spielball nacheinander die beiden anderen Kugeln zu treffen und so Punkte zu erzielen. Klingt einfach, verlangt aber höchste Präzision. Winkel, Effet, Geschwindigkeit und taktisches Denken müssen perfekt zusammenspielen. Für Felser ist deshalb klar: „Präzisionssportarten sind vielleicht ruhiger, aber sie fordern Körper und Geist enorm. Die neurologischen Herausforderungen sind gewaltig.“
Ein weiterer Reiz liegt in der Langlebigkeit des Sports. Während viele Athletinnen und Athleten in anderen Disziplinen früh ihre Karriere beenden, bleiben Karambol-Spieler oft bis weit über das 50. Lebensjahr hinaus auf höchstem Niveau konkurrenzfähig. „Da kommen Erfahrung, Ruhe und Nervenstärke dazu. Das sind in unserem Sport ganz entscheidende Faktoren.“
Ausgetragen wird bei den Sport Austria Finals ein Team-Biathlon, eine Kombination aus zwei völlig unterschiedlichen Karambol-Disziplinen. Jeweils zwei Spieler bilden ein Team, wobei zunächst Dreiband und anschließend Kegelbillard gespielt wird. Das Besondere: Frauen und Männer treten gemeinsam an. Mehrere Staatsmeister und Landesmeister werden dabei um den Titel kämpfen.
Mitten drin steht auch Felser selbst. Der elfache Staatsmeister wird gemeinsam mit seinem Partner Andreas Effler auf Titeljagd gehen. Nach Platz zwei im Vorjahr soll diesmal wieder Gold her. Noch wichtiger als das Ergebnis ist für ihn allerdings die Bühne, die die Sport Austria Finals seinem Sport bieten.
Denn vielleicht wird am Ende des Wochenendes genau das passieren, was Felser sich erhofft: Dass möglichst viele Besucherinnen und Besucher zum ersten Mal einen Billardtisch ohne Löcher sehen – und überrascht feststellen, wie spannend Karambol sein kann.
