Hauser: “Aufhören war für mich nie eine Option!”
Dass Julia Hauser nach ihrem Horror-Unfall nur wenige Monate danach wieder bei einem Triathlon-Bewerb an den Start ging, grenzt an ein Wunder.
Die Wienerin zog sich vergangenes Jahr im Juli bei einem Frontalzusammenstoß auf der Donauinsel ein Schädel-Hirn-Trauma sowie Frakturen an Rippen, Schambein und Schlüsselbein zu.
Trotzdem war für Hauser schnell klar: So will sie nicht aufhören! “Das war keine Option für mich”, sagt die 32-Jährige heute.
Im Interview erklärt Hauser, welche Einschränkungen sie noch hat, warum sie trotzdem an ihrem großen Ziel festhält und wie sie das Heimspiel bei den Sport Austria Finals 2026 powered by Österreichische Lotterien angeht.
Julia, die wichtigste Frage: Wie geht es dir?
Julia Hauser: Eigentlich ganz gut. Ich bin recht zufrieden mit meiner gesundheitlichen Entwicklung. Jetzt muss man sehen, wie ich auf die Rennsituationen in den kommenden Monaten reagiere. Fitnesstechnisch bin ich schon wieder auf rund 80 Prozent. Leider habe ich noch Probleme mit meinem Nacken – ich schaffe es noch nicht, dass ich meinen Kopf ganz nach links oder rechts drehe. Das schränkt mich schon ein und hindert mich daran, dass ich ans Maximale gehe.
Wie sehr beeinflusst das dein Training?
Jetzt geht es schon merklich bergauf. Aber ich hatte schon Phasen, wo ich das Training nicht wirklich durchziehen konnte, weil ich Kopfschmerzen bekommen habe. Ich konnte die Belastungen nicht so machen, wie ich es gerne gehabt hätte.
Im März hast du beim Afrika Cup dein Renn-Comeback gegeben: Wie war die Rückkehr ins Renngeschehen?
Es war irrsinnig cool. Meine Verletzung war sehr schwer, deshalb war ich beim Aufbau einfach dankbar, dass mein Körper weiterhin so leistet. Ich konnte es richtig genießen. Ich war vor dem Afrika Cup schon in Namibia, wo ich meinen Trainer zum ersten Mal wieder gesehen habe. Er war schon schockiert, als er gesehen hat, wie steif ich im Nacken noch bin. Aber ich wollte den Afrika Cup trotzdem bestreiten und bin ohne Druck, dafür mit ganz viel Freude ins Rennen gegangen. Es ist dann wirklich gut gelaufen, obwohl mir nach dem Schwimmen schon etwas schwindlig war. Ich konnte auch nicht so gut Radfahren, weil ich nicht wirklich in die Kurven reinschauen konnte. Der dritte Platz war dann mega!
Grenzt es nicht eher an ein Wunder, dass du ein paar Monate nach deinem Unfall wieder am Start stehen konntest?
Ja, voll. Für mich war die größte Motivation, dass ich schauen wollte, was mein Körper noch imstande ist zu leisten. Ich bin dankbar, dass ich wieder auf zwei Beine stehen darf und dass mein Körper sehr viel kann. Wie weit er mich noch bringt, werde ich sehen.
Wie hast du den Unfall generell verarbeitet? Bist du speziell beim Radfahren vorsichtiger?
Mein Glück ist, dass ich vom Unfall nichts mehr weiß. Deswegen beschäftigt es mich im Alltag wenig. Als ich das erste Mal wieder aufs Rad gestiegen bin, hatte ich null Angst. Das Einzige, das mich seitdem innerlich aufregt, ist, wenn ich Leute sehe, die nicht rechts fahren.
Wann war für dich in der Reha klar, dass du wieder in den Spitzensport zurückkehren möchtest und kannst?
Eigentlich gleich nach dem Unfall. Für mich war schnell klar, dass ich es wieder versuchen möchte. Gerade im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Aufhören war für mich nie eine Option! Es war anfangs schon hart, weil ich mir mal einen Alltag schaffen musste. Da hat mir der Sport sehr geholfen. Es ist dann stetig bergauf gegangen und ich konnte schnell viele Fortschritte sehen. Deswegen ist LA weiterhin mein großes Ziel!
Wie sieht dein Plan für die kommende Monate aus?
Ich starte am 14. Juni beim Weltcup in Mexiko und am 19. Juli in Edmonton. Dann fahre ich auf Trainingslager nach St. Moritz. Das Ende der Saison ist noch etwas offen, weil es da sehr viele Rennen gibt. Mein Kalender wird jedenfalls sehr voll. Ich muss auch schauen, wie ich die ganzen Reisen und Rennen vertrage.
Diese Woche ist deine Anreise sehr kurz, da du bei den Sport Austria Finals 2026 in Wien am Start stehst: Wie sehr freust du dich auf dein Heimspiel?
Ich freue mich schon irrsinnig darauf. Dass ich Triathlon überhaupt noch machen darf und die Staatsmeisterschaften ausgerechnet in Wien stattfinden, ist ein großes Geschenk für mich. Es wird sicher ein megacooles Event mit vielen Zuschauer:innen! Ich spüre sehr wenig Druck, weil ich eh nur das machen kann, was mein Körper zulässt. Für mich ist jeder Wettkampf ein Herantasten. Aber ich habe ein gutes Gefühl, sonst würde ich nicht am Start stehen.
