Ausnahme-Turner Vinzenz Höck kehrt für die Sport Austria Finals nach Graz zurück. Im Interview spricht der 25-jährige Olympia-Kandidat über die Finals-Premiere, Faszination Ringe, spektakuläre Aufnahmen am Uhrturm und sein Markenzeichen.
Wie groß ist die Vorfreude auf die Finals in Graz? Vinzenz Höck: Riesig. Ich war bereits 2018 bei der ersten Multisport-Europameisterschaft in Glasglow und Edinburgh dabei. Die Stimmung war einzigartig, fast wie bei einem Festival. Hoffentlich gelingt es uns, nach Corona ein sportliches und begeisterndes Ausrufezeichen zu setzen.
Du sprichst die Begeisterung an – wie sehr sind die ZuschauerInnen in den letzten Monaten abgegangen? Höck: Natürlich freue ich mich darauf, endlich wieder einmal vor Fans zu turnen. Die Finals sind nicht nur für uns Sportlerinnen und Sportler sondern für Graz, die Steiermark und ganz Österreich wichtig zu zeigen: Schaut her, das Schlimmste ist vorbei – ein Sport-Fest dieser Größenordnung ist mit oder trotz Corona möglich.
Warum sollten Menschen, die noch nie beim Turnen waren, bei den Finals in die Halle kommen? Höck: Spektakel ist garantiert, vor allem wenn man noch nicht mit der Materie befasst ist. Das geht beim Einturnen los, wenn die Athletinnen und Athleten kreuz und quer durch die Halle fliegen und hört nicht auf – es ist also jedenfalls einen Besuch wert. Und ganz anders als Instagram oder YouTube …
Wie meinst du das? Höck: Es schwingt live in der Halle einfach so viel mehr mit als die reine Bewegung. Ich hoffe, dass wir den einen oder anderen begeistern können.
Du turnst international, hast 2020 EM-Silber an den Ringen gewonnen und darfst auf ein Olympia-Ticket hoffen. Welchen Stellenwert haben Staatsmeisterschaften für dich? Höck: Ich probiere immer, sie als das zu sehen, was sie sind: der größte nationale Wettkampf, den wir haben. 2019 in Graz habe ich meinen letzten Mehrkampf bestritten und wurde zum ersten Mal Staatsmeister. Ich habe nur gute Erinnerungen daran.
Die Goldmedaille wurde erst am letzten Gerät vergeben? Höck: Alexander Benda und ich haben uns ein packendes Duell um Gold geliefert, in dem am Ende 25 Hundertstelpunkte den Ausschlag gegeben haben. Der Wettkampf ist mir aber nicht nur deshalb in Erinnerung geblieben, es war auch das Rundherum. Die Stimmung, die Zuschauer und vor allem die vielen bekannten Gesichter auf den Tribünen im Sportpark.
Bei den Finals 2021 wirst du dich auf deine Spezialdisziplin konzentrieren. Was macht die Faszination Ringe für dich aus?
Höck (schmunzelt): Es ist das, was ich kann! Aber Spaß beiseite: Die Ringe sind sehr kraftbetont, die physische Kondition ist meine größte Stärke. Gleichzeitig verzeihen sie keine Fehler. Ein kurzer Wackler, eine kleine Unkonzentriertheit, das wird sofort bestraft. Aber ich werde bei den Finals auch das eine oder andere Gerät turnen, um mit dem Team Steiermark die Goldmedaille zu holen.
Kommen wir noch einmal zu den Ringen: was ist die Geschichte zu deinem Foto am Uhrturm? Höck: Das war eine einmalige Erfahrung, auch weil an diesem Tag alles gepasst hat. Wir hatten alle Bock drauf, das Wetter war top, es hat alles super geklappt und ich freue mich heute noch über die wirklich atemberaubenden Bilder.
Konntest du den Ausblick genießen? Höck: Ich habe ehrlich gesagt nicht probiert, zu viel nach links und rechts zu schauen. Aber einmal habe ich beim Rauffahren mit dem Kran probiert, die Aussicht zu genießen. Heute würde ich sagen: Ich habe es wahrgenommen.
So wie wir deinen Schnauzer, der ich schon lange begleitet. Wie ist es dazu gekommen? Höck: Meine Freundin hat mir gesagt: Mein Mann braucht einen Bart! Also habe ich mein Bestes gegeben, aber nicht mehr als einen Schnauzer zustande bekommen. Mittlerweile ist es ein Markenzeichen geworden und seit Corona sind Bärte sowieso voll in. Ich war also eigentlich Trendsetter!
Der Einstieg in den Olympic Qualifier hätte für Österreichs 3×3-Damen nicht besser laufen können: Nach zwei Siegen in zwei Spielen führen sie Gruppe D an. Gegen Taiwan und die Schweiz wurde die Pflicht erfüllt, nun soll gegen Italien und Spanien die Kür folgen. Damit das klappt, werden Österreichs „größte Töchter“ defensiv erneut eine Spitzenleistung bringen müssen.
Österreich vs. Italien
Während die Herren am Donnerstag ins Turnier starten, haben die Damen einen – verdienten – Pausentag. Dieser wird jedoch genützt, um bestmöglich für die restlichen Gruppenspiele am Freitag vorbereitet zu sein. Neben einer Trainingseinheit steht die Videoanalyse am Programm. Mit Italien und Spanien warten zwei absolute Basketballnationen und Favoriten auf das Olympiaticket. Nach dem ersten Spieltag kommt man aber auch nicht mehr darum herum, die Österreicherinnen zu dieser Gruppe zu zählen – und diese strotzen nur so vor Selbstvertrauen: „Wir würden nicht antreten, wenn wir nicht an Olympia glauben würden“, gibt sich Sarah Sagerer, eine der Top-Scorerinnen des bisherigen Turnierverlaufs, kämpferisch.
Dass man insgesamt aber immer noch die Rolle des Underdogs habe, störe nicht: „Wir können uns so voll auf uns konzentrieren“, meint Sagerer. Die Italienerinnen überzeugten bisher mit einem schnellen Spielstil. Dabei verlassen sie sich sehr auf Spielmacherin Raelin D’alien – eine der athletischsten und bisher auffälligsten Spielerinnen. Sie an ihren Drives zu hindern, wird ein Schlüssel zum Erfolg sein. Sonst wisse man noch nicht so viel über den Gegner: „Wir hatten noch nicht die Zeit, um uns im Detail mit dem Spiel der Freitagsgegner auseinanderzusetzen, werden das aber heute noch nachholen“, erklärt Sagerer mit Blick auf die Videoanalyse.
Spanien vs. Österreich
Mit Spanien kommt es am Freitagabend in der Primetime gleich zum nächsten Kracher. Der Thunderdome wird wohl erneut zum Bersten voll sein und die Stimmung kochen. Man wolle wieder als Team spielen und die „unglaubliche Energie“ der Fans nutzen. „Im 5-gegen-5 hätten wir nicht die Chance gegen Basketballländer wie Spanien oder Italien zu spielen. Das ist natürlich eine riesige Motivation“, so Sagerer. Gegen Spanien wird ihr zufolge erneut die Defense entscheidend sein.
Tatsächlich haben die Spanierinnen am ersten Tag mit unglaublichem Tempo und Treffsicherheit von außen beeindruckt. Mit Sandra Ygueravide haben sie eine sehr vielseitige Flügelspielerin in ihren Reihen, die vor allem wurftechnisch brandgefährlich ist. Zudem handelt es sich um eine sehr physische Mannschaft. Team Austria hat aber bereits am gestrigen Mittwoch gezeigt, dass man körperlich und vor allem unter dem Korb mit jeder Mannschaft mithalten kann.
Wie weit Team Austria in diesem Turnier kommt, wird letztlich wohl auch von der Tagesverfassung und dem Wurfglück abhängen. Speziell aus der Distanz klappte es an Spieltag eins noch nicht ganz nach Wunsch. Wenn sich unsere 3×3-Damen auch hier noch steigern, ist ihnen alles zuzutrauen.
Was Andreas Aigner und Elsa Köck im Boogie-Woogie sind, sind Matthias Feichtinger und Anna Sturm im Rock’n’Roll: Beide Paare konnten nicht nur national, sondern auch international große Erfolge feiern! Seit etwas mehr als acht Jahren tanzt das rot-weiß-rote Duo aus Oberösterreich gemeinsam, war 2019 zwischenzeitlich die Nummer 12 der Welt und ist in der internationalen Spitze angekommen.
Feichtinger wuchs in einer sportbegeisterten Familie, in der der Sport immer einen extrem hohen Stellenwert hatte, auf und hat sich in seiner Kindheit in vielen Sportarten versucht. Die herausfordernde Kombination aus Tanzen und Akrobatik hat es dem heute 25-Jährigen schnell angetan und sich als seine Sportart herauskristallisiert.
„Wenn man einen Sport über so viele Jahre ausübt, baut man natürlich eine enge Bindung auf. Das ganze Team und die unglaubliche Vereinsgemeinschaft sind ein wesentlicher Teil in meinem Alltag. Man definiert sich selbst über Rock’n’Roll und richtet sich seinen Zeitplan so zurecht, dass man alles unter einen Hut bekommt. Ich bin in jedem Training und Wettkampf stolz, dass ich unseren Sport repräsentieren kann“, erklärt Feichtinger, der als Key Account Manager gerne seine Freizeit „opfert“ und sich mit seiner Tanzpartnerin, die seit dem zehnten Lebensjahr dem Tanzsport verfallen ist, immer verbessern möchte. Sturm schlägt in die selbe Kerbe: „Auch für mich ist unser Verein wie eine zweite Familie geworden und ich schätze das gute Verhältnis mit den anderen Personen. Wir wollen zusammen immer besser werden, haben viel Ehrgeiz und freuen uns auf die bevorstehenden Turniere – 1,5 Jahre ohne große Wettkämpfe ist eine lange Zeit. Endlich gibt es wieder Ziele, auf die wir konkret hintrainieren können!“
Rock’n’Roll im Wandel der Zeit
Auch wenn das Zeitmanagement während seiner Studentenzeit definitiv einfacher war, geht der Trauner, der auch die Trainerausbildung positiv absolviert hat, seiner Leidenschaft mit großem Enthusiasmus nach. „Aktuell gibt es bei mir nur noch Arbeit und Sport. Logischerweise muss man neben einem Full-time-Job ein paar Abstriche machen. Das ist sehr schade, hilft aber nicht. In Österreich ist es leider nicht möglich, den Rock’n’Roll Akrobatik Tanzsport hauptberuflich auszuüben. Umso mehr ist es wichtig, dass man mit Spaß und Begeisterung dabei ist – ansonsten würde man nicht von sieben bis zehn am Abend in der Halle stehen.“ Das Tanzpaar, das gerade die Möglichkeiten eines zusätzlichen Trainings pro Woche auslotet, nutzt jede freie Minute, um sich stetig zu verbessern und in der Weltrangliste einen Sprung nach vorne zu machen.
Nach einem Boom in den 90er Jahren – viele TV-Übertragungen inklusive – hat sich die Sportart nach der Jahrtausendwende einem Wandel unterzogen. Rock’n’Roll hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt, ist in Hinblick auf die Schwierigkeitsstufen und die Bewertungen professioneller geworden und hat in puncto Akrobatik ordentlich zugelegt. „Dieser Prozess und die professioneller Zielausrichtung hat einen großen Impact gehabt. Früher war es eine Sensation, wenn Paare Doppelsaltos und Schrauben gezeigt haben, das ist zum Standard geworden. Mittlerweile sind die Schwierigkeiten höher und es geht viel mehr in die Leistungsakrobatik“, unterstreicht der Oberösterreicher die Entwicklung der letzten Jahre.
Große Umstellung bringt auf Anhieb Erfolg
2019 haben Feichtinger/Sturm die Tanztechnik, ihr Programm sowie die Akrobatik umgestellt und belegten auf Anhieb Platz neun in Prag (CZE). Die harte und intensive Arbeit hat sich bezahlt gemacht und ein erfolgreiches Jahr wurde mit dem ersten gemeinsamen österreichischen Meistertitel gekrönt. Aber auch im internationalen Vergleich stehen die beiden, auch wenn sie den Tanzsport nur „nebenbei“ ausüben, gut da, klopfen bereits an den Top 10 lautstark an und haben sich nach den tollen Erfolgen der Vergangenheit klare Ziele gesetzt.
„Wir wollen uns für die Word Games 2022 qualifizieren. Dafür müssen wir gute Ergebnisse einfahren und haben für uns in den kommenden Jahren die Top 5 ins Blickfeld genommen. Wir waren vor der Corona-Pandemie auf einem sehr guten Weg, müssen uns jetzt aber wieder aufs Neue beweisen und schauen wo sich die nächsten Wochen beziehungsweise Monate entwickeln. Wir haben definitiv noch Luft nach oben und wollen unser Potential voll ausschöpfen“, so der Österreichische Meister von 2019. Die 23-jährige Jus Studentin, die aktuell ein Praktikum bei einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen absolviert, ergänzt: „Für die Qualifikation zu den World Games müssen wir in der nationalen Rangliste auf Nummer eins stehen sowie international unter den Top 15 bleiben. Aber ich bin davon überzeugt, dass uns das als eingespieltes Team gelingen wird. In Graz bei den Finals wollen wir da ein erstes Zeichen setzen.“
Top 5 & World Games 2022 sind das große Ziel
Der erste internationale Start dieser noch jungen Saison ist im Juni im russischen Sotschi geplant, auch wenn hinter dem Antreten aktuell noch ein paar Fragezeichen stehen. „Für Russland herrscht aktuell ein Einreiseverbot für Ausländer mit einigen Ausnahmen. Es muss mit dem Job vereinbar sein. Soll heißen, dass wir uns beide keine Quarantäne leisten können, beziehungsweise möchten. Wir hoffen, dass es im Herbst mit der Impfung wieder normal wird und die Weltcup-Serie wie geplant stattfinden kann“, ist Feichtinger zum einen voller Vorfreude, zum anderen schwingt aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen jedoch eine große Portion Skepsis mit.
Aber bevor es wieder auf das internationale Parkett geht, warten Anfang Juni die Österreichischen Meisterschaften, die im Zuge der Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz ausgetragen werde. „Für uns persönlich ist es der Startschuss für die Zeit nach Corona und wollen an unsere Leistungen aus der Vergangenheit anschließen. Wir freuen uns, dass Rock’n’Roll Akrobatik bei so einer tollen Veranstaltung mit dabei ist und wir den Zuschauern spannenden und unterhaltsamen Sport, auch wenn es nur im digitalen Bereich sein wird, bieten können. Vielleicht sind die Finals die Initialzündung für die Jugend und das Sportland Österreich auf dem Weg zurück“, sieht der 25-Jährige in den Sport Austria Finals eine große Chance für den österreichischen Sport.
Fotocredit: Felix Leibetseder, WRRC, Harald Dostal
Während es für Österreichs 3×3-Damen in Graz schon am Mittwoch das erste Mal ernst wurde, hat das Herrenteam noch einen Tag länger Zeit, um sich für den FIBA Olympic Qualifier vorzubereiten. Die Österreicherinnen waren im Auftaktspiel körperlich zu stark und entschieden die Partie gegen die Gegnerinnen aus Chinesisch Taipei dank starker Drives zum Korb mit 21:15 für sich.
Auf die Truppe rund um Kapitän Moritz Lanegger wartet am Donnerstag dabei eine alles andere als leichte Aufgabe, denn die beiden Auftaktgegner zählen zur absoluten Weltspitze.
Auftakt gegen Lettland
Gegen die Letten haben die Österreicher zuletzt beim Masters der FIBA World Tour 2021 in Doha hauchdünn den Kürzeren gezogen. Genau genommen hätte Team Austria sogar die Chance auf den Sieg gehabt, ein Freiwurf von Top-Scorer Fabricio Vay wollte aber nicht den Weg in den Korb finden. In der Verlängerung setzten sich die Letten dann durch. Auch wenn die rot-weiß-roten Basketballer damals knapp unterlegen waren, zeigten sie eindeutig, dass sie mit der Weltspitze mithalten könnten.
Vor allem Vay bereitete dem Gegner mit seiner Stärke vom Dreier Probleme. Diesmal soll es in der Verteidigung noch besser werden: „Der Schlüssel ist, dass wir die Defense und das Tempo kontrollieren. Sie haben mit Nauris Miezis und Karlis Lasmanis zwei Spieler auf absolutem Weltklasseniveau. Wir müssen als Team überzeugen“, fordert Coach Steno Stelzhammer kurz nach dem letzten gemeinsamen Training.
Der Teamchef will vor allem eine physische Spielweise seiner Mannschaft sehen. Letztlich sei es aber sehr von der Tagesverfassung abhängig, wer sich in dem Duell den Sieg hole.
Spitzenspiel gegen Kroatien
Gegen Kroatien konnten Österreichs 3×3-Stars erst im April beim Nationenturnier in Novi Sad überzeugen und am Weg ins Finale gewinnen. Wenn man um ein Olympia-Ticket mitspielen will, ist die Partie gegen die Basketballnation fast schon ein Pflichtsieg.
Die Truppe von Coach Stelzhammer hat zweifellos das Potenzial dazu. Dazu ist vor allem von Bedeutung, dass man den Gegner nicht unterschätzt: „Die Kroaten spielen im 3×3 noch nicht so lange auf professionellem Niveau wie wir. Sie verfügen aber über unglaublich gute Individualbasketballer, wir müssen also von Beginn an hellwach sein.“
Auch wenn die Österreicher nichts von einer Favoritenrolle wissen wollen, muss gegen die Kroaten ein Sieg her. Denn in Gruppe D warten mit den Niederlanden und Kanada weitere Spitzenteams. Einen Ausrutscher darf sich hier keine Mannschaft leisten.
Der Film „Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes“ ist wohl den meisten ÖsterreicherInnen bestens bekannt und könnte in einer gewissen Art und Weise der Leitspruch von Nina Scheucher sein. Zum einen ist die 34-Jährige in beruflicher Hinsicht als Archäologin unter anderem auf der Suche nach alten Goldmünzen aus der Zeit der Römer, zum anderen jagt die Steirerin im Thaiboxen bei ihren Wettkämpfen wertvolles Edelmetall – große Emotionen inbegriffen.
Eines Tages kam Scheucher durch einen guten Freund erstmals mit dem Thaiboxen in Berührung – dieser Tag sollte das Leben der heute 34-Jährigen verändern und ein wenig auf den Kopf stellen. Voller Begeisterung und voller Tatendrang hängte sich die Steirerin fortan in ihre „neue sportliche Aufgabe“ und bestritt sehr schnell die ersten Kämpfe. „Für mich bedeutet Thaiboxen alles, es gehört fix zu meinem Leben. Es gibt keinen Tag ohne Training, ich lebe für diesen Sport und plane mein Leben danach. Es macht mich glücklich und erfüllt mich! Ich will etwas erreichen und es ist meine Lebensaufgabe“, schwärmt Scheucher, die in den Wintermonaten oftmals zum Training nach Thailand fliegt beziehungsweise regelmäßig andere Trainingscamps besucht, von ihrer großen Leidenschaft.
Im Vergleich zu vielen ihrer Konkurrentinnen gilt sie definitiv als Spätstarterin, kompensiert die fehlenden Trainingsjahre allerdings mit einem enormen Ehrgeiz und Willensstärke.
„Ich habe erst mit 27 Jahren, also sehr spät, mit dem Thaiboxen angefangen. Viele meiner Konkurrentinnen machen das schon seit dem sechsten Lebensjahr, haben eine andere Vorgeschichte und mit Judo beispielsweise schon früh Erfahrungen im Kämpfen gesammelt. Ich hatte vorher noch keine Kampferfahrung. Es ist nicht so einfach, mit der Weltelite mitzuhalten, sie haben in puncto Erfahrungswerte einen Vorsprung“, weiß die zweifache EM-Bronzemedaillengewinnerin die Situation richtig einzuordnen und überzeugt mit ihrer Zielstrebigkeit sowie einem klaren Lebensplan. Eines wird jedoch schnell klar: Scheucher ist ein Mensch, dir sich zu 100 Prozent auf ein Thema einlässt und sich da bedingungslos reinhängt. Das spiegelt den Charakter der sympathischen Thaiboxerin sowohl auf privater als auch auf sportlicher Ebene gänzlich wider.
Doppelpass Thaiboxen und Archäologie
Vom Thaiboxen alleine kann man in Österreich trotz aller Anstrengungen nicht leben. Aber was macht eine Athletin, die sich in einem „harten Sport“ durchschlagen muss, beruflich? Über gute Freunde ist Scheucher zu ihrem Hauptberuf gekommen. Nach einigen Vorlesungen war es klar, die 34-Jährige begann Archäologie zu studieren, schloss das Studium zügig ab und arbeitet heute als selbstständige Archäologin im Raum Wien und dem Burgenland.
„Ich bin kein Büromensch, arbeite gerne draußen und genieße die Abwechslung. Es ist wirklich ein anstrengender Beruf und für mich persönlich auch ein gutes Training. Ich bin oftmals nur mit Schreibtruhe und Schaufel unterwegs und habe schon viele spannende Sachen ausgegraben beziehungsweise gefunden. Neben alten Baustrukturen aus der Zeit der Römer waren auch viele alte und glänzende Goldmünzen dabei – von daher habe ich mir meinen Kampfnamen ‚Gold Hunter‘ abgeleitet“, gerät die Steirerin über ihren Beruf ins Schwärmen, auch wenn es das Wort „Langeweile“ in ihrem Leben so nicht gibt: Nach einer Runde am Fahrrad-Ergometer erfolgt um 7:00 Uhr der Start in den Arbeitstag, der gegen 17:30 fließend zum Training übergeht. Nach einigen intensiven Stunden gehen dann gegen 21:30 Uhr die Lichter aus.
Drei entscheidende Jahre
Auch wenn die letzten Monate Corona-bedingt auch für Scheucher nicht einfach waren, gibt es für die nächsten drei Jahre ziemlich konkrete Ziele und drei Fixpunkte. Die Hoffnung, auf eine Rückkehr in den normalen Trainingsmodus und mehrere Wettkämpfe im Sommer ist in der aktuellen Phase treuer Wegbegleiter. „Ich will mich unbedingt für die auf 2022 verschobenen World Games qualifizieren. Danach warten 2023 die European Games, ehe 2024 die Olympischen Sommerspiele in Paris auf meinem Zettel stehen. Ich werde Vollgas geben und versuchen das Optimum herauszuquetschen. Da ich ja schon 34 Jahre alt bin, habe ich dahingehend schon einen gewissen Zeitdruck. Corona hat auch mir in den letzten eineinhalb Jahren ziemlich viele Steine in den Weg gelegt.“
Zuletzt konnte die Thaiboxerin, die sich in der Gewichtsklasse bis 60 kg richtig wohl fühlt, bei zwei Turnieren in Tschechien und Ungarn „Gold“ gewinnen. „Gewinnen ist einfach das größte – das Gefühl ist unbeschreiblich, einfach geil. Aber auch wenn einmal einen Kampf verloren wird, ist das sehr emotional – ich steigere mich da immer richtig hinein. Aber ein Sieg macht dann alles wieder weg, etwas Besseres gibt es gar nicht. Es ist einfach ein geiler Sport – mit all seinen Facetten“, wird die zweifache EM-Bronzemedaillengewinnerin richtig emotional.
Super Sache für den Nachwuchs
Kampfsport ist auch für junge Mädels und Burschen eine super Sache. So bringt Thaiboxen jede Person weiter, es wird ein besseres Gefühl für den eigenen Körper entwickelt und stärkt das Selbstbewusstsein. „Es ist zwar ein Einzelsport, man hat im Training aber immer Leute um sich und es entwickelt sich trotzdem ein Teamgeist. Ich bin der Meinung, dass man die Jugend viel mehr zum Sport animieren sollte. Es wird sich langfristig auf ihre Gesundheit auswirken“, appelliert die Archäologin und setzt sich dafür ein, Jugendlichen „eine sinnvolle Aufgabe“ zu geben
„Man unterschätzt in dieser schweren Pandemie, was der Sport den Leuten gibt – es sollten mehrere Möglichkeiten offengelegt werden. Für die Gesundheit und die Psyche der Menschen ist Sport enorm wichtig. Ich kann nur jedem empfehlen, Thaiboxen auszuprobieren. Es hat sehr viele positive Effekte und man kann diesen großartigen Sport ja auch hobbymäßig ausüben. Ich verspreche, dass Thaiboxen jedes Leben bereichern wird“, findet Nina Scheucher schöne Schlussworte.
Die Österreichischen Meisterschaften im Footvolley finden am 4. und 5. Juni 2021 im Rahmen der Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz statt. Im offenen Bewerb treten die 16 besten heimischen Footvolley-Teams gegeneinander an. Auch Johnny Ertl ist dabei. Der ehemalige österreichische Nationalspieler und langjährige England-Legionär spielt seit vielen Jahren Footvolley. Bei den Sport Austria Finals wird er mit seinem Partner Gerhard Zuber, Sportdirektor von Hannover 96, antreten. Im Kurzinterview erzählt er uns mehr über seine Verbindung zur Szene und was den Sport so besonders macht.
Johnny, wie bist du zum Footvolley gekommen?
Johnny Ertl: Als Fußballer war Footvolley für mich immer eine perfekte Ergänzung und ein cooler Ausgleich, wenn ich zuhause in Graz war. Jetzt nach der aktiven Karriere ist es zum Glück etwas einfacher öfter dabei zu sein, sofern es unsere Arbeit zulässt. Ich bin Mitglied bei Footvolley Austria und versuche so gut es geht bei den Ranking-Turnieren dabei zu sein, um dranzubleiben.
Was gefällt dir besonders am Sport?
Ertl: Footvolley ist sehr taktisch, technisch und du musst ein Teamplayer sein. Dazu kommt noch die Bewegung im Sand, die gut für den Körper ist und das lockere Beach-Feeling, was die Sportart einfach ausmacht.
Was erwartest du dir sportlich für die Sport Austria Finals?
Ertl: Letztes Jahr sind wir ins Halbfinale gekommen und dort ein packendes Match gegen Jakob Hofmann-Wellenhof und Sascha Wegscheider gespielt. Obwohl wir heuer kaum Sandminuten in den Beinen haben, hoffe ich dort anschließen zu können. Die Konkurrenz wird immer besser in der Footvolley-Szene. Es gibt viele junge Teams, die sich über das letzte Jahr unheimlich gesteigert haben. Einfach herrlich mitanzusehen. Aber man darf nicht vergessen, dass Gerhard und ich zusammen einiges an Erfahrung mitbringen und es dadurch jedem Team schwer machen.
Warum sollen die Sportfans bei den Sport Austria Finals ein Auge auf Footvolley werfen?
Ertl: Weil es eine unglaublich tolle Sportart ist mit einem einzigartigen Flair. Mit vielen herzlichen und leidenschaftlichen Amateur-Sportlerinnen und Sportlern aus Österreich, die sich im Sand auf akrobatischste Weise messen.
Was wünscht du dir für die weitere Entwicklung der Sportart?
Ertl: Mehr Turniere, mehr Präsenz in den Medien und mehr Menschen, die die angebotenen Trainingslager besuchen und selbst beginnen zu spielen, bringen den Sport voran. Die Sports Austria Finals sind ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es macht einfach Spaß!
Orientierungslauf (OL) ist Laufen mit Karte, Kompass und Köpfchen. Auf der detailreichen Spezialkarte sind Kontrollpunkte (Posten) eingezeichnet, die in einer bestimmten Reihenfolge angelaufen werden müssen. Die Entscheidung für die Route zu den einzelnen Posten muss jeder Läufer selbst treffen. Je nach Gelände und Fähigkeiten des einzelnen Läufers führt die optimale Route über Wege oder über Stock und Stein, denn nicht immer ist der direkteste Weg auch der schnellste.
Jeder Läufer und jede Läuferin hat einen elektronischen Chip (SI-Chip), mit dem nachgewiesen wird, dass alle Posten in der richtigen Reihenfolge angelaufen wurden.
Orientierungssport ist Breitensport und Leistungssport. Der Österreichische Fachverband für Orientierungslauf betreut Jugend-, Junioren- und Elitekader, die regelmäßig an internationalen Wettkämpfen sowie Europa- und Weltmeisterschaften teilnehmen.
Für wen?
Der Orientierungssport spricht die ganze Familie an. Bei jedem Bewerb stehen unterschiedliche Kategorien, nach dem Alter oder nach dem Schwierigkeitsgrad eingestuft, zur Auswahl. Somit ist garantiert für jeden etwas dabei – egal ob Neuling, ambitionierter Hobbyläufer, Profi oder Senior. Für die Jüngsten gibt es mit Fähnchen markierte Strecken, ab zirka zehn Jahren startet jeder in einer seinem Alter angepassten Kategorie. Orientierungssport ist nicht nur für Einzelkämpfer ein Erlebnis, Team-Disziplinen wie Staffel- oder Mannschaftsbewerbe haben für viele einen besonderen Reiz.
Orientierungssport ist naturverbunden, die Bewerbe finden bei jedem Wetter statt, kein Lauf gleicht dem anderen. Bei Kindern und Jugendlichen steht häufig das Abenteuer im Vordergrund. Die Strecke gleicht einer Schatzsuche, jeder erfolgreich angelaufene Posten ist ein Erfolgserlebnis.
Wo?
Orientierungsläufe bzw. die unterschiedlichen Formen des Orientierungssports finden weltweit statt, neben Läufen in Wäldern gibt es auch Bewerbe in Städten und Parks. An die 60 Vereine sind im Österreichischen Fachverband für Orientierungslauf organisiert und gestalten Wettkämpfe und Trainings. Zusätzlich zu nationalen Bewerben finden österreichweit regelmäßig kleinere Cup-Läufe oder Meisterschaften statt.
Die detaillierte Karte im Maßstab von 1 : 4.000 bis 1 : 15.000 wird bei einem Wettkampf erst unmittelbar vor dem Start vom Veranstalter ausgegeben. Die anzulaufenden Posten (Kreis), Start (Dreieck) und Ziel (Doppelkreis) sind aufgedruckt. Die Reihenfolge der anzulaufenden Posten ergibt sich durch die Nummerierung und die Verbindungslinien.
Selber mitmachen!
Teilnehmen geht einfach, bei den meisten Events gibt es Neulingsstrecken und offene Kategorien, in denen eine Teilnahme jederzeit mit Anmeldung direkt vor Ort möglich ist. Regionale sowie nationale Veranstaltungen eignen sich gleichermaßen für einen Probe-Orientierungslauf. Anfangs ist noch keine Spezialausrüstung erforderlich, ein Paar (Trail-)Laufschuhe und lange Sportbekleidung werden empfohlen. Die Mitnahme eines Kompasses zur besseren Orientierung ist jedoch sehr hilfreich! Der SI-Chip, der zur elektronischen Zeitmessung verwendet wird, kann in der Regel bei der Anmeldung ausgeborgt werden.
Sämtliche aktuellen Veranstaltungen können auf „ANNE“, dem Österreichischen Orientierungssport Meldesystem, jederzeit eingesehen werden:
Nach dem grandiosen College-Turniersieg von Emma Spitz vergangene Woche im NCAA Louisville Regional sowie dem dritten Platz beim Augusta National Women’s Amateur, bei dem die Bronzemedaillengewinnerin der Olympischen Jugendspiele 2018 heimische Golfgeschichte schreiben konnte, Anfang April legte die 21-jährige Niederösterreicherin nun erneut nach.
UCLA Student Athlete of the Week
Bei den NCAA Regional Finals kämpft sich Spitz letzte Woche nach einer 73er Auftaktrunde zurück und feierte mit acht Schlägen unter Par ihren ersten Turniersieg im US College Golf freuen. Nach ihrem Premierensieg und einer starken Performance wurde die Niederösterreicherin von ihrem College als UCLA Student Athlete of the Week ausgezeichnet.
Bei den NCAA Championships im Grayhawk Golf Club Scottsdale waren viele Augen auf das heimische Golftalent gerichtet, die sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen ließ. Spitz absolvierte vier konstante Runden und konnte sich im Laufe des Turniers steigern. In der Endabrechnung verpasst die 21-Jährige in der Einzelwertung den Sieg um nur einen Schlag um Haaresbreite denkbar, darf sich mit gesamt sieben Schlägen unter Par aber dennoch über den herausragenden 2. Platz freuen.
Ab Mittwoch geht es für die rot-weiß-roten 3×3-Basketballer in Graz ans Eingemachte. Die Mannschaft von Stano Stelzhammer hat sich die letzten Wochen und Monate intensiv auf das alles entscheidende Heimturnier vorbereitet. In der steirischen Landeshauptstadt geht es beim FIBA 3×3 Olympic Qualifier um das Ticket für die Olympischen Sommerspiele in Tokio. Wie groß 3×3-Basketball mittlerweile auf der ganzen Welt ist, zeigen nicht nur 40 Teams aus 36 Nationen, sondern auch das enorme Interesse der Fans
Olympia als großes Ziel
Bei den Herren stellt Österreich im „Thunderdome“ auf dem Grazer Hauptplatz ein Team ehemaliger Bundesligaspieler und Auslandsprofis, das sich seit mittlerweile fast einem Jahr voll und ganz auf 3×3-Basketball spezialisiert hat. Angeführt wird die Auswahl von Lokalmatador Moritz Lanegger (31), dem der eingebürgerten und in Niederösterreich wohnhafte Fabricio Vay (35), der knapp 29-jährige Burgenländer Filip Krämer sowie als Jüngster im Quartett der Oberösterreicher Matthias Linortner (24) zur Seite stehen. Das ÖBV-Team will laut Stelzhammer der „Hecht im Karpfenteich“ sein.
„Wenn wir mit kompletter Intensität und mit dem Kopf zu 100 Prozent da sind, haben wir die Chance, das große Ziel Olympia zu erreichen“, sagte Lanegger am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz in Graz und ergänzt: „Das Kribbeln wird immer stärker. Wir freuen uns, dass wir bald ins Turnier starten können.“
„Hammergruppe“ für die Herren
Das Männerteam startet am Donnerstag mit zwei richtig harten Brocken und trifft in der ersten Partie auf Lettland (19:00 Uhr) und im Anschluss auf Kroatien (20:15 Uhr). Am Samstag geht es dann mit den beiden Duellen gegen die Niederlanden und Kanada mit ähnlichen Kalibern weiter.
„Jedes Team in unserer Gruppe hat die Chance auf das Viertel- oder Halbfinale. Insgesamt haben wir sicher eine sehr schwere Gruppe erwischt“, sagt auch Lintortner. Gleichzeitig stimme aber die Formkurve und alle Gegner seien schlagbar. Vor allem im Training habe man sich zuletzt nichts geschenkt und fühle sich gut vorbereitet. „Wir schauen jetzt einfach von Spiel zu Spiel“, so der Flügelspieler.
Fans als Motivationsspritze
Lanegger sieht das ähnlich. Der Lokalmatador erwartet sich vor allem von den Fans, die endlich wieder live dabei sein dürfen, wertvolle Unterstützung: „Im Sport fehlt einfach etwas ohne Zuschauer. Wir wollen den Fans viele Siege liefern.“ Dabei werde auch die Show nicht zu kurz kommen, denn 3×3 sei besonders schnell, hart und intensiv.
Besonders stolz ist der Steirer über die Entwicklung, die der 3×3-Basketball in Österreich bereits hingelegt hat. Sich ganz für das neue Format entschieden zu haben, sei absolut richtig gewesen. Die professionelle Vorbereitung habe das zusätzlich bestätigt.
Potential für eine Überraschung
Das Ausmaß dieses Hypes wird auch vom Abschneiden der Österreicher abhängen. Sowohl Damen als auch Herren werden zum erweiterten Favoritenkreis gerechnet und haben das Potenzial gegen größere Nationen zu überraschen. „Wir haben uns seit einem Jahr professionell vorbereitet. Im 3×3 ist die Chance sich für ein Großevent zu qualifizieren deutlich höher als im Fünf-gegen-Fünf“, meint Basketball Austria Generalsekretär Stefan Laimer mit Blick auf die kommenden Tage. Sollte das gelingen wäre Laimer natürlich überglücklich: „3×3 ist rasant, spektakulär, sensationell oder abgekürzt – einfach nur geil.“
Bei den Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz werden im Juni die Österreichischen Meisterschaften im Slowpitch, einer Mixed-Variante im Softball, ausgetragen. Gabriele Hardinger, Vizepräsidenten der Austrian Baseball Softball Federation und für den Bereich Softball (Slow- und Fastpitch) verantwortlich, ist nicht nur als Funktionären seit Jahren äußerst engagiert, sondern fährt auch als Spielerin mit ihrem COED-Team als Favoriten in die Steiermark zu den Finals. Im Gespräch gibt die sympathische Oberösterreicherin einen guten Einblick in ihren Sport, worauf es ankommt und warum die Entwicklung in einer positive Richtung geht.
Wie sehen Sie die Entwicklung im Bereich Slowpitch in den letzten Jahren? Garbiele Hardinger: Die Entwicklung der letzten Jahre stimmt mich äußerst positiv. Bei der Fastpitch-Variante (Anm.: Damen) haben wir eine Stabilisierung der zweiten Bundesliga geschafft und ein umfangreiches Nachwuchsprogramm ins Laufen gebracht. In Österreich gibt es sehr viele talentierte Spielerinnen und Spieler, die von unten nachkommen und sich kontinuierlich in die etablierten Teams integrieren. Darüber hinaus konnten wir Nachwuchsspiele in ganz Österreich ermöglichen – das hilft für die gesamte Entwicklung natürlich. Die Variante Slowpitch (Anm.: Mixed) wird auch seit vielen Jahren gespielt. 2002 konnten wir mit der Nationalmannschaft erstmals an einer Europameisterschaft teilnehmen. In den letzten Jahren haben wir wieder jemanden gefunden, der sich mit viel Leidenschaft um das Nationalteam und die stark wachsende Community kümmern möchte. Wir werden nun zum zweiten Mal in Folge zu einer Europameisterschaft fahren – das unterstreicht den eingeschlagenen Weg!
Das klingt nach vielen SpielerInnen im Nachwuchs und einem guten Unterbau? Hardinger: Bei uns wurde sehr früh das Bewusstsein geschaffen, was wir tun müssen, um den Nachwuchs langfristig zu fördern. Wir haben die Köpfe zusammengesteckt und uns überlegt, was für Maßnahmen wir konkret setzen können. Daraufhin wurde die Youth Softball League ins Leben gerufen. Spielerinnen und Spieler werden lose angemeldet, kommen sozusagen in einen Pool und werden daraufhin unterschiedlichen Teams zugelost. Somit können die Nachwuchstalente in ihrer Altersklasse österreichweit spielen – das Konzept hat sich bewährt und wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten. In den letzten Monaten war das aufgrund der Corona-Pandemie leider nicht möglich. Ich hoffe, dass das nun bald wieder anfängt zu laufen und wir diese für uns wichtige Säule wieder bedienen können.
Wie schwer waren die letzten Monate für Ihren Sport? Hardinger: Wir sind froh, dass wir 2020 unsere Ligen spielen konnten. Es hat sich allerdings sehr viel zusammengeschoben und aufgrund einer zeitlichen Komponente sind auch viele Spiele und Veranstaltungen ausgefallen. Es wurde uns im wahrsten Sinn des Worts der Boden unter den Füßen weggerissen und es hat eine Zeit lang gedauert, bis wir damit umgehen und alle Veränderungen richtig einordnen konnten. Nach dem Re-Start waren die jungen Spielerinnen meiner Mannschaft sehr schnell wieder mit viel Begeisterung dabei. Im Endeffekt kann man sagen, dass unsere gemeinsamen Trainings die einzige Konstante in dieser Zeit waren. Man konnte sich nicht treffen, auch die Schule war unregelmäßig. Auch wenn wenige Spiele stattgefunden haben, konnten wir ihnen mit den Trainings eine gewisse Regelmäßigkeit und eine Struktur im Alltag bieten – das ist gerade im Nachwuchs sehr wichtig. Das gemeinsame Bewegen und die emotionalen Sporterlebnisse sind für Kinder so wichtig und sorgen für ein gefestigtes soziales Umfeld.
Wichtiger Schritt in Sachen Digitalisierung
Nehmen Sie auch etwas Positives aus dieser langen Zeit mit? Hardinger: Das ist nicht leicht zu beantworten. Mich hat nicht nur die Seite des Verbandes, sondern auch die des Vereins betroffen. Es war nicht einfach die Fragen und Sorgen der Vereine zu beantworten, ihnen Perspektive aufzuzeigen und den Zusammenhalt trotz der schwierigen Situation zu fördern. Aber man kann definitiv sagen, dass wir die Zeit, die wir gemeinsam hatten, intensiver erleben und sie richtig genießen konnten. Wir haben aber versucht, in Sachen digitaler Organisation einen wichtigen Schritt zu machen. Neben Livestreaming wurden viele Kurse und Weiterbildung online angeboten, das wurde super angenommen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren flexibler, mussten keine weiten Fahrtstrecken auf sich nehmen und konnten gezielt sowie konzentrierter an die Sache herangehen. So hatten wir bei unserem Slowpitch-Schiedsrichterkurs innerhalb kürzester Zeit knapp 30 Anmeldungen, auch aus dem Ausland. Das hat uns wirklich überrascht.
Sie sind aber nicht nur im Funktionärswesen bei der Austrian Baseball Softball Federation tätig, sondern auch in Linz bei den Linz Bandits/Witches seit Jahren als Spielerin und Funktionärin engagiert. Wie kam es dazu? Hardinger: Ich habe 1992 in Linz begonnen zu spielen, und bereits ein Jahr später die Damenmannschaft organisatorisch übernommen. Seither bin in verschiedenen Positionen im Landes- und Bundesverband tätig. 1999 wurde erstmals die Mixed-Variante gespielt, das war am Anfang aber ein hartes Stück Arbeit. Die Männer waren nicht so begeistert, mit uns Frauen spielen zu müssen. Die Ablehnung ist aber schnell verflogen. Wir waren dann sehr erfolgreich und konnten eine gute Entwicklung hinlegen. Mittlerweile gibt es einige Stammspielerinnen, die bereits über 10 Jahre in der COED-Mannschaft und eine eingeschworene Gruppe geworden sind. Mit dem Damenteam (Anm.: Fastpitch) wurden wir bislang zwei Mal Meister, mit der Mixed-Mannschaft (Anm.: Slowpitch) bislang 10-mal – eine richtig erfreuliche Geschichte. Ohne meinen Sport wäre ich nie zu der Person geworden, die ich heute bin!
Slowpitch vereint Generationen
Warum ist Ihre Mannschaft so erfolgreich? Gibt es ein Geheimrezept? Hardinger: Wir haben in unserem COED-Team sehr viele gute Spielerinnen und Spieler, sind über Jahre zu einer richtigen Einheit zusammengewachsen und eine eingeschworene Gruppe. Dass Damen und Herren in einer Mannschaft spielen, gibt es ja auch nicht in vielen Sportarten – der Respekt füreinander wird bei uns großgeschrieben, das macht uns seit Jahren so erfolgreich. In den letzten Jahren wurde Slowpitch immer erst am Jahresende in Turnierform gespielt. Die Idee ist bei uns weitergewachsen und wir praktizieren das auch über das gesamte Jahr zusammen. Slowpitch vereint Generationen und wir haben eine weitläufige Altersstruktur in der Mannschaft (Anm.: von 15 bis ca. 50 Jahre) – das funktioniert super. Durch diesen Mixed-Bewerb profitieren vor allem die Spielerinnen, die dann mit großem Selbstvertrauen zur reinen Damenvariante, Fastpitch, kommen.
In wenigen Tagen beginnen die Sport Austria Finals powered by Intersport & Holding Graz. Wie sehen Sie diese Premiere und mit welcher Erwartungshaltung fahren Sie mit Ihrer Mannschaft in die Steiermark? Hardinger: Ich finde es großartig, dass unsere Österreichischen Meisterschaften in so einem großen Sportrahmen durchgeführt werden. Die Idee, verschiedene Sportarten zu verbinden und ein richtiges Zuschauerevent zu organisieren, ist eine großartige Geschichte für den heimischen Sport – auch wenn es mit den Zuschauern heuer wohl noch schwierig wird. Wir wollen natürlich wieder vorne mitspielen und den Titel holen. Die Karten werden zwar jedes Jahr neu gemischt, aber uns sind die Meisterschaften immer sehr wichtig. So gehen wir auch an die Sache heran. Für viele Spielerinnen ist es eine tolle Generalprobe, da eine Woche später die Softball-Europameisterschaft stattfinden wird. In Graz können sie sich den letzten Feinschliff holen und Einsatzzeit sammeln.
Wagen wir noch einen Blick in die Zukunft. In welche Richtung wird sich Softball in den nächsten Jahren entwickeln? Hardinger: Wir hoffen, dass die regionalen Ligen und unsere Community weiterwächst und österreichweit richtig zusammenwächst. Wir wollen unsere Ideen und die gestarteten Programme in den nächsten Jahren durchziehen – das liegt auch viel Verantwortung bei mir, da ich die Mittel dazu aufbringen muss (lacht). Ich liebe die Fastpitch-Variante der Damen, aber auch die Mixed-Variante liegt mir besonders am Herzen, sonst wäre ich nicht über so viele Jahre dabeigeblieben und hätte mich nicht so intensiv für meinen Sport engagiert. Auch in der Zukunft muss man sich vor Augen führen, dass man ohne Breiten- keinen Spitzensport bekommt. Wenn nur die Spitze vorhanden ist und der Unterbau fehlt, wäre das fatal. Es ist ein Balanceakt, dass man da einen gesunden Mittelweg findet und den Wünschen und individuellen Bedürfnissen gerecht wird. Man muss alle Interessen bestmöglich abdecken können, nur so kann man einen Schritt nach vorne machen.
Sie haben den Breitensport angesprochen. Wie legt der Verband den Grundstein und sorgt für ein gefestigtes Fundament? Hardinger: Wir haben versucht, dass viele Leute den Sport ausüben können und im Breitensport das Regelwerk aufgelockert. Dadurch sind einige Spielerinnen und Spieler auf den Geschmack gekommen und den Schritt Richtung Leistungssport gemacht. Den Weg sind aber auch Vereine mitgegangen. So haben die „Raccons“ aus Stockerau vor einiger Zeit das erste alleinige Slowpitch-Feld errichtet. Das unterstreicht, dass wir auf dem richtigen Weg sind und ich hoffe, dass da noch einige folgen werden. Slowpitch ist zum Einstieg echt ideal und hat aufgrund des Alters- und Geschlechtermixes viele Vorteile – das muss weiterhin gefördert werden.
Sport voller Leidenschaft
Wenn Sie auf Ihre bisherige Spielerinnen- und Funktionärskarriere zurückblicken: Gibt es da einen speziellen Moment, der Ihnen in Erinnerung geblieben ist? Hardinger: Einen Moment gibt es bei mir nicht, aber mein erster Meistertitel 2017 im Fastpitch war etwas richtig Besonderes. Ich habe so lange darauf hingearbeitet und so viele Spielerinnen kommen und gehen gesehen. Da war ich emotional überwältigt und der Titel hat mir richtig viel bedeutet. Aber auch die Europacup-Teilnahme 2018, die wir auf Platz vier abschließen konnten, hat in meinen Gedanken immer noch einen festen Platz – mein liebstes Turnier mit der Mixed-Mannschaft und viele einzigartige Erlebnisse. Bei meiner Slowpitch-Mannschaft kann man eines herausstreichen: Sport verbindet! Wir haben Spieler aus der Dominikanischen Republik in unserem Team, die den Sport voller Leidenschaft ausüben und richtig brennen. Es ist eine super Mischung: Der langweilig gestrickte Österreicher mit den heißblütigen Menschen aus der Karibik, die einen richtig mitreißen. Man lernt andere Kulturen und unterschiedliche Charaktere kennen und gewisse Dinge besser zu verstehen. Dieser interkulturelle Ansatz ist unbezahlbar und prägt uns alle. Es sind die kleinen Momente, die schwierige Zeiten vergessen machen. Der Gedanke an diese Erlebnisse hilft uns und geben uns viele positive Energie für die kommenden Aufgaben.
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