NFL-Boost bei den Finals, dann Fokus auf Olympia
Wohl kaum eine Sportart hat einen steileren Höhenflug hinter sich. Vor einigen Jahren noch eine Nische des American Footballs, feiert Flag Football 2028 in Los Angeles seine Olympia-Premiere. Österreichs Nationalteams der Damen und Herren zählen weltweit zu den Top-Nationen, entsprechend groß sind die Erwartungen. Auf dem Weg zu den Olympischen Spielen stehen jedoch noch einige Highlights auf dem Programm. Eines davon steht unmittelbar bevor: Die Sport Austria Finals powered by Österreichische Lotterien. Und die dürfen sich auch auf einen Besuch des Super-Bowl-Champions Seattle Seahawks freuen.
Im Vorjahr feierte Flag Football die Premiere bei der „Woche der Entscheidungen“, als sich die Vienna Constables in Innsbruck in einem packenden Finale gegen die Domzale Tigers aus Slowenien den Titel der Flag Liga Ladies sicherten. Ein Jahr später sind in Wien auch die Herren mit dem Final-Wochenende der Flag Liga Austria am Start, es fallen also gleich zwei Titel-Entscheidungen.
„Die Idee der Sport Austria Finals finden wir als Verband und ich persönlich schon immer sehr gut, aufgrund des Liga-Spielplans war es in den Jahren zuvor leider schwierig für uns. Mit den Damen haben wir es im Vorjahr versucht und wurden bestätigt, wir haben viel positives Feedback erhalten. Deswegen freuen wir uns sehr, dass diesmal Damen und Herren um die Titel kämpfen“, sagt AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck.
So gut wie alle Nationalteam-Spieler:innen sind bei Vereinen in Österreich aktiv, entsprechend hoch ist das Niveau in den Ligen. Für die Flag-Football-Nationalteams wird es im August ernst, wenn es bei der WM in Düsseldorf um die ersten Tickets für die Olympischen Spiele Los Angeles 2028 geht. Eschlböck: „Das Ziel Olympia haben wir klar definiert. Wir wissen, dass die anderen nicht schlafen und einige große Nationen ganz andere Möglichkeiten haben. Aber wir unternehmen in allen Bereichen alles, wir reizen alles aus. Wir zählen bei Damen und Herren zu den Top-Nationen und wollen uns im Idealfall bei der ersten Möglichkeit für Los Angeles qualifizieren.“
NFL-Boost bei den Finals
Inzwischen ist auch die National Football League (NFL), die bekannteste und beste Football-Liga der Welt, auf Flag Football aufmerksam geworden. Der globale Markt wurde aufgeteilt, verschiedene Teams dürfen in ihren zugeordneten Ländern auftreten und werben. So kommt es bei den Finals zu hohem Besuch: Die Seattle Seahawks, amtierender Super-Bowl-Champion, senden eine Abordnung nach Wien.
Am 3. Juni, dem Eröffnungstag der Sport Austria Finals powered by Österreichische Lotterien, findet im Footballzentrum Ravelin erstmals ein Flag-Football-Camp mit einem NFL-Team statt. NFL-Legende Mack Strong wird dabei sein, wenn hunderte Kinder und Jugendliche Flag Football kennenlernen, auch bei der Eröffnungsfeier am Rathausplatz schauen die Seahawks vorbei. Zudem wird die NFL-Abordnung aus Seattle auch am 6. Juni im UNION Trendsportzentrum Prater präsent sein.
Der Leitwolf will mehr
Den kometenhaften Aufstieg hautnah miterlebt hat Sebastian Wolf. Der Defensivspieler ist einer der Routiniers im Nationalteam und Leitfigur von Titelverteidiger Vienna Vipers. „Ich habe 2005 mit Flag Football begonnen – wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass wir bei Olympischen Spielen dabei sind, hätte ich ihn wohl ausgelacht. Jetzt könnte dieser Traum tatsächlich Realität werden. In diesen 20 Jahren hat sich enorm viel getan, der Verband arbeitet professionell und ermöglicht uns Vieles, auch in Sachen Förderung ist viel passiert, wir können zum Beispiel bei Leistungssport Austria trainieren. Es wird alles versucht, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen.“
Die Sport Austria Finals sind für Wolf eine wichtige Bühne: „Es ist für uns der nächste Schritt, bei diesem Multisport-Event dabei zu sein und uns zu präsentieren. Wir wollen noch mehr Leute ansprechen und zeigen, wie genial unser Sport ist.“ Seine Vipers treffen im Halbfinale auf die Honeybees aus Wien, im zweiten Semifinale spielen die St. Valentin Veterans gegen die DeLaSalle Saints.
“Gold oder gar nichts!”
Im Damen-Bereich hat Karoline Kugler die Entwicklung hautnah miterlebt. Sie ist seit zehn Jahren im Nationalteam gesetzt, war bei World Games am Start. Jetzt liegt der Fokus auf der Olympia-Qualifikation. „Die gestiegene Aufmerksamkeit freut uns sehr, das öffnet viele Türen. Trainingsmöglichkeiten, Sponsoring – das gab es früher so nicht. Aber man investiert auch sehr viel und verzichtet auf gewisse Dinge.“
Profis gibt es im Flag Football keine. Kugler ist Allgemein- und Sportmedizinerin sowie Notärztin und betreut seit 2023 bei Leistungssport Austria Spitzensportler:innen. Zudem trainiert auch sie mit den LSA-Expert:innen und wird in der Südstadt umfassend sportwissenschaftlich betreut. „Die Olympia-Chance sorgt auch für einen gewissen Druck bei einigen Spielerinnen. Ich denke positiv, der Weg ist das Ziel. Das alles mit diesen Leuten zu erleben, ist einzigartig.“
Die Finals stehen in diesem Jahr unter besonderen Vorzeichen. „In Wien können Familie und Freund:innen dabei sein, es wird sicher viel los sein. Schon letztes Jahr war es sehr cool, heuer wird es sicher noch einmal intensiver.“ Kugler spielt Wide Receiver, also Passempfängerin, und kann mit ihren Touchdowns den Unterschied ausmachen. Vor der laufenden Saison wechselte sie von der SG Amstetten Thunder/St. Valentin Veterans zu den DeLaSalle Saints Ladies. „Wir haben einen sehr guten Kader, unser klares Ziel ist der Titel. Gold oder gar nichts.“
Bei den Finals kommt es im Liga-Halbfinale zum Aufeinandertreffen mit dem Ex-Verein. Im zweiten Semifinale spielen die im Grunddurchgang ungeschlagenen Domzale Tigers Ladies gegen die Constables Ladies.
Flag Football als Chance für den Verband
Der schnelle Aufstieg zur Olympia-Sportart und die damit einhergehende Aufmerksamkeit stieß in Fachkreisen nicht nur auf Gegenliebe. Immer mehr Kinder und Jugendliche widmen sich Flag Football und nicht mehr der Tackle-Variante, die Flag-Vereine boomen, Football-Puristen fühlen sich benachteiligt.
„Ich sage immer so: Flag Football ist eine Chance für beide Varianten. Wir können durch Flag Football Kinder schon viel früher zum Football bringen, weil Fünfjährige nicht mit Helm aufeinander zulaufen sollen, aber sehr wohl werfen, fangen und laufen können. Es zeigt sich auch, dass in weiterer Folge viele Jugendliche zum Tackle-Football wechseln. Flag kann ein Hebel sein, um Breite zu generieren, und daraus entsteht bekanntlich die Spitze. Es ist also eine Win-Win-Situation“, stellt Eschlböck klar.
