„Wiener Derby“ à la Rollsport Austria
Wenn von 3. bis 7. Juni die Sport Austria Finals powered by Österreichische Lotterien erstmals in Wien stattfinden, feiert auch eine der außergewöhnlichsten Sportarten des Landes ihre Premiere bei Österreichs größter Multisportveranstaltung: Roller Derby. In der AHS Theodor Kramer wird es laut, schnell und körperbetont – irgendwo zwischen Vollkontaktsport, Subkultur und Show.
Wer Roller Derby zum ersten Mal sieht, weiß oft nicht genau, wohin er oder sie zuerst schauen soll. Auf der ovalen Bahn rasen Spieler:innen auf Rollschuhen gegeneinander, es wird geblockt, geschoben und taktiert. Mittendrin: die sogenannte „Jammerin“, erkennbar am Stern auf dem Helm. Sie ist die einzige Person, die Punkte erzielen kann – indem sie sich durch das gegnerische Feld kämpft und Gegenspielerinnen überrundet. Klingt chaotisch? Ist es manchmal auch. Und genau das macht den Reiz aus. „Je mehr man sich auskennt, desto cooler wird es zum Zuschauen, weil man dann die Strategien erkennt“, erklärt Roller-Derby-Referentin Catrin Freundlinger. „Es ist eine unglaublich schnelle Sportart mit extrem viel Action.“
Doch Roller Derby ist weit mehr als nur harte Hits auf Rollschuhen. Die Szene lebt von ihrer Offenheit, Kreativität und ihrem Gemeinschaftsgefühl. Fast alle Athlet:innen treten unter sogenannten Derby-Namen an – kunstvolle Alter Egos irgendwo zwischen Punkrock, Popkultur und Wortspiel. Dazu kommen selbst gestaltete Outfits, lautstarke Fans und eine Atmosphäre, die eher an ein Underground-Event als an eine klassische Sporthalle erinnert.
„Roller Derby ist nicht nur eine Sportart, sondern auch eine gewisse Lebenskultur“, sagt Rollsport-Austria-Präsident Andreas Freiberger. „Wenn man bei einer Roller-Derby-Veranstaltung ist, merkt man sofort: Diese Offenheit wird dort wirklich gelebt.“
Denn die Community versteht sich bewusst inklusiv. Bei den vorrangigen FLINTA-Teams sind trans- und nicht-binäre Personen selbstverständlicher Teil des Sports. „Bei uns dürfen grundsätzlich alle Personen mitmachen, die sich nicht als cis-männlich identifizieren“, erklärt Freundlinger. Gleichzeitig organisieren viele Teams ihre Events, Vereinsstrukturen und sogar Teile des Schiedsrichterwesens selbst – getragen von ehrenamtlichem Herzblut.
Für die Sport Austria Finals ist die Wien-Premiere deshalb die perfekte Bühne. „Wir haben die Finals als großartige Chance gesehen, unseren Sport bekannter zu machen“, sagt Freundlinger. „Wir lieben diesen Sport und wollen diese Begeisterung weitertragen.“
Auch Freiberger sieht enormes Potenzial: „Roller Derby ist körperbetont, hat unglaublich viel Energie und wahrscheinlich die stärksten Show-Elemente aller Sportarten, die wir im Verband haben.“
Und genau das dürfte die Zuschauer:innen in der AHS Theodor Kramer erwarten: schnelle Jams, harte Blocks, kreative Derby-Namen und eine Szene, die Sport ganz bewusst anders denkt. Oder anders gesagt: ein „Wiener Derby“ der etwas anderen Art.
